Wahlsieger Ibrahim Mohamed Solih bei der Stimmabgabe.

Foto: REUTERS/Ashwa Faheem

Male – Auf den Malediven hat der Oppositionskandidat Ibrahim Mohamed Solih (54) überraschend die Präsidentschaftswahl gewonnen. Nach einem am Sonntagabend in den örtlichen Medien verbreiteten Teilergebnis lag er mit einem nicht mehr aufzuholenden Vorsprung von 16 Prozentpunkten (nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen) vor Amtsinhaber Abdulla Yameen (59)

Dieser regiert das Urlaubsparadies mit harter Hand. Er hatte sich um eine zweite Amtszeit beworben. Solih erklärte sich umgehend zum Wahlsieger. Er forderte Yameen auf, einen friedlichen Machtwechsel zuzulassen und politische Gefangene freizulassen. "Ich rufe Yameen auf, den Willen des Volkes zu respektieren und einen friedlichen, sanften Machtwechsel zu ermöglichen", sagte er.

Polizei durchsuchte Parteizentrale

Ein Sieg des Oppositionsführers hatte als äußerst unwahrscheinlich gegolten, weil Yameen mit aller Härte gegen seine Kritiker vorgeht. Alle aussichtsreichen Konkurrenten des Staatschefs sitzen im Gefängnis oder mussten das Land verlassen. Am Samstag hatte die Polizei das Hauptquartier der Partei MDP von Ex-Staatschef Mohamed Nasheed in der Hauptstadt Male gestürmt und das Gebäude stundenlang durchsucht.

Beobachter hatten angesichts der Verfolgung von Oppositionellen in dem Urlaubsparadies Zweifel geäußert, dass es eine freie und faire Wahl werden kann.Internationale Wahlbeobachter wurden nicht zugelassen und nur einige ausländische Journalisten durften einreisen.

Ausnahmezustand

Yameen geht seit seinem Wahlsieg 2013 mit großer Härte gegen die Opposition vor. Im Februar verhängte er den Ausnahmezustand und ließ den obersten Richter und einen weiteren ranghohen Richter festnehmen. Er reagierte damit auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, politische Gefangene freizulassen und mehreren abtrünnigen Abgeordneten ihr Mandat zurückzugeben.

Dadurch hätte Yameens Partei ihre Mehrheit im Parlament verloren. Internationale wurde Yameens Vorgehen scharf kritisiert. Die UNO sprach von einem "radikalen Angriff auf die Demokratie". Yameen hat die Malediven zudem politisch näher an China heranrückt und sich von der langjährigen Schutzmacht Indien abgewendet. Infrastruktur-Projekte werden mit chinesischen Millionenkrediten finanziert.

Gut 260.000 Menschen waren wahlberechtigt. . (APA, AFP, 23.9.2018)