Phobos mit seinen ungewöhnlichen Furchen. Sie scheinen von der großen Delle rechts im Bild zu kommen, dem Krater Stickney.
Foto: Reuters/NASA/JPL/University of Arizona

Im vergangenen Oktober haben Astronomen mysteriöse Linien auf der Oberfläche des Saturnmonds Dione beschrieben, deren genaue Ursachen sich bisherigen Erklärungsversuchen entziehen. Die bis zu mehrere hundert Kilometer langen Streifen könnten von äußeren Einwirkungen herrühren, aber ebenso das Resultat von geologischen Vorgängen sein. Ein ähnliches Phänomen ist auch vom Marsmond Phobos bekannt. Die dort beobachteten Gräben, kleiner und schmäler als jene auf Dione, wurden bei früheren Studien als Anzeichen dafür gewertet, dass der Trabant von den Gezeitenkräften seines Mutterplaneten allmählich auseinandergerissen wird.

Nun jedoch haben US-Wissenschafter Hinweise entdeckt, die auf eine andere, schon früher geäußerte Erklärung für diese Strukturen schließen lassen: Möglicherweise wurden sie von großen Felsbrocken hinterlassen, die über die Oberfläche von Phobos polterten. Das Team um Kenneth Ramsley von der Brown University (Rhode Island) stellte fest, dass sich die markanten, 200 Meter breiten und bis zu 30 Kilometer langen Furchen im Unterschied zu jenen auf Dione und anderen Himmelskörpern des Sonnensystems mehr oder weniger gleichmäßig über den gesamten Mond verteilen.

Asteroid ließ Steine rollen

Um ein solches Muster zu reproduzieren, führten die Forscher mehrere Simulationen durch. Das im Fachjournal "Planetary and Space Science" präsentierte Ergebnis: Derartige Strukturen entstehen vermutlich, wenn ein großer Asteroid auf dem Mond einschlägt. Konkret identifizierten die Wissenschafter den Krater Stickney als vermutlichen Ausgangspunkt. Durch die Wucht des Aufpralls eines etwa einen Kilometer großen Asteroiden vor rund 150 Millionen Jahren wurden zahlreiche Felsbrocken aus dem Untergrund gesprengt.

Detailaufnahme des Kraters Stickney.
Foto: NASA/JPL/University of Arizona

Durch die große Nähe zum Mars und dessen gravitativen Einfluss rollten und schlitterten diese Bruchstücke kreuz und quer über die ganze Oberfläche von Phobos, wobei sie die charakteristischen Rillen hinterließen. Nach Berechnungen der Wissenschafter dauerte dieser Prozess weniger als zwölf Stunden. Eine Region blieb dabei allerdings frei von den Furchen. Woran das liegt, erschließt sich ebenso aus den Simulationen. An dieser Stelle reichte die kombinierte Schwerkraft von Phobos und Mars nicht aus, um die Felsen festzuhalten, und sie flogen schließlich ins All davon.

Wo sind die Felsbrocken hin?

Ein Problem hat die Theorie vom Asteroideneinschlag allerdings: Wir können heute keine der angenommenen Felsen auf der Oberfläche von Phobos beobachten. Aber auch dafür haben die Astrophysiker eine Erklärung, die ebenso mit dem Geröll vom Stickney-Einschlag zu tun hat: "All jene Brocken, die schon kurz nach dem Impakt Phobos verlassen haben, gerieten in eine Umlaufbahn um den Mars und kehrten innerhalb von 1.000 Jahren wieder auf den Marsmond zurück", erklärt Ramsley. "Dieses Bombardement könnte die auf Phobos verbliebenen Felsbrocken zerschlagen und ihre Bruchstücke unter einer Staubschicht verborgen haben." (tberg, 22.11.2018)