Runtastic gilt als Musterbeispiel für ein erfolgreiches, österreichisches Start-up.

Foto: Runtastic

Start-up-Firmen kommen und gehen. Manche werden zum Renner, andere scheitern. Das überstrahlende Motiv für Gründungen ist jedenfalls die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen (91 Prozent). Mehrheitlich (62 Prozent) wird von 25- bis 39-Jährigen gegründet. Nicht einmal ein Drittel (29 Prozent) der Start-ups hat immerhin eine Frau im Gründungsteam. Das zeigt der 1. Austrian Start-up-Monitor.

Mit diesem gibt es nun für Österreich erstmals Zahlen, Daten und Fakten – eine solide empirische Datenbasis – zu innovativen Jungunternehmen. Vorgestellt wurde der Start-up-Monitor am Dienstagabend in der Wirtschaftskammer in Wien-Wieden.

Wenig Erwartungen an Regierung

Drei Viertel der Gründer haben einen Uniabschluss, 15 Prozent kommen aus dem Ausland. Nur jeder achte Gründer denkt, dass die Bundesregierung ein ernst zu nehmendes Interesse an der Unterstützung von Start-ups habe. Von der Politik gewünscht wird von drei Vierteln eine Senkung der Lohnnebenkosten und von mehr als zwei Dritteln der Abbau von bürokratischen Hürden.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) bekräftigte, dass Österreich zu den Innovationsleadern aufsteigen wolle. "Das kann aber nur gelingen, wenn wir die Wirtschaftsstrukturen – vor allem durch innovative Start-ups – verbessern, den Wirtschaftsstandort weiterhin attraktiv gestalten, die Chancen des digitalen Wandels für neue Unternehmen und Geschäftsmodelle schnellstmöglich nützen und mehr Frauen zum Gründen oder Mitarbeiten in Start-up Teams motivieren."

Vorbilder Runtastic, Shpock, mySugr

"Eine extrem qualitätsorientierte, kreative und innovative Unternehmerlandschaft gehört zur österreichischen DNA", so Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer (ÖVP). "Start-ups spielen dabei eine besondere Rolle, gerade im Bereich Unternehmensgründung, denn sie bringen potenziell höhere gesamtwirtschaftliche Effekte bei Jobs, Innovationen und Investitionen mit sich." Laut dem IV-Generalsekretär Christoph Neumayer können Start-ups wichtige Innovationspartner für Industrieunternehmen sein.

Die größten heimischen Start-up-Erfolgsgeschichten waren bisher etwa die österreichische Lauf-App Runtastic. Sie wurde von adidas um mehr als 200 Mio. Euro gekauft Auch die Kleinanzeigen-App Shpock wurde übernommen, vom norwegischen Medienkonzern Schibsted und die Diabetes App mySugr vom Schweizer Pharmariese Roche geschluckt. Als negatives Beispiel kann hingegen die kürzlich pleitegegangene Fontus Water genannt werden, deren Wasserflaschen sich doch nicht dank Solarenergie über Luftfeuchte füllen. Manche Start-ups hoffen auch durch Weiterentwicklungen auf den Erfolg.

Dienstleistungen im 1:1-Chat

Dass der Erfolg schwierig zu erreichen ist, manche Start-up-Unternehmer aber umso mehr um diesen kämpfen, zeigt beispielsweise die Geschichte des Start-up-Unternehmers Alexander Pressinger mit seiner Online-Community-Plattform "klickerr.com". Er hat die Plattform nun weiterentwickelt, weil sie anfangs nicht ganz so zündete, wie erhofft. Auf seiner Seite können Private – und nun auch Unternehmen – Dienstleistungen im Eins-zu-Eins-Videochat anbieten. "Es geht mit der Weiterentwicklung um Vertrauensförderung – wer steckt hinter einem Angebot", erklärte Pressinger.

Anbieter auf der Plattform können alle ihre Social Media Kanäle auf klickerr.com präsentieren. Die Seite habe er weg von einer Insellösung hin zu einer offenen Lösung entwickelt. "Es ist ein Werkzeug, dass es ermöglicht, Dienstleistungen digital anzubieten, die bisher analog erfolgten." So fänden sich nunmehr etwa Lerninstitute auf der Plattform. Dienstleistungen können B2B, B2C und C2C erbracht werden. Er wolle dabei helfen, sowohl Firmen als auch Private in die Digitalisierung zu bringen, sagt Pressinger.

Erscheint künftig jährlich

Mehr als 500 Gründer wurden für die Studie befragt. Insgesamt flossen mehr als 1.500-Start-up-Gründungen von 2004 bis 2017 in den zukünftig jährlich erscheinenden Austrian Start-up Monitor mit ein. Dieser ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des AIT Austrian Institute of Technology, der Start-up-Dachplattform AustrianStart-ups und des Gründungszentrums der Wirtschaftsuniversität Wien.

Finanziert wurde die Studie durch die Austria Wirtschaftsservice (aws), die Wirtschaftskammern Österreich (WKÖ) und Wien (WKW), den Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE), die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die Industriellenvereinigung (IV) sowie die Wirtschaftsagentur Wien. (APA, 25.09.2018)