Robert Palfrader ist jetzt ganz allein. Ich meine, mit mir. Und recht vielen anderen. Im Dunkeln. Im Rabenhoftheater. Und er darf dort reden und reden und reden, während alle anderen in Stillschweigen miteinander verbunden sind, das ab und zu durch Lachkrämpfe unterbrochen wird. Weil sonst wäre es ja kein Kabarett, sondern ein Drama, und fürs Drama bin ja eher ich zuständig, jedenfalls so privat.

Der Kleine mit der großen Nase nennt er sich. Das siegreiche Spermium nennt er sich. Und gleichzeitig, hinter all dem Klamauk, ist auch eine gewisse Sehnsucht nach der Unendlichkeit und die gleichzeitige Sorge hinsichtlich deren Begrenzung vorhanden.

Wir wollen nicht um den heißen Brei herumreden: Der Mann ist grad 50 geworden, und da geistern die Fragen nach ewigem Leben und dem kleinen Tod etwas bewegungsfreudiger durchs Bewusstsein, Kaiser hin oder her.

Wobei das mit der Lebensbegrenzung im Programm eine ganz wundervolle kleine Episode darstellt, die ich natürlich nicht spoilern werde, obwohl ... die Versuchung doch ganz groß ist. Als Wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-nicht-nass-Version werde ich als Schrödingers Kritikerin spoilern und doch nicht spoilern: Es kommen recht viel Desinfektionsmittel, ein bisschen Rauschhaftes und abgesehen davon auch ein sehr Wienerisch sprechender Krankenhauskeim darin vor. Und so ein zugehöriger Wiener mit Rissquetschwunde und dem goldenen Herzen.

Abseits der Kopulierprosa, unglücklicherweise Palfraders Eltern betreffend, und einigen beinahe biblischen Lamentos über die hinterfragenswerte Sinnlosigkeit des Seins sowie die Tugenden des Atheismus habe ich vor allem eines herausquetschen können: nein, nicht den eingangs erwähnten Krankenhauskeim, sondern einen keuschen Kuss.

Unterm frisch wieder zum Leben erweckten, also geradezu wiedergängerischen Herzerlbaum. Stay tuned. Es wird breaking. (Julya Rabinowich, 23.11.2018)