Derzeit gibt es in Österreich 20 Bergsteigerdörfer, Ziel sind 25 Bergsteigerdörfer.

Foto: Ulrich Kirchmayr

Innsbruck – Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) sieht das 2008 etablierte Tourismusprojekt "Bergsteigerdörfer" als Gegenpol zum Intensivtourismus. Schließlich sei es das Selbstverständnis des ÖAV "bei Auswüchsen den Zeigefinger zu erheben" und Alternativmöglichkeiten aufzuzeigen, sagte ÖAV-Präsident Andreas Ermacora bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Innsbruck.

Der Widerpart zu den Bergsteigerdörfern war jedenfalls schnell benannt. Mit Aussichtsplattformen und Massen-Events in den Bergen hat der ÖAV-Präsident keine rechte Freude. "Es geht bei dieser Art von Tourismus immer um noch mehr Erschließungen und neue Rekorde", diagnostizierte er. Auch die damit einhergehende Veränderung des Landschaftsbildes oder die bereits im November beginnende "Intensivbeschneiung" sind Ermacora ein Dorn im Auge. Die steigenden Kosten für das Skifahren und die hohen Preise beim Essen in den Skigebieten führte er als Begleiterscheinungen des vom ÖAV wenig geliebten Zugriffs auf die Natur an.

Keine Dauerbeschallung

Als "Diversifizierung" wollte Liliana Dagostin, Projektleiterin und Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im ÖAV, die Bergsteigerdörfer hingegen verstanden wissen. Man spreche ganz einfach ein "anderes Klientel" an. Den "Verlust von Ruhe" durch Dauerbeschallung hob sie etwa als ein Problem des Intensivtourismus hervor. Daher gebe es in die ÖAV-Hütten seit jeher keine musikalische Daueruntermalung, so Dagostin.

Doch allein die Ruhe reicht nicht aus, um ein Bergsteigerdorf zu werden. So muss etwa der alpine Landschaftscharakter gegeben sein und Eingriffe in die Landschaft, etwa durch Gesteinsabbau, sollten sich auf einem Minimal-Level befinden. Auch Zersiedelung, laute Verkehrsanbindungen und "intensivtouristische Wintersportanlagen" sind deutliche Minuspunkte für sich bewerbende Dörfer.

Natur erleben

"Das Nichts ist sehr wertvoll geworden", sah Helga Beermeister, ihres Zeichens unter anderem Mitinititatorin des Bergsteigerdorfes St. Jodok, Schmirn- und Valsertal, die Reduzierung auf das Wesentliche als größten Pluspunkt. Denn immer mehr Bergbegeisterte wollten die nichterschlossenes Natur erleben, sei in Form einer Schneeschuh- oder Winterwanderung.

Die Idee der Bergsteigerdörfer reicht bis in das Jahr 2005 zurück. 2008 wurde unter Federführung des ÖAV die erste Deklaration der Bergsteigerdörfer unterzeichnet. Derzeit gibt es in Österreich 20 Bergsteigerdörfer, als Ziel nannte Dagostin 25 Bergsteigerdörfer. In Zukunft will man sich auch internationaler ausrichten. So wird es beispielsweise Ende Mai ein erstes Bergsteigerdorf in Slowenien geben. Das Projekt "Bergsteigerdörfer" ist außerdem ein offizielles Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention. (APA, 15.5.2018)