Mogadischu/Johannesburg – Als ob das Horn von Afrika nicht schon genug Probleme hätte: Seit 25 Jahren wird Somalia von einem Bürgerkrieg zermürbt, auch die Nachbarn Eritrea, Dschibuti und Äthiopien werden unter anderem deshalb von Spannungen belastet. Als Somalia vor einem Jahr einen neuen Präsidenten wählte, schien endlich Hoffnung aufzukommen: Mohamed Abdullahi – alias "Farmajo" – wurde zugetraut und zugemutet, dem Chaos im Land zumindest Grenzen zu setzen.

Doch inzwischen sieht sich der gescheiterte Staat sogar noch mit einer neuen, völlig unverschuldeten Herausforderung konfrontiert – mit den Folgen des Konflikts am Golf von Arabien. Der Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf der einen und Katar, der Türkei und dem Iran auf der anderen Seite zieht auch in Afrika immer gefährlichere Kreise. Das Saudi-Lager wirft seinen Gegnern Unterstützung des Terrorismus vor, was diese von sich weisen: Im Jemen liefern sich die beiden Lager einen Stellvertreterkrieg.

Im April sorgte er auch dafür, dass sich im Parlament von Mogadischu die Bodyguards des Präsidenten Farmajo und des Parlamentssprechers Mohamed Osman Jawari mit entsicherten Waffen gegenüberstanden: Um ein Haar wäre es zu einem Blutbad gekommen. Anlass war der Ausbau des Hafens in der somalischen Stadt Berbera durch DP World – einen Konzern der Union Arabischer Emirate (UAE). Dieser liegt in der Region Somaliland, die sich selbst für unabhängig erklärt hat.

Falsche Hoffnungen

Zunächst glaubte Somalias Regierung, sich aus dem Konflikt heraushalten zu können. Schließlich profitierte Mogadischu von beiden Seiten: Während die UAE-Streitkräfte somalische Soldaten ausbildeten, unterstützte Katar den Bürgerkriegsstaat finanziell. Vor allem aber engagiert sich die Türkei bereits seit Jahren im Wiederaufbau: Türkische Fachkräfte wickeln den Verkehr auf Mogadischus Flughafen und in seinem Hafen ab, türkische Ärzte helfen in Krankenhäusern aus. Sogar Präsident Tayyip Erdogan besuchte vor drei Jahren den Gefahrenstaat.

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Bisher ist der Hafen von Berbera noch nicht für größere Lieferungen ausgestattet.
Foto: Reuters / Feisal Omar

Dass Staatschef Farmajo sich im Konflikt als "neutral"erklärte, versuchten seine Gegner auszunutzen. Die in Somaliland lebenden Somalier etwa wollen sich von ihrem Bruderstaat seit Jahrzehnten abzuspalten, was bisher an der mangelnden internationalen Anerkennung des 3,5 Millionen Einwohner zählenden Gebiets scheiterte, obwohl dieses – anders als Somalia – mehrfach demokratische Wahlen organisierte und es dort auch viel weniger Chaos gibt.

Nun sah Somalilands selbsternannter Präsident Muse Bihi Abdi die Chance, mit dem Lager der Saudis einen Verbündeten zu finden. Er ließ DP World den Zuschlag für den Ausbau des Hafens in Berbera zukommen, den UAE-Streitkräften versprach er zudem einen Stützpunkt. Der Deal erfreut auch Äthiopien. Denn der Binnenstaat mit seinen 80 Millionen Einwohnern beteiligte sich zu 20 Prozent am Hafen. Addis Abeba, das bisher 95 Prozent seines Handels über Dschibuti abwickelt, erhofft sich davon einen Weg zum Meer. Den eigenen Zugang verlor man 1993 mit der Abspaltung Eritreas.

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Das soll sich ändern. Die Vereinigten Arabischen Emirate investieren kräftig.
Foto: AP / Malak Harb

Die Emirate wiederum setzen nun Mogadischu unter Druck. Als Soldaten kürzlich ein UAE-Flugzeug durchsuchten, stellten die Emirate kurzerhand ihr Unterstützungsprogramm der somalischen Armee ein und schlossen gleich noch eine Klinik in Mogadischu, in der täglich rund 300 Patienten behandelt werden. Das brachte den zweiten Teilstaat Somalias, das von islamistischen Extremisten destabilisierte Puntland, auf: Auch dort werden nun Stimmen, die eine Abspaltung fordern, laut. Somalia, meint Rashid Abdi von der International Crisis Group, werde "davon in seiner Existenz bedroht". (Johannes Dieterich, 3.5.2018)