Können diese Augen lügen? Zumindest können diese Zähne und Krallen töten.
Foto: Wong Maye-E/AP/dapd

Canberra – Der Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps) sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Mit seinem buschigen Schwanz und den riesigen Augen macht das nur etwa 20 Zentimeter lange Beuteltier einen derart putzigen Eindruck, dass es sich in jüngerer Vergangenheit zum Mode-Haustier entwickelt hat.

Wofür der Sugar Glider, wie er auf Englisch genannt wird, freilich höchst ungeeignet ist: Die Tiere sind nachtaktiv, Gesellschaft gewöhnt (und zwar die von Artgenossen, nicht von seltsamen Zweibeinern) und haben auch einen ziemlichen Platzbedarf. Immerhin gehört es zu ihrer natürlichen Lebensweise, mit der fellbedeckten Flugmembran, die sich zwischen ihren Gliedmaßen spannt, von Baum zu Baum zu segeln.

Der Eindruck von Possierlichkeit darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kurzkopfgleitbeutler zu einem echten Problem werden können. So geschehen auf der Insel Tasmanien, wo die ursprünglich in Neuguinea und Ostaustralien beheimateten Tiere erst im 19. Jahrhundert eingeschleppt wurden. Das hat sich mittlerweile negativ auf eine dort heimische Papageienart ausgewirkt.

Vom Beutler erbeutet

Kurzkopfgleitbeutler sind Allesfresser. Der Hauptanteil ihrer Nahrung ist pflanzlich, aber wenn sich eine Fleischquelle auftut, wird diese nicht verschmäht. Dazu gehört auch der tasmanische Schwalbensittich (Lathamus discolor), ein etwa 20 Zentimeter langer und 70 Gramm leichter Papagei. Seit sich die Sugar Glider auf Tasmanien ausbreiten, sind die Papageienbestände stark geschrumpft – und noch dazu in geschlechtlich sehr einseitiger Weise.

Der Grund: Die Beutler sind keine begnadeten Jäger. Sehr wohl liegt es aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten, in die Nisthöhlen der Papageien einzudringen, die Eier zu plündern und das brütende Weibchen zu töten, das keine Chance hat, aus der Höhle zu entkommen. Im Lauf der Zeit hat sich daraus ein krasses Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern entwickelt. Gab es früher gleich viele männliche und weibliche Schwalbensittiche, so kommen nun auf jedes Weibchen drei Männchen.

Ein Nest von Schwalbensittichen – die Mutter muss hoffen, dass hier kein Sugar Glider angeglitten kommt.
Foto: Dejan Stojanovic, ANU

Und das hat Folgen, wie Forscher um Rob Heinsohn von der Australian National University im Fachmagazin "Journal of Animal Ecology" berichten. Zwischen den Männchen hat sich der Konkurrenzkampf verstärkt, zudem werden Weibchen, die bereits einen Partner haben, laufend von Männchen belästigt, die ihnen am Rand des Nests auflauern. Das führt – ungewöhnlich für die eigentlich in treuer Monogamie lebenden Papageien – zu Seitensprüngen, auf die sich die Weibchen laut Heinsohn hauptsächlich deshalb einlassen, um die lästigen Freier endlich "von der Backe zu haben".

Das Resultat dieser ganzen Turbulenzen sind – erneut untypisch für die Papageien – Nester mit Nachwuchs von verschiedenen Vätern und insgesamt eine geringere Anzahl von Nachkommen wegen des ganzen Stresses: Lauter Dreiecksbeziehungen, die allen Beteiligten nur Nachteile bringen, bilanziert Heinsohn.

Notmaßnahmen

Der vermeintlich so harmlose Kurzkopfgleitbeutler demonstriert damit einmal mehr, was für negative Auswirkungen die Einwanderung bzw. Einschleppung einer neuen Art haben kann. Von allein wird sich das Problem nicht lösen – da kann höchstens noch der Mensch eingreifen, der es letztlich ja auch verursacht hat. Heinsohn und sein Kollege Dejan Stojanoviv haben ein Programm initiiert, um einen Teil des Papageienbestands auf kleinere Inseln umzusiedeln, wo keine Sugar Glider leben, und auf Tasmanien selbst den Vögeln raubtiersichere Nistboxen zur Verfügung zu stellen. (jdo, 29. 12. 2018)

Der Beliebtheit des Sugar Gliders wird auch dieser Artikel freilich keinen Dämpfer versetzen.
Foto: REUTERS/Kham