Bregenz – Der Vorarlberger Landtag hat am Montag in einer Trauersitzung den im Juli verstorbenen Altlandeshauptmann Herbert Keßler (ÖVP) gewürdigt. Keßler sei "zeitlebens für ein stark eigenständiges Handeln Vorarlbergs im Sinne der Subsidiarität" eingetreten, betonte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP) beschrieb Keßler als große politische Persönlichkeit.

Keßler (geboren am 2. Februar 1925) ist am 27. Juli im 94. Lebensjahr verstorben. Als Nachfolger von Ulrich Ilg (ÖVP) wurde er im Herbst 1964 mit 39 Jahren zum Landeshauptmann gewählt. Anschließend blieb er über 23 Jahre hinweg bis 1987 Landeschef, ehe Martin Purtscher (ÖVP) die Agenden übernahm.

Vom Arlbergtunnel bis zum Bregenzer Festspielhaus

Wallner ging in seiner Ansprache auf die vielfältigen Weichenstellungen ein, die Keßler vorgenommen habe. Dabei nannte der aktuelle Regierungschef große Infrastrukturprojekte wie den Bau der Rheintalautobahn und des Arlbergtunnels ebenso wie kulturpolitische Meilensteine wie das Festspielhaus Bregenz. Besonders wichtig sei dem Alt-Landeshauptmann die umfassende Stärkung der Familien als Keimzelle der Gesellschaft gewesen, sagte Wallner. "Streitbar, aber alles andere als streitsüchtig" habe Keßler nie einen Hehl daraus gemacht, was er als richtig erachtete und was nicht. Der Kontakt mit der Bevölkerung auf Augenhöhe sei Keßler immer wichtig gewesen: "bescheiden, statt abgehoben", so Wallner.

Landtagspräsident Sonderegger unterstrich, dass der Verstorbene Vorarlberg geprägt und gestaltet habe. "Herbert Keßler war geprägt von christlich-sozialen Grundwerten und Handschlagqualität trotz aller politischer Gegensätze", stellte Sonderegger fest. Keßler habe dem Landtag von 1954 bis 1987 angehört und sei damit einer der längst gedienten Abgeordneten des Landesparlaments. Er sei für seine sachliche und klare Argumentation bekannt gewesen und habe sich als überzeugter Föderalist stets für die Interessen des Landes und seine Eigenständigkeit stark gemacht. "Wir verabschieden uns von Herbert Keßler und erinnern uns an ihn als einen großen Vorarlberger, Österreicher und Europäer", hielt Sonderegger fest. (APA, 10.9.2018)