Minister Mario Kunasek und die Offiziersgesellschaft wollen, dass Wehrpflichtige künftig wieder länger dienen.

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Wien – Die Österreichische Offiziersgesellschaft unterstützt den Vorschlag von Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) zur Ausweitung des Wehrdienstes. Die Aussetzung der verpflichtenden Truppenübungen werde seit Jahren kritisiert, hieß es in einer Aussendung. ÖVP-Rekrutensprecher Dominik Schrott hingegen lehnte den Vorschlag wie bereits der ÖVP-Wehrsprecher ab.

Wer das derzeitige sechsmonatige Modell richtig findet, habe nicht verstanden, was das Milizsystem bedeute und wie wichtig es für den Schutz Österreichs sei, sagte Erich Cibulka, Präsident der Offiziersgesellschaft. Diese habe das Regierungsprogramm zur Landesverteidigung sehr positiv aufgenommen, zuletzt habe man jedoch den Eindruck, dass wegen des geringen Budgets nur wenig umgesetzt werde.

Abgelehnt wird das von Kunasek vorgeschlagene "6+2"-Modell von ÖVP-Rekrutensprecher Schrott. "In der Wahrnehmung von Rekruten kann aus dem Grundwehrdienst kein ausreichender persönlicher Nutzen für ihr späteres Leben gezogen werden. Aus diesem Grund besteht auch zu wenig Anreiz und Motivation für eine längere freiwillige Verpflichtung in der Miliz", so Schrott in einer Aussendung. Anstatt über eine Verlängerung nachzudenken, brauche es Maßnahmen zur Attraktivierung des Bundesheeres für mehr Freiwillige.

Generalstabschef ebenfalls für Verlängerung

Auch der Generalstabschef des Bundesheeres, Robert Brieger, stellt sich in der Debatte hinter Kunasek. "Aus Sicht der militärischen Notwendigkeiten für die Herstellung der Einsatzbereitschaft der Truppen" wären Milizübungen ein "sehr wertvoller Beitrag", sagte er am Montag im Ö1-"Mittagsjournal".

Laut Brieger ist derzeit die Einsatzbereitschaft für "bestimmte Aufgaben" zwar in vollem Umfang gegeben. Für "Aufgaben komplexerer Natur in Richtung militärische Landesverteidigung" gebe es aber noch Nachholbedarf. Dem Generalstabschef ist dabei auch voll bewusst, dass es bei einer Verlängerung des Grundwehrdienstes auf acht Monate auch finanziellen Mehrbedarf gibt. "Im Sinne der Verantwortung für die Sicherheit Österreichs" müsse eine solche Ausweitung das Geld aber wert sein.

Ein "entschiedenes Nein" zu einer Ausweitung der Wehrpflicht kam hingegen von SPÖ-Wehrsprecher Rudolf Plessl. "Anstatt für eine ordentliche Ausstattung des Bundesheeres und einen attraktiveren Wehrdienst zu kämpfen und die Mittel dafür bereitzustellen, will Minister Kunasek die Budgetprobleme nun offensichtlich auf dem Rücken der Wehrpflichtigen austragen", meinte er in einer Aussendung. (APA, 30.7.2018)