Am Anfang schuf Gott Twitter. Aber Twitter war ausländisch und unverständlich. So schuf Gott, was auf Gottes Hand lag: ein Wesen exakt ihm zum Bilde. Gott sah, dass das Wesen gut war, und nannte das Wesen Österreicher. Und nachdem neben dem Österreicher unaufgefordert eine Österreicherin herumstand, war diese fortan mitgemeint.

Fotos: Lendl, Neumayr, APA

Bedingt durch seine zentrale Rolle versteht es der Österreicher, sich dem sozialmedialen Geblöke aus dem kulturfremden Ausland zu entziehen. Twitter gehört nicht zu Österreich. Gott fluchte: Verdammt, verschöpft! So vollendete Gott sein Werk und schuf einen anständig abendländischen Traditionsbetrieb, die Austrotwitteria.

Übersichtlich strukturiert, setzt sich die Austrotwitteria aus Mitgliedern (also ausweislich aus Teilhabern mit Glied) jener Österreicherschaft zusammen, die mitunter beruflich, jedenfalls aber gottgegeben irgendwas mit Medien macht. Doch selbst in den ausdauerbedingt keineswegs notwendigen medialen Schöpfungspausen stellt die heimische Herrenrunde ihre umfassende Allwissenheit der gemeinen Masse gerne zu Verfügung. Ehrenamtlich und freundschaftlich. In der Austrotwitteria. Man erklärt einander Österreich, demnach die Welt, bezweifelt Abweichendes und korrigiert, was das Zeug hält.

Austrogezwitscher

Bedauernswerterweise nehmen bislang nur lebende Österreicher am aktiven Austrogezwitscher teil. Schade eigentlich. Wir alten weißen Männer fänden mit Garantie einen Weg, den Tod der Toten zu relativieren und ihn massiv zu hinterfragen. Denn unser gewieft in 280 Zeichen gepresster Zweifel konnte in der Vergangenheit immer wieder der einen oder anderen Gefahrenquelle erfolgreich den Garaus machen. Etwa dem gemeingefährlichen Genderwahn. Zu gendern bedeutet, Frauen in unserer Sprache vorkommen zu lassen. Und warum? Weil es sie gibt. Das darf doch aber bitte nie und nimmer Grund dafür sein, sie in Schrift und Sprache einzubeziehen. Wo kämen wir denn da hin?

Wohin auch immer. Der Weg in die Austrotwitteria steht frei. Kein Grund, aus Furcht und Ehrfurcht den Schritt nicht zu wagen. Merke: Das bisschen Mansplaining ist doch halb so schlimm, sagt mein Drunterkommentierer. Denn die Austrotwitteria ist vielseitig und offen, vorwiegend für alles, was sie kennt und mag.

Wer den telegenen Kaiser nicht duzt, dem investigativen König ein Abonnement abkauft und sich vom kleinformatigen Hofnarren gerne blocken lässt, wird's schön haben dort. Zumindest so lange, bis die zweite Reihe der Austrotwitter-Hierarchie antanzt. Sie wird Ihnen durch geschickten Einsatz gelebter Intelligenzelastizität mitunter den Spaß verderben. Bis dahin sollten Sie dringlich danach trachten, bereits anderen den Spaß verdorben zu haben. Dann klappt's auch mit dem Follower, wenn er ungefragt ergänzt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Popsch-Doktor oder Ihre Waxing Lady. (Martin Moped, 22.10.2018)

Die Gebrüder Moped machen Kabarett und schreiben Bücher. Ihr neuestes heißt "Heute gehört uns Österreich und morgen die ganze Scheibe". Die Show zum Buch ist am 8. November im Rabenhof Theater zu sehen.