Peter Goldgruber, Generalsekretär des Innenministeriums, beim Polizeiball in der eigens für ihn normierten Uniform.

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Leser der "Presse" kamen letzten und vorletzten Sonntag in den Genuss jeweils ganzseitiger Interviews mit dem Innen- und dem Reform-(vulgo Justiz-)Minister. Der eine sicherte sich mit der Selbsteinschätzung "Ich halte mich nicht für unersetzbar" Zustimmung weit über seine Partei und den Leserkreis des Blattes hinaus, der andere nährte das Prinzip Hoffnung mit der Ankündigung: "Ich bin kein Sesselkleber, war es nie."

Darüber hinaus versprach er Lehren aus seiner lebensbedrohlichen Erkrankung, die in den tiefen Gedanken mündeten: Da denkt man dann schon, man sollte die Zeit, die man hat, sinnvoll nützen. Bekanntlich versucht er das mit Entrümpeln: 2500 Rechtsnormen in einem ersten Schritt. Dann gehen wir das Gold Plating an, also die Übererfüllung von EU-Vorgaben. Aber die Krankheit hat ihn darüber hinaus gelehrt: Man merkt auch, dass es ein Gesundheitssystem gibt, das gut funktioniert. Selbst das lässt sich entrümpeln, wenn es nach dem Bundeskanzler geht. Aber der Außenministerin sollte er eine Chance geben.

Der Innenminister konnte der "Presse" über seine Anfänge berichten: Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Man betritt ein Schiff in voller Fahrt mit eingespielter Crew, und es dauert, bis man den Kurs in Richtung Regierungsprogramm bringen kann. Zugegeben, das mit den Polizeipferden zieht sich ein wenig, aber Wichtigeres gelang schneller, wie "Profil" diese Woche ein wenig verspätet, aber dennoch verdienstvoll berichten konnte. Peter Goldgruber, Mitglied der eingespielten Crew, erschien in neuartiger, eigens für ihn entworfener "Repräsentationsuniform" am Polizeiball.

Und erst Goldgrubers Uniformhose!

Derselbe hat am 12. Jänner stattgefunden, als Goldgruber, seit 19. Dezember 2017 rechte Hand des nicht Unersetzbaren, dort in einer neuartigen, eigens für ihn entworfenen "Repräsentationsuniform" erschien. Laut "Profil" ist Goldgrubers Kreation eine selbstbewusste Weiterentwicklung der Galauniform von Michaela Kardeis, der Generaldirektorin für die Öffentliche Sicherheit, ein schöner Beweis für die richtungsweisende Rolle, die Frauen im Bereich der Verwaltung heute zukommt. So ziert Goldgrubers Kragen eine "Distinktion", die als Symbol der Unschuld im Polizeiumfeld angemessen erscheint: Eine große, weiße Lilie auf goldenem Hintergrund mit roter Bordierung ("Passepoil").

Und erst Goldgrubers Uniformhose! Sie wurde überhaupt neu designt, undenkbar, unter einem Minister Kickl mit einer alt designten Hose den Balldienst anzutreten. Daher: je zwei rote und einen goldenen Längsstreifen. Auch Goldgrubers Ärmelabzeichen mit der Aufschrift "Bundesministerium für Inneres" gab es so bisher nicht. Da stand offenbar die Befürchtung Pate, der neue Generalsekretär könnte sich ohne Ärmelabzeichen in ein anderes Ressort verirren.

Kostümierte öffentliche Sicherheit

Dass es sich bei diesem Zauber der Montur nicht um ein Fantasiekostüm handelt, beweist die Tatsache, dass es "normiert" wurde, am Tag nach dem Amtsantritt des Generalsekretärs, von der Generaldirektion, die ihm gegenüber weisungsgebunden ist. Jetzt gilt es nicht nur, eine derart kostümierte öffentliche Sicherheit vor Entrümpelungsplänen des Justizministers zu schützen, sondern sich rechtzeitig zu überlegen, wie die kommenden Polizeipferde und deren Bereiter einzukleiden wären, um sich des Generalsekretärs würdig zu erweisen. Und schön zu sehen, was unter einem freiheitlichen Innenminister Vorrang hat.

"Wie über einen Vaterlandsverräter"

Apropos freiheitlich. Wie ein Mann steht die Partei hinter der genialen Wortschöpfung vom stichhaltigen Gerücht ihres politischen Genies Gudenus. Alle Gutmenschen in diesem Lande sind über den freiheitlichen Spitzenpolitiker hergefallen wie über einen Vaterlandsverräter, fand Walter Seledec in "Zur Zeit". Dabei ist dem Bundespräsidenten dafür nur die Wertung "lächerlich" eingefallen.

Seledec aber hält dagegen: Gut so, Herr Gudenus! Denn letztlich geht es um Höheres, um den umtriebigen Mann George Soros, der es sich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten "verscherzt" hat, und um ebendiesen, der wie ein Löwe sein Heimatland gegen alles verteidigt, was zur Zeit den Zeitgeist bestimmt. Die illiberale Demokratie erscheint ihm dafür das rechte Mittel. Da kennt die Begeisterung des einstigen ORF-Mitarbeiters Seledec keine Grenzen mehr. Gut so, Herr Gudenus! Bleiben Sie bei Ihrer Kritik. Und Viktor Orbán ist ein großer europäischer Staatsmann! Es lebe Ungarn! Éljen a magyar!

Die Heimat als Löwenkäfig, das ist nach blauem Geschmack. (Günter Traxler, 6.5.2018)