Google ist zu einem der größten Konzerne der Welt geworden und beschäftigt mehr als 80.000 Mitarbeiter.

Foto: REUTERS/Arnd Wiegmann

Als Larry Page und Sergey Brin ihre Idee dem Informatiker Andreas von Bechtolsheim zum ersten Mal vorstellten, hatten sie weder eine Präsentation noch einen Businessplan bei der Hand. Trotzdem begeisterte ihn die Suchmaschine Google so sehr, dass er 100.000 Dollar investierte. Heute, genau 20 Jahre nach der Gründung des Unternehmens, das seinen Sitz zunächst in einer Garage hatte, ist sein Aktienpaket mehrere Milliarden Dollar wert. Google ist zu einem der größten Konzerne der Welt geworden und beschäftigt mehr als 80.000 Mitarbeiter.

Googles Erfolgsgeschichte erinnert vor allem daran, dass es solche Firmen in Europa nicht mehr gibt. Europa befindet sich seit Jahren in einer IT-Wüste. Das zeigt etwa der jahrelange Dürrezustand im Bereich Consumer-Electronics: Große Smartphonehersteller stammen fast alle aus Ostasien oder den USA. Einstige Branchenführer wie Nokia, das den Ton angegeben hat, sind heute zu kleinen, international kaum relevanten Unternehmen verkommen. Statt auf Innovation und Forschung zu setzen, glaubte man, mit dem Markenvorteil als Marktführer allein erfolgreich zu bleiben.

In der massiv wachsenden Branche um Cloud-Computing haben primär Firmen wie Microsoft, Amazon und Google selbst das Sagen. Und bei der Forschung um künstliche Intelligenz befürchten Experten, dass Europa nicht mithalten kann, weil die digitale Infrastruktur fehlt und Wissenschafter massiv in die USA abwandern. Dazu kommt, dass Länder wie China aktuell weitaus leistungsfähigere Supercomputer entwickeln.

Talentschmiede

Es gibt zahlreiche Gründe, weswegen sich ein europäisches Google schwer etablieren könnte: Einer davon ist das Umfeld, in welchem Page und Brin sich befanden. Das Silicon Valley – und teilweise auch Chinas Start-up-Wiege Shenzhen – bietet ein Umfeld, von dem Neugründungen profitieren. So ist das Scheitern dort weitaus weniger verpönt als hierzulande, weswegen sich Gründer mehr trauen. Zugleich haben Start-ups dort Zugriff auf eine geradezu unendliche Auswahl an hochqualifizierten Fachkräften, die mit dem Traum, eines Tages beim nächsten Google zu arbeiten, dorthin ausgewandert sind. Dazu kommen US-Universitäten wie Stanford, die als eine Art Talentschmiede des Silicon Valley fungieren und die es in Europa auf einem solchen Niveau schlicht nicht gibt.

Eine weitere Hürde ist, vor allem in Österreich, die oft fehlende Anschlussfinanzierung für Neugründungen. Während Unternehmer zunächst vor allem von Förderungen und Seed-Investoren profitieren, fehlt oft im nächsten Schritt das notwendige Kapital, um wachsen zu können.

Zudem sind, wie beispielsweise die EU-Datenschutzgrundverordnung zeigt, die Gesetze bezüglich der Privatsphäre in den Vereinigten Staaten und in China weitaus laxer als in Europa. Das heißt nicht, dass Europa in Zukunft aufholen könnte. Ein Google, ein Facebook oder ein Apple könnte zwar wohl existieren, müsste aber aufgrund der Vorgaben, die – zum Glück – vor allem den Bürgern zugutekommen, mit einem stark gebremsten Wachstum rechnen. Zudem sind Entwicklungen wie etwa die in Österreich eher schleppende Adaption des kommenden Mobilfunkstandards 5G nicht gerade Lichtblicke für die technische Zukunft Europas. Googles Jubiläum ist ein Warnruf, um politisch endlich zu handeln – diesmal nicht nur mit leeren Versprechungen. (Muzayen Al-Youssef, 4.9.2018)