Garantie.

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Liverpool/Mailand – Mohamed Salah hat zum richtigen Zeitpunkt Fahrt aufgenommen. Der Ägypter wurde für Liverpool einmal mehr zum entscheidenden Mann, traf beim 1:0 gegen Napoli am Dienstag entscheidend und hievte die Reds damit ins Achtelfinale der Champions League. Bangen musste der Vorsaison-Finalist jedoch bis zuletzt. So avancierte neben Stürmer Salah auch Torhüter Alisson Becker zum gefeierten Helden.

Brasiliens Nationaltorhüter parierte in der Nachspielzeit gegen Napolis Arkadiusz Milik mit einem Reflex bravourös. Jürgen Klopp war euphorisiert. "Wenn ich gewusst hätte, dass Alisson so gut ist, hätte ich das Doppelte bezahlt", sagte Liverpools Trainer über seinen "Lebensretter". 72,5 Millionen Euro hatte der Premier-League-Klub im Sommer für seine neue Nummer eins an AS Roma überwiesen. Es war gewissermaßen ein forcierter Transfer, nachdem Loris Karius im Champions-League-Finale gegen Real Madrid haarsträubend gepatzt hatte.

Anspannung

Die Anspannung vor dem Spiel war groß an der Merseyside. Mit dem 1:0 erreichte Liverpool aber genau jenen Minimalsieg, der für den Einzug in die K.-o.-Phase reichte. An der Festung Anfield bissen sich auch die Süditaliener die Zähne aus. 19 Europacup-Spiele ist Liverpool seit Oktober 2014 daheim ungeschlagen, 14 davon gewannen die Hausherren. Der Daily Mirror titelte deshalb: "Eine weitere epische Euro-Nacht in Anfield." Auswärts hatte Liverpool in der Gruppenphase drei Niederlagen kassiert.

In einem mitreißenden Spiel verpasste Liverpool nach der Führung in der 34. Minute eine Vorentscheidung. Sadio Mane ließ die besten Einschussmöglichkeiten ungenutzt. Auf Salah war Verlass, der 44-fache Torschütze der Vorsaison sorgte für Betrieb in Napolis Abwehr. Nachdem er für seine Verhältnisse eher langsam in die Saison gestartet war, hatte sich Salahs Formanstieg zuletzt angedeutet. Am vergangenen Wochenende erzielte der 26-Jährige in der Liga gegen Bournemouth drei Tore. "Er ist ein Weltklasse-Spieler und hat es wieder für uns gerichtet", betonte Teamkollege James Milner.

Dass sich das Schicksal von Liverpool und Napoli allein durch den Ausgang der Direktbegegnung entscheiden würde, hatte sich schon früh abgezeichnet. Paris Saint-Germain wurde im Parallelspiel beim 4:1 auswärts gegen Roter Stern Belgrad seiner Favoritenrolle vollends gerecht und lag schon zur Pause dank Toren von Edinson Cavani und Neymar mit 2:0 in Führung. Mit Kylian Mbappe schrieb danach auch noch der dritte Starstürmer an. Zittern war bei PSG nicht angesagt.

Mentalität

Die Mannschaft von Thomas Tuchel verhinderte damit das erstmalige Ausscheiden in der Gruppenphase seit dem Einstieg der katarischen Investoren 2011. Das Ziel ist ohnehin viel höher angesetzt. "Wir haben die notwendige Mentalität, die es in der Champions League braucht. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Latte hoch halten können", meinte Tuchel. Vom Titel wollte der deutsche Trainer nicht sprechen: "Wir müssen demütig bleiben und ein Spiel nach dem anderen nehmen. Unsere Fans dürfen träumen, wir müssen konzentriert bleiben."

Neben Liverpool komplettierte Tottenham nach den bereits fixierten Aufstiegen von Manchester City und Manchester United ein englisches Quartett im Achtelfinale. Die Spurs holten dank eines späten Treffers von Lucas Moura (85.) ein 1:1 beim mit einer B-Elf angetretenen FC Barcelona. Der Punkt reichte, da sich Inter Mailand im Meazza-Stadion überraschend mit einem mageren 1:1 gegen PSV Eindhoven zufriedengeben musste.

Comeback

Obwohl Inters Star Mauro Icardi in der 73. Minute den Ausgleich erzielen konnten, setzten die Mailänder nicht mehr entscheidend zu. Nachdem Tottenhams Ausgleich im Stadion verkündet wurde, reagierten die Inter-Profis auch nicht wirklich darauf. "Wenn man zu angespannt wird, verliert man den Blick auf das Spiel. Aber wir wurden von der Anspannung mitgerissen", monierte Trainer Luciano Spalletti. Er hatte die Partie im Vorfeld als die wichtigste seiner bisher 18-monatigen Amtszeit bei den Nerazzurri eingestuft.

Tottenham durfte sich über ein Comeback freuen. Nach den ersten drei Runden der Gruppenphase hatten die Londoner erst einen Zähler gesammelt. "Niemand hat mehr an uns geglaubt, es war eine 'Mission impossible'. Aber jetzt stehen wir in der nächsten Runde", meinte Trainer Mauricio Pochettino. Für Barcelona war der Heimauftritt nahezu bedeutungslos. Die Katalanen sind nun 29 Heimspiele in der Champions League ungeschlagen und stellten damit den diesbezüglichen Rekord von Bayern München ein. (APA, 12.12.2018)