Am Wiener Donaukanal gibt es Pläne für vier neue Ganzjahreslokale.

Foto: Reuters / Heinz-Peter Bader

Wien – Beim Feuerdorf wird wieder fleißig gegrillt und neuerdings auf zwei Kunststoffbahnen auch Eisstockschießen angeboten. Wabbler – nicht zu verwechseln mit Wappler – sind auch beim Badeschiff inklusive Vorkaifläche gerngesehene Gäste und können ihre Eisstöcke wabbeln lassen. Und im Glashaus bei der Adria Wien, dem einzigen winterfesten Gebäude der Beach-Bar, wird Punsch kredenzt.

Langsam startet der Wiener Donaukanal in die Wintersaison, die im Vergleich zum langen Sommer-Halligalli vergleichsweise ruhig und fast besinnlich ausfällt. Menschenmassen, die den Kanal bevölkern, sind keine mehr in Sicht. Das ist neben den niedrigen Temperaturen aber auch auf das reduzierte Gastroangebot zurückzuführen: Der Großteil der Lokale wie Tel Aviv Beach, Strandbar Hermann oder auch Blumenwiese hat nach dem Ende der Sommersaison die Schotten dichtgemacht.

Sechs Gastro-Flächen neu vergeben

Das könnte sich ab dem kommenden Jahr aber gehörig ändern. Der Donaukanal dürfte sich auch im Winter zu einer Gastromeile transformieren. Grund ist eine Neuvergabe von gleich sechs gastronomisch genutzten Flächen, die im Oktober abgeschlossen wurde. Durchgeführt hat die Ausschreibung die Donau Hochwasserschutz Konkurrenz (DHK) als Grundeigentümerin, hinter der Bund, Stadt Wien und Land Niederösterreich stecken. Ziel war neben höheren Pachterträgen auch, mehr ganzjährig nutzbare Lokale an den Kanal zu bringen.

Grafik: Der Standard

Vier neue Ganzjahreslokale

Laut Auskunft von Via Donau, der geschäftsführenden Stelle der DHK, können und sollen die bisherigen vier Flächen von Tel Aviv Beach, Adria, Badeschiff-Vorkaifläche und Central Garden ab 2019 ganzjährig genutzt werden, wie es auf STANDARD-Anfrage heißt. Es werden also auch wetterfeste Gastrogebäude am Kanal entstehen. Damit sich Investitionen auszahlen, erhalten die Gastronomen Zehnjahresverträge. Feuerdorf und Hafenkneipe bleibt eine saisonale Nutzung vorbehalten – Ersterem im Winter, Letzterem im Sommer.

Ganz so einfach stellt sich die Sachlage allerdings nicht dar. Das zeigt sich auch daran, dass die DHK den sechs siegreichen künftigen Betreibern noch immer keine Verträge zur Unterschrift vorgelegt hat.

Laufende Rechtsstreitigkeiten

Der Hauptgrund sind laufende Rechtsstreitigkeiten mit Gerold Ecker, dem Pächter der Adria Wien samt Glashaus sowie des Badeschiffs inklusive Vorkaifläche. Ecker, ein Donaukanal-Pionier, hat gegen die Ausschreibung der DHK geklagt: Er hätte sich laut Ausschreibungskriterien nur noch für eine Fläche bewerben können und spricht von Willkür von DHK und der Stadt.

Diese sehen das anders: Die DHK klagt die bestandsfreie Übergabe von Adria und Badeschiff Vorkaifläche ein. Darüber hinaus läuft eine Räumungsklage der Stadt gegen den Glaspavillon, die Ecker in erster Instanz gewonnen hat. Die Stadt hat Berufung eingelegt, Ecker geht von einem langen Rechtsstreit aus und will bis zur endgültigen Klärung die Flächen bespielen. "Unsere Arbeit geht normal weiter."

Biergarten in der Warteschleife

Stephanie Edtstadtler sitzt hingegen "auf Nadeln", wie sie dem STANDARD sagt. Die Gastronomin, die in Wien geboren und in Bayern aufgewachsen ist, hat die Ausschreibung für die Badeschiff-Vorkaifläche gewonnen und will auf 800 Quadratmetern einen bayerischen Biergarten umsetzen. Das Konzept sieht 300 Sitzplätze sowie 50 bis 100 konsumfreie Plätze vor. Auf den Großgriller soll auch selbst mitgebrachtes Grillgut geworfen werden können. Ihr Lokal "Fräulein's fabelhafter Sommergarten" soll auch in Winterbetrieb gehen. Der Baustart im Frühjahr ist aber trotz gewonnener Ausschreibung völlig unklar. "Ich warte auf den Vertrag. Mit meinen Partnern kann ich bis dahin nichts fixieren", sagt sie.

365-Tage-Betrieb geplant

Auch die neuen Pächter der Adria stehen vor einer ungewissen Zukunft, solange die Rechtsstreitigkeiten zwischen DHK und Ecker andauern. Gastronom David Figar, der mit Partnern die Vergabe gewann, will am Donaukanal einen 365-Tage-Betrieb mit fixem Restaurant und einem Bereich für die Sommersaison erschaffen. "Es handelt sich um die größte Fläche am Kanal", sagt er dem STANDARD. Knapp 1.000 Plätze sind vorgesehen. "Wir wollen den Sommerbetrieb eigentlich im April 2019 starten."

Bei den restlichen vier Flächen – Tel Aviv Beach, Feuerdorf, Central Garden und Hafenkneipe – kamen die jeweiligen Vorpächter wieder zum Zug. Ilan Molcho vom Tel Aviv Beach bestätigt, dass erstmals auch eine Winternutzung geplant sei. Näheres will er noch nicht verraten. Florian Schmeiser vom Central Garden wird "erweitern, ausbauen und erneuern". Im Winter will er künftig an Wochenenden geöffnet haben. Karin Guttmann sperrt ihre Hafenkneipe wie bisher im Sommerhalbjahr auf. (David Krutzler, 23.11.2018)