Am vergangenen Wochenende fand ein Video auf YouTube und Twitter virale Verbreitung, das zeigt, wie erst der Bärenmutter und dann ihrem Jungen der Aufstieg über einen steilen Schneehang gelingt. Insbesondere auf Twitter wurde das so dargestellt, dass man eben nur beharrlich genug sein muss und nicht aufgeben darf, um am Ende erfolgreich zu sein.

ViralHog

Nun haben sich in den vergangenen Tagen Biologen, Tierfilmer und Drohnenpiloten zu Wort gemeldet, die die knapp drei Minuten Filmmaterial ganz anders interpretieren. In Wahrheit handelt es sich nämlich um die Flucht vor der filmenden Drohne. Welche Mutter würde ihrem Jungen einen so gefährlichen Weg zumuten, wenn sie sich nicht dazu gezwungen sähe? Ganz besonders deutlich wird das bei Minute 1:18, als es das Junge schon fast geschafft hat, aber von der Mutter wieder den Hang hinabgestoßen wird. Das geschieht genau dann, als die Drohne näher an die Bären heranfliegt. Immer wieder sieht die Bärenmutter zur Drohne hoch. Schließlich schafft es das Bärenjunge nach dem x-ten Anlauf doch und beide flüchten vor der Drohne. Wir lernen daraus: Man sollte tunlichst auf die Fachleute hören, um den Sachverhalt richtig zu verstehen.

Der Bär im Weißen Haus

Ähnlich wie beim Bärenvideo verhält es sich in der Politik und da ganz besonders mit US-Präsident Donald Trump. Wer seine Pressekonferenz nach den Midterm-Wahlen gesehen hat, kam aus dem Staunen nicht heraus. Das stand der alte, eitle Mann und fuhr dem kritischen Journalisten mit einer unverfrorenen Rüpelhaftigkeit über den Mund, dass es sich nur so gewaschen hatte.

Guardian News

Da wurde nicht auf den Verlust des Repräsentantenhauses für die Republikaner eingegangen, vielmehr hagelte es jede Menge Selbstlob und Drohungen gegen die Demokraten. Trump ist ein Meister darin, der schlechten Botschaft einen (für ihn) guten Spin zu geben. Das wird solange gutgehen, bis es den Fachleutenm (also den Journalisten, Politologen und Beobachtern) gelingt, den wahren Spin zu vermitteln. Hoffentlich gelingt ihnen das recht bald. Denn wenn sich dieser neue Stil in Amerika noch lange so fortsetzt, steht bald viel mehr auf dem Spiel als das Leben eines Bärenjungen. (Markus A. Gaßner, 8.11.2018)