Die Email-Leaks machen Bannons Brexit-Verbindungen klarer.

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Arron Banks stellte den Kontakt zu Bannon her.

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Neue Email-Leaks scheinen neuerdings das zu bestätigen, was viele Briten schon lange vermutet hatten. Der umstrittene Businessman Arron Banks, der 2014 mit einer Spende von einer Million Pfund zugunsten der euroskeptischen Ukip-Partei auf sich aufmerksam machte, hatte auch Verbindungen zum Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica (CA).

Diese Firma soll bekanntlich nicht nur die Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern illegal für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet haben, sondern auch im Brexit-Referendum eine Rolle mitentscheidende Rolle gespielt haben.

Gründer von Leave.eu

Banks war seinerseits der Gründer von Leave.EU, einer Plattform, die – wie der Name bereits verrät – sich den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs zum Ziel machte, nachdem das Brexit-Referendum angekündigt wurde. Banks bat laut den – von einer Ex-Mitarbeiterin geleakten – Emails Ende 2015 den damaligen Vize-Präsidenten von Cambridge Analytica, einen gewissen Steve Bannon, einen Plan zu entwickeln wie man in den USA Spendengelder für die Brexit-Kampagne lukrieren könnte.

Dazu solle man mittels CA in den USA eine Fundraising-Strategie entwickeln und Unternehmen und Interessensgruppen überzeugen, die etwaige Vorbehalte gegen das transatlantische Handelsabkommen TTIP haben. Banks selbst ist derzeit wegen seiner 8,3 Millionen Pfund-Spende an das Brexit-Lager von Untersuchungen der National Crime Agency betroffen. Die Behörden vermuten, dass die größte Spende in der Geschichte britischer Wahlkämpfe auch zum Teil aus ausländischen Quellen kam.

Untersagte Wahlkampfhilfe

Das brisanteste an der ganzen Geschichte: Wahlkampfspenden von nichtbritischen Staatsbürgern sind im Königreich verboten. Dennoch schlug Banks in den Mails vor US-Bürger mit britischen Wurzeln und Verbindungen auf die Insel zu Geldspenden und Social-Media-Aktivität zu motivieren. Dazu solle CA die "erste Lieferung an Daten" analysieren.

Im Juni 2018 sagte Banks vor dem parlamentarischen Komitee zur Untersuchung von Falschinformationen und Fake News im britischen Unterhaus aus, es habe anfängliche Kontakte zu CA gegeben, man hätte diese aber nie angestellt und auch keinen Vertrag unterschrieben. Die Mail-Leaks zeigen jedoch wie sich ein Cambridge Analytica-Mitarbeiter bei Banks bedankt. Es sei eine Freude gewesen mit dem Team von Leave.EU am Launch und für die Zukunftsplanungen zu arbeiten.

Untersuchung gefordert

Komitee-Vorsitzender Damian Collins forderte ob der neuesten Enthüllungen in den Mails eine ordentliche "Mueller-Style"-Untersuchung, wie es sie in den USA zum russischen Wahlkampfeinfluss bei den Präsidentschaftswahlen 2016 derzeit gibt.

"Es gibt direkte Verbindungen zwischen den politischen Bewegungen hinter Brexit und Trump. Wir müssen hier das größere Bild erkennen. Das wird koordiniert über nationale Grenzen hinweg von sehr reichen Menschen beeinflusst, das wir so in dieser Form noch nicht erlebt haben", so Collins zum "Guardian". Tatsächlich sollen auch Daten von Leave.EU – etwa von Personen die ihre Facebookseite geliket hatten – an CA weitergegeben worden sein, was Banks immer abstritt. Diese wären nur von Ukip gekommen, behauptete er stets.

Russland-Kontakte

In den neuen Enthüllungen findet sich auch eine Email die von drei Präsentationen am 17. und 18. November 2015 die Rede, welche der Presse, Politikern und potentiellen Spendern gegeben werden sollte. Bereits früher machte der "Observer" bekannt, dass Banks zusammen mit Andy Wigmore, einem weiteren "Leave.EU"-Mitarbeiter, dem russischen Botschafter einen Besuch abstattete, welcher die beiden wiederum mit einem russischen Goldminen-Besitzer und Investor bekannt machte.

Für Emma Briant von der Essex University, die dem Komitee die Emails übergab, werden nun allmählich die verschiedenen Verbindungen immer klarer, sagt sie zum "Guardian". (faso, 20.11.2018)