Labyrinthe gibt es in Europa seit 5.000 Jahren – das Pflanzenlabyrinth auf dem Schwarzenbergplatz nur noch bis zum 3. Juni.

Foto: Lisa Rastl

Wien – Tina Zickler wollte ein Statement setzen. Viel zu viele "absurde und überflüssige nationalistische Bewegungen" würden versuchen, das europäische Gemeinschaftsbewusstsein zu schwächen. Diesem Antieuropäismus wollte die freie Kuratorin ein gemeinsames Element der europäischen Kultur entgegensetzen.

So organisierte die gebürtige Deutsche, seit sechs Jahren in Wien tätig, ein begehbares Pflanzenlabyrinth auf dem Schwarzenbergplatz. Dieses besteht aus 400 Pflanzen aus den österreichischen Bundesgärten, die einen Kreis vor dem Hochstrahlbrunnen bilden. Innerhalb des Zirkels befindet sich ein 310 Meter langer Weg, der nach vielen Umwegen in die Mitte führt.

Labyrinthe gibt es in Europa seit Jahrtausenden. Vor 5.000 Jahren soll dieses Konzept im Mittelmeerraum entstanden sein. Auf dem Schwarzenbergplatz wird die Geschichte thematisiert: Außerhalb des Kreises zeigen Plakate 40 verschiedene Labyrinthe von der Steinzeit bis heute. Neben Beispielen aus dem Wiener Kulturgut sind Labyrinthe aus ganz Europa und der Welt zu sehen.

Das Selbst ist das Ziel

Aber ist das Labyrinth eigentlich nicht ein Ort des Schreckens und der Unsicherheit? "Labyrinthe sind keine Irrgärten", sagt Zickler. Der Unterschied bestehe darin, dass sie immer zum Ziel führen: "Ein Irrgarten ist da, um sich zu verlieren. Ein Labyrinth, um sich selbst zu finden." Damit sei es ein Beispiel für den menschlichen Lebensweg.

Nach dem kurvigen Weg durch den 33 Meter breiten Kreis ist das Ziel auch im Pflanzenlabyrinth erreicht. Dort befindet sich die Skulptur "Nutshell" der Keramikkünstlerin Marie Janssen. Wie der Name verrät, hat diese die Form einer Walnussschale, in deren Mitte ein Spiegel eingefasst ist. Die Suche nach dem Selbst ist damit beendet. Im Hintergrund erklingt das Musikstück "Labyrinth" der französischen Komponistin Flora St. Loup, das den Lärm des Straßenverkehrs angenehm dämpft.

Die Skulptur "Nutshell" von Marie Janssen symbolisiert das Ende des Weges im Labyrinth.
Foto: Lisa Rastl

"Diese Ausstellung kann man nicht konsumieren", sagt Zickler. "Man muss sich darauf einlassen." Sie selbst versucht mit allen Gästen zu sprechen: "Das ist ganz wichtig. Nach zwei, drei Sätzen haben sie einen ganz anderen Zugang zur Installation."

Kanzleramt kürzte Finanzierung

Die erfahrene Kuratorin fungiert als Allrounderin. Sie hatte die Ausstellung mit einem ganz anderen Budget im Kopf konzipiert. Eigentlich hätte sie vom Bundeskanzleramt finanziert werden sollen, doch nach der Wahl gab es keine Finanzierung mehr. Zickler musste neue Wege suchen. Für das Labyrinth macht sie alles, was zwischen der Pressearbeit und dem Gießen der Pflanzen denkbar ist.

Das erforderliche Geld, etwa 20.000 Euro, sammelte sie fast ausschließlich über Crowdfunding. Dass die Stadt Wien die Hälfte des Projekts finanziert habe, wie es in anderen Medien geheißen hatte, widerspricht Zickler. Die Gemeinde habe nur einen kleinen Teil des Projekts finanziell unterstützt. Eine solche Kunstaktion fast ohne Budget auf die Beine zu stellen, sei für die Branche "ein Wahnsinn". Dafür habe sie viel Lob von Kollegen bekommen. Ein nachhaltiges Finanzierungsmodell für Kunst sei Crowdfunding jedoch nicht: "Hätte ich nicht einen großen Verteiler gehabt, hätte ich das nie geschafft", gibt die Kuratorin zu.

Am Eingang des Labyrinths können Besucher freiwillig etwas spenden oder Gadgets kaufen. Der Eintritt ist frei. So sollen sich Menschen mit unterschiedlichen Lebenshintergründen begegnen. Labyrinthe seien schließlich Orte der Gemeinschaft. Denn, wie Zickler sagt: "Im Labyrinth ist alles mit allem verbunden." (Francesco Collini, 18.5.2018)