Wegweisende Saison für Nikola Bilyk – mit Kiel und dem Nationalteam.

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ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser: "Wir müssen an ein paar Stellschrauben drehen, aber der Ausblick ist positiv."

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Wien/Kiel – "Wir müssen an uns glauben." Nikola Bilyk spricht bewusst im Plural. Österreichs Handballer haben sich in diesem Jahrtausend kontinuierlich entwickelt. Trotz Qualifikation für die WM 2019, der die Heim-EM 2020 folgt, sind sie aber kein großer Exportschlager mehr.

In der deutschen Bundesliga sind mit Bilyk (Kiel), Raul Santos (Leipzig), Robert Weber (Magdeburg) und Alex Hermann (Wetzlar) nur mehr vier Legionäre beschäftigt. Es waren schon einmal mehr. Einen Negativtrend sieht Patrick Fölser, Ex-Teamspieler und nun Sportdirektor im Verband (ÖHB), aber nicht. "Diese vier spielen tragende Rollen bei ihren Vereinen. Dazu kommen eine Handvoll Spieler in der zweiten deutschen Liga und in der Schweiz. Das kann sich sehen lassen."

Bilyks Drang

Voran marschiert weiter Nikola Bilyk. Der 21-Jährige sagt: "Ich liebe es einfach, besser zu werden." Darum hat er im Sommer unter der Anleitung eines Leichtathletik-Coaches noch einmal härter trainiert. In Kiel werden Erfolge nur an Titeln gemessen. Die ersten beiden Saisonspiele wurden gewonnen, die Dichte in der Liga ist hoch, sieben oder acht Mannschaften spielen oben mit. Flügel Robert Weber hat mit Magdeburg, das er zu Saisonende mit unbekanntem Ziel verlassen wird, gar die ersten drei Saisonspiele en suite gewonnen.

Persönlich sieht Bylik getreu seiner Lebenseinstellung nur Chancen, die Möglichkeit zu scheitern klammert er aus. "Obwohl du dich in der Niederlage weiter entwickelst als im Erfolg." ÖHB-Sportdirektor Fölser sieht den Leistungsplafond bei Bilyk noch lange nicht erreicht, der einst sagte, er wolle der beste Handballer der Welt werden. "Darüber lacht niemand mehr. Er hat einen unglaublichen Willen, man muss ihn manchmal stoppen, dass er nicht zu viel trainiert."

Unterstützer Red Bull

Mit der besten Handball-Liga der Welt kann sich die heimische Spusu-Liga nicht vergleichen "Sie ist und bleibt eine Ausbildungsliga. Wir müssen an ein paar Stellschrauben drehen, aber der Ausblick ist positiv." Die Fivers Margareten wollen ihren Titel mit starken Eigenbauspielern gegen die anrennende Konkurrenz um West Wien, Hard oder Bregenz verteidigen.

Bei der Nachwuchsarbeit stehen Liga und Verband einander nicht im Weg. Im_Gegenteil. Vor dem 2000er-Jahrgang, der kürzlich die EHF Championship in Tulln gewann, gab es Erfolge durch die 1994er, aus diesem Jahrgang haben nicht weniger als sieben schon den Sprung in starke Profiligen geschafft. Erfolge, die laut Fölser zwei Väter haben, Nachwuchs-Teamchef Roland Marouschek und Sponsor Red Bull. Die seriöse Arbeit, die Erfolge und wohl auch die richtigen Kontakte haben vor knapp fünf Jahren bereits Red Bull auf den Plan gerufen. Dieses Engagement fällt weniger auf als Leipzig oder die Formel 1. "Ohne diese finanzielle Unterstützung", hält Fölser fest, "wären zweiwöchige Trainingslager für mehr als 20 Spieler nicht möglich."

Handball hat sich in Österreich mit den Erfolgen des Nationalteams gut positioniert, das nächste Ziel ist es, sich im Kanon der besten zwölf europäischen Nationen als Dauergast zu etablieren. "Das wäre ein gewaltiger Schritt", sagt Fölser, "aber wir wollen ihn unbedingt schaffen."

WM ohne Fernsehbilder?

Ob Nikola Bilyk manchmal neidig auf große Handballnationen wie Frankreich oder Kroatien schaut, die ein Dutzend Bilyks in ihrer Mannschaft haben? "Nein, ich schaue nicht auf andere Länder." Er spricht von einer neuen Ära, davon, dass die jungen Spieler "noch Zeit brauchen".

Ein Problem hat der Weltverband (IHF) mit der TV-Vermarktung. Fans und Funktionäre sind jedenfalls bereits aufgeschreckt. Vier Monate vor der WM sorgt eine unklare Lage bei der Vergabe der Fernsehrechte für Unruhe. Weil die weltweit tätige Rechteagentur MP & Silva in finanziellen Schwierigkeiten steckt, droht bei der Endrunde in Deutschland und Dänemark im Jänner kommenden Jahres nach 2015 und 2017 erneut ein öffentlich-rechtlicher TV-Blackout. Fölser: "Handball braucht Spiele im Free-TV, alles andere wäre eine Katastrophe." (Florian Vetter, 6.9.2018)