Nikosia – Der heilige Markus ist wieder zu Hause. Das rund 1500 Jahre alte byzantinische Mosaik war nach 1974 aus einer zypriotischen Kirche gestohlen worden, nachdem türkische Truppen den Norden von Zypern besetzt hatten. Das Mosaik gilt als eines der bedeutendsten Werke aus der Zeit des Übergangs zwischen frühchristlicher und byzantinischer Kunst. Sein Marktwert wird auf bis zu zehn Millionen Euro geschätzt. Es ist eines jener Werke, die durch Kriegswirren für Jahrzehnte verschollen waren.

Der heilige Markus ist wieder da.
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Am Wochenende wurde das Werk an Zypern zurückgegeben, nachdem der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand drei Jahre nach dem Kunstwerk gesucht hatte. Fündig wurde er schließlich bei einer britischen Familie in Monaco. Der bisherige Besitzer hatte das Mosaik von seinem Vater geerbt, der es wiederum in den 1970er-Jahren erstanden hatte, nicht wissend, dass es sich um ein geraubtes Kunstwerk handelte. Er willigte ein, das Werk an Zypern zurückzugeben, gegen eine Kostenentschädigung, die Aufbewahrungs- und Restaurierungskosten abdecken.

Arthur Brand verhalf dem heiligen Markus zur Rückkehr.
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Nachdem 1974 türkische Truppen in Zypern eingedrungen waren, verschwand das Mosaik aus seiner Heimatkirche, der Panagia Kanakaria in Lythrankomi. Damals wollten griechische Putschisten ganz Zypern Griechenland eingliedern. Die Türkei, die ebenso Anspruch auf die Insel erhebt, besetzte den Nordteil der Insel. Während völkerrechtlich die gesamte Insel als Republik Zypern gilt, bleibt der Norden bis heute de facto von der Türkei besetzt. Bei Plünderungen und durch Vandalismus wurden zahllose Kulturstätten im Norden der Insel zerstört. Mehr als 550 griechisch-orthodoxe Kirchen und Klöster wurden ihrer Kunstwerke beraubt, zerstört oder als Moscheen oder zu profanen Zwecken genutzt. Die Kunstschätze wurden auf dem Schwarzmarkt ins Ausland verkauft. Die Polizei Zyperns geht von mehr als 60.000 Objekten aus, die nach 1974 auf diese Weise außer Landes gebracht wurden.

Aus der Kirche Panagia Kanakaria im Norden Zyperns wurden nach der türkischen Besetzung die byzantinischen Mosaiken geplündert.
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Fund in München

Ende der Neunzigerjahre waren zahlreiche in Nordzypern geraubte Stücke beim türkischen Kunsthändler Aydin Dikmen in München beschlagnahmt worden. Dieser hatte bereits in den Achtzigerjahren einige Artefakte in die USA verkauft, wo sie als Raubgut identifiziert wurden. Dikmen wurde in der Folge in Deutschland zwar wegen Steuerhinterziehung verurteilt, zu einer Durchsuchung kam es damals jedoch noch nicht. Erst 1997 kam es zu einer Razzia, bei der die aus Nordzypern gestohlenen Kunstwerke im Wert von dutzenden Millionen Euro sichergestellt werden konnten.

Bereits im Jahr 2013 kehrte der Apostel Thomas zurück nach Zypern. Er war 1997 gemeinsam mit 172 anderen Artefakten in München beschlagnahmt worden.
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Zypriotische Seele

Der heilige Markus ist Teil der zypriotischen Seele, sagt Brand auf seiner Website. "Die letzten drei Jahre habe ich versucht, das Mosaik zu orten. Es war eine Reise, die ich nie vergessen werde." Brand konnte das Werk mithilfe eines Hauptinformanten aufspüren, dessen Namen er "bald" preisgeben will.

Der Direktor des Byzantinischen Museums in Nikosia, Ioannis Eliades, freut sich über die Rückkehr des Markus-Mosaiks.
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Brand, der von Medien "Indiana Jones der Kunstwelt" genannt wird, hat schon früher mit seiner Arbeit für Aufsehen gesorgt. 2015 hat der Kunstdetektiv zwei riesige Bronzepferde des Nazi-Bildhauers Joseph Thorak aufgespürt, die in der Kunstwelt als "Hitlers Pferde" bekannt sind. 2016 wirkte er an der Auffindung von Gemälden mit, die ein Jahrzehnt zuvor im niederländischen Westfries Museum in Hoorn gestohlen worden waren. Im Jahr 2005 hatten sich Diebe in einem in dem Museum ausgestellten Sarg versteckt und so die Sicherheitseinrichtungen ausschalten können. Damals wurden 24 Gemälde und 70 Gegenstände aus Silber gestohlen. 2015 meldeten sich rechtsextreme ukrainische Milizionäre, die die 24 Gemälde in einer Villa des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch gefunden haben wollten. Da ihnen der von Brand offerierte Finderlohn zu gering war, zerschlugen sich die Verhandlungen, mehrere Bilder konnte jedoch später von den ukrainischen Behörden beschlagnahmt werden.

Hitlers Pferde nach ihrer Entdeckung in Bad Dürkheim im Jahr 2015.
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Das nun sichergestellte Mosaik des Markus entstand um das Jahr 530 und gehört zu einem Ensemble aus Darstellungen von Jesus, Maria, den Erzengeln Michael und Gabriel und zwölf Medaillons mit Aposteln und Heiligen und besteht aus Glastesserae, vergoldeten und versilberten Glaswürfeln und bunten Marmorstückchen in insgesamt vierzig Farben. Die Mosaiken sind aus kunsthistorischer Sicht sehr bedeutend und wichtig, wie Lioba Theis erklärt. Es gebe aus dieser Zeit nur wenige Vergleichsbeispiel, sagt die Professorin für Byzantinische Kunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien. Die Diebstähle in den Siebziger Jahren seien auf brutale Art und Weise durchgeführt worden.

Die Medaillons der Apostel und Heiligen in der Apsis von Panagia Kanakaria in einer Aufnahme von 1973. Der nun sichergestellte Markus ist der zweite von unten.
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Die Mosaiken zierten die Apsis der Kirche und überstanden die Zerstörung des Gebäudes durch Piraten ebenso wie den Bildersturm der Ikonoklasten, zwei schwere Erdbeben und den Diebstahl einzelner Steine durch Pilger. Erst die Plünderungen und der Vandalismus unter der türkischen Besatzung bedeuteten das – vorläufige – Ende der Kunstwerke.

Im April dieses Jahres kam der Apostel Andreas zurück auf die Insel.
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Markus ist nun im Byzantinischen Museum in Nikosia zurück. Dort befinden sich bereits die Bildnisse der Apostel Thomas und Andreas. Auch Lukas, Bartholomäus, Matthäus, Johannes und Thaddäus sind mittlerweile ebenso wieder auf Zypern wie der obere Teil der Darstellung von Maria und Jesus. In die Panagia-Kanakaria-Kirche, die sich im türkisch besetzten Norden Zyperns befindet, wird das Mosaik wohl nicht mehr zurückkehren. (Anna Sawerthal, Michael Vosatka, 23.11.2018)

Arthur Brand über die Rückkehr des heiligen Markus.
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