Den ganz fetten Jahren werden wohl etwas magerere folgen.

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Die Wolken am Konjunkturhimmel ziehen sich allmählich zusammen. Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am Freitag ihren Jahresausblick für die heimische Wirtschaft leicht nach unten revidiert. Vorweg: Die Wirtschaft soll heuer so wie im Vorjahr mit 2,7 Prozent wachsen. Im nächsten Jahr erwartet die OeNB nur noch ein Wachstum von zwei Prozent. Oftmals sind Trends wichtiger, einzelne Stärken und Risiken aussagekräftiger als die einzelnen Zahlen. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny lehnte sich an EZB-Chef Mario Draghi an und charakterisierte den aktuellen Ausblick mit "anhaltender Zuversicht bei zunehmender Vorsicht" .

Mehr Vollzeitstellen

Dabei läuft derzeit vieles glatt: Die Zahl der Beschäftigten soll heuer bis zu 70.000 zulegen. Das entspricht einem Plus in Köpfen und geleisteten Stunden von 2,2 Prozent. Endlich wächst also nicht nur die Zahl neuer Arbeitsplätze, sondern es handelt sich vermehrt um Vollzeitstellen – hauptsächlich in der Industrie. Die für die Krise so symbolische Teilzeitquote sinkt.

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Damit geht ein Anstieg der realen Einkommen einher, der im kommenden Jahr noch etwas stärker ausfallen soll als heuer. Dafür sind die zuletzt besseren Lohnabschlüsse, aber auch der Familienbonus der türkis-blauen Koalition verantwortlich. Das Förderprogramm werde laut OeNB vor allem 2020 den Konsum ankurbeln.

Nicht zuletzt feierte die Exportbranche Erfolge. Obwohl die Konkurrenz aus Niedriglohnländern zunimmt, gewannen hiesige Produzenten sogar Marktanteile dazu. Vor allem der starke Absatz in Osteuropa rettet Österreich einmal mehr vor Rückschlägen, wie sie die deutsche Wirtschaft verzeichnete. So spielt etwa der südliche Nachbar Italien, Schlusslicht bei EU-Wachstumsprognosen, mittlerweile die gleiche Rolle für Österreichs Exporteure wie die Schweiz (beide sechs Prozent), während nach Osteuropa fast ein Fünftel aller Ausfuhren fließt. Insgesamt hat Österreichs Wirtschaft somit viele Standbeine, die bei einem neuerlichen Abschwung abfedernd wirken.

Deutschland auf der Bremse

Aber es gibt auch Risiken: Die einstige Konjunkturlokomotive der Eurozone Deutschland bremste sich überraschend stark ein. Über die nächsten drei Jahre sollen nur Frankreich, Italien und Belgien langsamer wachsen als der nördliche Nachbar. Viele deutsche Unternehmen stoßen derzeit an ihre Grenzen, weil sie nicht genügend geeignete Arbeitskräfte finden. Doch das große Fragezeichen bildet die deutsche Autoindustrie. Nach dem Dämpfer durch die Umstellung bei den Abgastests lösen die technologische Entwicklung und wandelnde Absatzmärkte wie China zunehmend Zweifel aus, ob die deutschen Autobauer ihre dominante Stellung halten können. Das könne "massive Auswirkungen" auf Österreich haben, betont OeNB-Chef Nowotny. Der schwelende Handelskonflikt zwischen der USA und dem Rest der Welt belastet ebenfalls das Klima.

Gleichzeitig klingt die Investitionslaune der heimischen Firmen langsam ab, die ihre Zurückhaltung in den Jahren nach der Krise in jüngster Zeit wieder gut gemacht hatten. Was bedeutet das alles für den politischen Handlungsspielraum? Wie zuletzt der Fiskalrat glaubt auch die OeNB an ein Nulldefizit noch 2018. In den kommenden Jahren sollen sich leichte Überschüsse ausgehen. Trotzdem hätte die Regierung "ambitionierter" den Haushalt sanieren können, meint Nowotny. Man solle schließlich das Dach decken, wenn die Sonne scheint. Insgesamt fiel die aktuelle Hochkonjunktur im Vergleich mit den letzten beiden deutlich verhaltener aus.

Dünner EU-Krisenpolster

Bei der Geldpolitik hält sich der Spielraum in Grenzen. Die OeNB geht von einem leicht tieferen kurzfristigen Zinssatz an den Märkten aus als etwa zuletzt die OECD oder die EU-Kommission. Erst 2021 sollen die Zinsen wieder in den positiven Bereich rutschen. Nowotny sieht diese Entwicklung kritisch: Strafzinsen für Banken seien rasch abzuschaffen. "Das ist auch eine Besonderheit der EZB," fügte er hinzu. Und trotzdem: Bereits die Tatsache, dass die EZB ab 2019 keine neuen Anleihen mehr kaufen wolle und das Volumen bei rund 2,5 Billionen Euro einfriert, erachtet Nowotny als Nachrüstung des geldpolitischen Munitionslagers. Beobachter bezweifeln jedoch, wie viel Spielraum die Notenbank im neuerlichen Krisenfall übrig hätte. (Leopold Stefan, 14.12.2018)