Kurz, Netanjahu in Israel.

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Der ganze Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz in Israel beruht auf dem Missverständnis: "für" Israel = gegen Antisemitismus. Das ist jedoch nicht der Fall, jedenfalls nicht für Netanjahu, von Kurz mit seinem Kosenamen "Bibi" bedacht. Israel wurde schon von Ehud Barak als "Villa im Dschungel" verklärt; Kurz legt nach, indem er Sympathie für Israel mit dessen unfreundlicher islamischer Nachbarschaft begründet. Sonst gibt es keinen Grund für die "Opfer der Opfer", die Millionen Araber und besonders Palästinenser, die durch das zionistische Projekt vertrieben, enteignet, okkupiert, eingesperrt und bombardiert wurden.

Und der Prozess der Kolonisierung geht munter weiter. Das gefällt aber vielen "Freunden" Israels, die aus verschiedenen Gründen nichts gegen Juden haben, wenn sie nach Palästina gehen und dort gegen Muslime kämpfen, was Kurz und seine Partner ja auch im Inland betreiben. Die bejammerte "Ausgrenzung" der FPÖ ist in Wirklichkeit keine, wenn sich Likudniks und Siedler gerne mit Strache treffen; es sei hier nur an seine Freundschaft mit Yehuda Glick (ein Knesset-Abgeordneter) erinnert, der den frommen Wunsch hegt, die heiligsten Stätten des Islam in Jerusalem durch die Errichtung eines erneuerten jüdischen Tempels zu "ersetzen" – eine Einladung zur Apokalypse.

Gemeinsamer Feind Soros

Aus lauter Eifer gegen den "Antisemitismus" befürwortet die FPÖ auch die Verlegung der österreichischen Botschaft nach Jerusalem. Und Strache, Gudenus et. al. haben mit Bibi auch einen gemeinsamen Feind: George Soros, der für beide hinter der muslimischen Invasion Europas steckt und darüber hinaus auch die tapfere Opposition unterstützt, die in Israel die permanenten Menschenrechtsverletzungen in den palästinensischen Gebieten thematisiert.

Es sollte doch stutzig machen, dass die größten Israel-"Freunde" in den USA evangelikale Endzeitprediger und in Europa Leute wie Wilders, Le Pen und die ganze Riege von Islamophobikern (inklusive dem Massenmörder Anders Breivik) sind. Nicht zu vergessen Donald Trump selbst, der bei den amerikanischen Juden der am wenigsten beliebte Präsident ist, in Israel jedoch die höchsten Zustimmungswerte der Welt genießt.

Natürlich muss man gegen Antisemitismus und alle anderen Rassismen sein, die Anbiederung an Bibi muss jedoch damit nichts zu tun haben. (John Bunzl, 13.6.2018)