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Kim Yong-chol ist in den USA gelandet.

Foto: AP/Ahn

Pjöngjang – Der hochrangige nordkoreanische Parteifunktionär und frühere Geheimdienstchef Kim Yong-chol ist in den USA eingetroffen. Er landete am Mittwoch in New York, teilte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap mit. Dort sollte er US-Außenminister Mike Pompeo treffen. Kim ist der ranghöchste Vertreter seines Landes seit dem Jahr 2000, der amerikanischen Boden betritt.

Das Treffen von US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist für den 12. Juni in Singapur geplant. Zwar hatte Trump den geplanten Gipfel in der vergangenen Woche zunächst unter Verweis auf "offene Feindseligkeit" Nordkoreas abgesagt. Da sich Nordkorea aber trotz Trumps Absage weiter offen für Gespräche zeigte, änderte Trump seinen Kurs wieder und erklärte, das Treffen sei weiter möglich.

Treffen in Panmunjom

US-Unterhändler unter Leitung des US-Botschafters auf den Philippinen, Sung Kim, trafen am Sonntag mit nordkoreanischen Vertretern in Panmunjom an der innerkoreanischen Grenze zusammen. Nach Angaben des US-Außenministeriums reiste ein zweites Team mit US-Vertretern nach Singapur, um die Logistik des geplanten Treffens zu klären. Der japanische Sender NHK berichtete am Dienstag, Kims De-facto-Stabschef Kim Chang-son sei Montagnacht via Peking nach Singapur geflogen. Gleichzeitig sei eine US-Regierungsdelegation vom japanischen US-Militärstützpunkt Yokota Richtung Singapur aufgebrochen.

Rechte Hand

Nach Angaben von Chung Sung Yoon, Experte am Korea-Institut für Nationale Vereinigung, ist der General und frühere Geheimdienstchef Kim Yong-chol der ranghöchste Nordkoreaner in den USA, seit Vizemarschall Jo Myon-rok im Jahr 2000 den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton traf. Der General gilt seit langem als rechte Hand von Machthaber Kim und war an den jüngsten diplomatischen Bemühungen zu einer Beendigung des Atomkonflikts beteiligt.

Bei der Abschlusszeremonie der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang saß er neben der Tochter und Beraterin des US-Präsidenten, Ivanka Trump. Zudem begleitete er Kim Jong-un bei seinen beiden Reisen nach China und traf sich in Pjöngjang mit US-Außenminister Pompeo, der in den vergangenen Wochen zweimal nach Nordkorea reiste. "Kims offizieller Gesprächspartner ist Pompeo, aber er könnte auch auf Treffen mit (dem nationalen Sicherheitsberater John) Bolton drängen und wenn möglich sogar Trump", sagte der Politikexperte Chung der Nachrichtenagentur AFP.

Korvette untergegangen

General Kim, dessen offizieller Titel stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees der Nordkoreanischen Arbeiterpartei lautet, ist in Südkorea äußerst umstritten. Seoul macht ihn für den Untergang der südkoreanischen Korvette Cheonan im März 2010 verantwortlich, bei dem 46 Seeleute getötet wurden. Pjöngjang wies jede Verantwortung für den Vorfall von sich.

Trump und Abe fordern vollständige Abrüstung Nordkoreas

Trump und Japans Regierungschef Shinzo Abe haben in einem Telefonat die Notwendigkeit zur vollständigen Abrüstung Nordkoreas betont. "Der Präsident und der Ministerpräsident haben ihre gemeinsame Haltung zu der Notwendigkeit betont, dass die Atom-, Chemie- und biologischen Waffen sowie das Raketenprogramm Nordkoreas vollständig und dauerhaft unbrauchbar gemacht werden müssen", teilte das Weiße Haus am Montag nach einem Telefonat Trumps und Abes mit. Beide wollen noch vor dem Treffen mit Kim persönlich zusammenkommen.

Wendungen

Zuletzt hatte es im spannungsgeladenen Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea gleich mehrere Wendungen gegeben. Während sich Trump und Kim im vorigen Jahr mit Drohungen und Beschimpfungen überzogen und Sorgen vor einem Atomkrieg auslösten, kam es in den vergangenen Monaten zur Entspannung. Im März lud Kim Trump zu einem Gipfeltreffen ein, was Trump annahm. Im Mai nahmen die Spannungen aber wieder zu, der Gipfel erschien zunehmend fraglich.

Die USA fordern die vollständige und überprüfbare Denuklearisierung Nordkoreas im Gegenzug für wirtschaftliche Erleichterungen. Nordkorea hat eine andere Auffassung von Denuklearisierung und ist tief besorgt, dass eine Aufgabe des Atomwaffenprogramms das Land verwundbar machen könnte. Japan vertritt eine weitaus härtere Linie als die Nachbarn China und Südkorea und sieht die Annäherung der letzten Monate an eine aus seiner Sicht nicht vertrauenswürdige Regierung in Pjöngjang skeptisch.

Diskussionen laufen gut

Die US-Regierung hat sich positiv zum Stand der Gespräche über das geplante Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim geäußert. "Der Präsident denkt, dass die anhaltenden Diskussionen sehr gut laufen", sagte Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders am Dienstag. (APA, Reuters, 29.5.2018)