Im WAT Brigittenau wird regelmäßig für nationale und internationale Wettkämpfe trainiert.
DER STANDARD

Wien – Die Weihnachtsfeier des WAT Brigittenau fand bereits statt, und viele Mitglieder hatten den Hinweis der Vereinsführung beherzigt, der da lautete: "Fürs Buffet ist jedes kulinarische Mitbringsel willkommen." Etliche Mitbringsel sind am Samstag im Clubsaal des Sportzentrums in der Hopsagasse zunächst auf Gläser verteilt worden, die es zu erheben und zu leeren galt. Und vor dem Leeren hieß es dann "Auf den Benny!", mit schöner Regelmäßigkeit, so viel Zeit musste schon sein.

Der Benny ist ein, nein: das Aushängeschild des WAT Brigittenau. Benny Wizani, 17 Jahre alt, Bronzemedaillengewinner der olympischen Jugendspiele im Oktober in Buenos Aires. Da musste sich Wizani im Trampolinspringen nur dem Chinesen Fu Fantao und dem Briten Andrew Stamp geschlagen geben. Es war sein größter Erfolg in den Nachwuchsklassen, in denen er seit zwölf Jahren springt und springt und springt.

Der erste Salto

In Tulln, wo Benny aufgewachsen ist, gab es am Donauufer eine Freizeittrampolinanlage. Praktisch seinen ersten Schritten ließ er dort seine ersten Hüpfer folgen. "Mit zwei habe ich meinen ersten Salto gemacht", sagt er, wobei es schon möglich ist, dass er nicht auf zwei Beinen, sondern auf vier Buchstaben aufkam. Die Landung ist immer noch ein Kriterium, doch dazu später.

Benny Wizani springt bis zu zehn Meter hoch. In der Hopsagasse ist das Trampolin so postiert, dass er nicht die Lautsprecherboxen unter dem Hallendach touchiert.
Foto: Christian Fischer

Lieber redet Wizani, der nach dem Training in der Hopsagasse auf dem Trampolinrand sitzt, von seiner Luftfahrt. "Das Schönste", sagt er, "ist das Gefühl des Fliegens, die Kontrolle über den eigenen Körper und auch die Möglichkeit, sich in alle Richtungen bewegen zu können." Zu diesem Gefühl hat sich mit den ersten Erfolgen der Ehrgeiz gesellt. Wettkämpfe bestreitet Benny, seit er fünf Jahre alt ist. "Natürlich taugt es mir zu gewinnen."

Schluss mit Schule

Dem Gefühl und dem Ehrgeiz ordnet der Tullnerfelder sehr viel unter, nicht zuletzt sein schulisches Fortkommen. Vom BORG 20 übersiedelt er mit Jahresbeginn ins Bundesheer, wo er als Heeressportler beste Trainingsmöglichkeiten vorfinden sollte. "Die Matura hole ich später in einer Abendschule nach." Später, also jedenfalls nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Beim World-Cup-Auftakt im Februar in Baku (Aserbaidschan) tritt Wizani erstmals in der allgemeinen Klasse an. Ab dann misst er sich auch mit seinen Idolen, dem Chinesen Dong Dong (29), der elfmal Weltmeister und 2012 Olympiasieger war, und dem Russen Dmitri Uschakow (30). Die beiden sind Ausnahmeerscheinungen – die meisten Springer erreichen Mitte 20 ihren Zenit. Das lässt Wizani auf Olympia 2024 (Paris) und vielleicht 2028 (Los Angeles) hoffen, da wäre er dann 23 bzw. 27 Jahre alt.

Benny Wizani zählt zu den besten Nachwuchs-Trampolinspringern der Welt. Der Topathlet ist 1,73 Meter groß und wiegt 75 Kilogramm.
Christian Fischer

Tokio kommt relativ früh. Für 2020 will er "unbedingt die Qualifikation schaffen", auf Sicht traut er sich auch den Sprung in ein Olympiafinale und/oder ein WM-Finale der besten Acht zu. "Ich werde so lange springen, bis ich das erreicht habe."

Der Beginn

Die Wurzeln des Trampolinspringens liegen im Zirkus, 1951 hat der Deutsche Albrecht Hurtmanns eine erste "Wurfmaschine" gebaut. Ende der 60er gastierten deutsche Schauspringer in Wien und ließen ein Trampolin, das sie nicht mehr benötigten, einfach da. Bis zur Gründung des österreichischen und des Wiener Verbands war es quasi nur noch ein Katzensprung. Franz Heher war ein Mann der ersten Stunde, mittlerweile ist er ein Urgestein des WAT Brigittenau, aber immer noch bei fast jedem Training als Beobachter und Helfer dabei. "Mein Herz schlägt fürs Trampolinspringen. Aber bei uns sind ja alle mit dem Herzen dabei."

WAT-Brigittenau-Urgestein Franz Heher: "Mein Herz schlägt fürs Trampolinspringen."
Christian Fischer

In der Zwischenzeit sind die Trampolinspringer unter dem Dach des Turnverbands gelandet. Dort standen sie, obwohl der Sport seit 2000 (Sydney) olympisch ist, lange im Schatten der Turner. Doch Wizanis Erfolge haben viel bewirkt. Sein Trainer Willi Wöber (31) sagt: "Wir genießen nun mehr Anerkennung und Unterstützung."

Wizani ragt heraus, im wahrsten Sinn des Wortes. Er erreicht bis zu zehn Meter Höhe, das gibt ihm Zeit für schwierigste Elemente wie den "Triffisrudi", einen Dreifachsalto vorwärts gebückt mit eineinhalb Schrauben im dritten Salto.

Trainer Willi Wöber traut Wizani die Olympia-Qualifikation für Tokio 2020 zu.
Christian Fischer

Bei Wettkämpfen sind üblicherweise eine Pflicht- sowie eine Kürübung mit je zehn Sprüngen zu zeigen. Es gilt, Markierungen auf dem Trampolin zu treffen, Flugzeit und Schwierigkeit fließen in die Bewertung mit ein, dazu kommen Haltungsnoten von vier bis sechs Kampfrichtern. Für Wöber ist Trampolinspringen "die fairste Disziplin im Turnen".

Die letzte Schwierigkeit

Bleibt das Übungsende. Für die Haltungsnote ist die Landung durchaus erheblich. Nach dem letzten Sprung gilt es, aus einer Höhe von immer noch sechs, sieben Metern möglichst ohne Wackler in den Stand zu kommen. Das geht auf die Knie, auf den Rücken. "Es tut weh", sagt Wizani. Er hat eigens seine Technik umgestellt, verlagert den Schwerpunkt nach vorn, hält seine Arme unten, so verteilt sich der Druck besser. Und Wizani kann sich auf Wesentliches konzentrieren. "Es war immer mein Mindset", sagt er, "es den Größeren zu zeigen."

So ist er das Aushängeschild des WAT Brigittenau geworden. Dieser übrigens lädt im Jänner anlässlich seines 100. Geburtstages zur nächsten großen Feier. Sie steigt im Festsaal des Amtshauses Brigittenau. Auf kulinarische Mitbringsel darf verzichtet werden, es sollte vorgesorgt sein. (Fritz Neumann, 17.12.2018)