Rebecca (Gioia Osthoff, re.) bringt die Scheinidylle, in der die Arztgattin Corinne (Swintha Gersthofer) lebt, zum Einsturz.

Foto: Herwig Prammer

Wien – Oben unterm Dach beherbergt das Theater in der Josefstadt seine kleine Probebühne. Sie dient in Auf dem Land als Haus des Arztes Richard und seiner Familie. Bühnenbildnerin Alina Ammann hat sich zwischen grauen Wänden jeden Schnickschnack erspart. Auch deshalb begreift man schnell, dass die Stimmung in diesem Heim eher kühl ist.

Das Paar ist mit den Kindern frisch aufs Land gezogen. Nicht der Landlust wegen allerdings. Es herrscht ein latent aggressiver Umgangston. "Ich habe dich schon geküsst", schmettert Richard (Claudius von Stolzmann) den Wunsch seiner Frau (Swintha Gersthofer) nach Zuwendung ab.

Zu Anfang der eineinhalbstündigen Aufführung sitzt Corinne im Seidenmantel am Boden und schneidet Fotos zurecht, um sie über die Kinderbetten zu hängen. Aus dieser Deckung heraus bohrt sie Richard mit Fragen. Denn er hat eine bewusstlose Frau (Gioia Osthoff) mitgebracht, die er von der Straße aufgelesen haben will. Corinne misstraut seinen Erklärungen. Generell misstraut sie seinen Sätzen und nimmt sie gerne allzu wörtlich, um sie auf Beleidigungen abzuklopfen. Die Fremde entpuppt sich als Geliebte Richards, und es entwickelt sich ein kleiner, kühler Thriller um Sex und Drogen.

Well made und brav

Florian Thiel setzt in seiner Inszenierung von Martin Crimps Stück nicht auf szenische Effekte, sondern auf die Psychologie der Figuren. Das Darstellertrio spielt tadellos, handwerklich wirkt alles sehr "well made". Doch auch sehr brav. So recht gepackt wird man nie.

Warum dieses Stück von 2000 heute gespielt werden muss, erschließt sich aus der Vorstellung nicht. Vielleicht hat die Josefstadt es deshalb für nur drei Termine an das Ende dieser Spielzeit gesetzt (mit angekündigter Wiederaufnahme im Herbst). (wurm, 22.6.2018)