Wien – Mit 7:1 Stimmen haben die Geschworenen einen 36-jährigen Angeklagten am Mittwochnachmittag am Wiener Landesgericht wegen Mordes schuldig gesprochen. Der Angeklagte nahm die sieben Jahre Haft an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, weshalb das Urteil nicht rechtskräftig ist.

Nach 18 Jahren

Mit dem Urteil wurde 18 Jahre nach einer Bluttat im Dunstkreis der Chinesenmafia ein juristischer Schlussstrich gezogen. Im August 2000 war ein 25-Jähriger, der bei einer auf Menschenhandel und Schutzgelderpressung spezialisierten Bande namens "Snake Heads" in Ungnade gefallen war, in Wien verschleppt, gefoltert und getötet worden. Seine sechs Jahre jüngere, ebenfalls aus China stammende Lebensgefährtin brachte man als mutmaßliche Mitwisserin über Bandeninterna zum Schweigen. Ihre Leiche wurde in einem Gebüsch in Leobersdorf entdeckt.

Die 19-Jährige war mit einem Hackbeil hingerichtet worden. Daran soll neben drei längst abgeurteilten Männern der damals 18-Jährige beteiligt gewesen sein, der in der kriminellen Gruppe hauptsächlich als Dolmetscher tätig gewesen sein soll. Der Mann, der seinen Namen geändert hatte, wurde im Dezember 2017 auf Basis eines internationalen Haftbefehls nach seiner Ankunft aus Schanghai am Flughafen München festgenommen.

Urteil wegen Irrtums ausgesetzt

Bereits im April hatte er sich am Landesgericht zu verantworten gehabt – und wurde von den Geschworenen mit 4:4 Stimmen und damit mit dem knappestmöglichen Quorum vom Mordvorwurf freigesprochen. Sie erkannten auf Beteiligung an einer Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Die drei Berufsrichter akzeptierten diese Entscheidung nicht und setzten sie wegen Irrtums der Geschworenen aus.

Auch vor dem gänzlich neu zusammengesetzten Schwurgericht, dem Richter Daniel Rechenmacher vorsitzt, räumte der Angeklagte ein, die 19-Jährige in der Nacht auf den 23. August 2000 am Tatort gefesselt zu haben. Die Frau war von vier Männern in einem Auto von einer Wohnung in Wien-Ottakring nach Leobersdorf gebracht worden.

Dass sie dort in ein Gebüsch dirigiert und ihr der Kopf beinahe zur Gänze vom Rumpf getrennt wurde, habe er nicht geahnt. Überhaupt habe er vom Ableben der jungen Frau erst am nächsten Tag aus der Zeitung erfahren. (APA, 26.9.2018)