Einige iPad Pro-Geräte wurden mit einer sichtbaren Krümmung ausgeliefert. Apple sieht darin keinen Produktionsfehler.

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Zumindest 880 Euro muss man in die Hand nehmen, wenn man die aktuelle Generation von Apples iPad Pro kaufen will. Ein stolzer Betrag dafür, auch wenn das Gerät viel Lob erhalten hat. Herstellertypisch erwarten Käufer ein gut verarbeitetes Produkt. Doch das war, dem Anschein nach, bei einigen zuletzt ausgelieferten iPads nicht der Fall. Denn sie kamen leicht verbogen bei den Kunden an.

Schnell häuften sich Beschwerden in den Apple-Foren. Das Unternehmen versuchte zu beschwichtigen. Die Biegung sei normal und könne im Rahmen der Herstellung des metallischen Gehäuses auftreten. Die Funktion oder Stabilität des Tablets werde davon nicht beeinträchtigt.

Nutzer protestieren

Wer dachte, dass die Diskussion damit erledigt wäre, irrt allerdings. Denn einige Käufer geben sich damit nicht zufrieden. Verbogene iPads auszuliefern sei nicht akzeptabel, argumentiert man etwa bei Macworld in einem Kommentar. Dort erinnert man auch daran, dass es auch Nutzer gibt, bei denen die Biegung erst nach dem Kauf entstand. Zudem führt der leichte Knick sehr wohl zu Nachteilen, etwa dass das Cover nicht ganz abschließt.

Einen ähnlichen Ton schlägt man auch bei Apple Insider an. Dort empfiehlt man, etwaige als Weihnachtsgeschenk erworbene iPad Pros zu prüfen und notfalls so lange umzutauschen, bis man ein ungekrümmtes Modell bekommt. Bei einem ultrabilligen Tablet könnte man diesen Fehler nachsehen, nicht aber bei einem teuren Premium-Gerät.

Auch in "üblichen" Verbiegetests schneidet das neue iPad Pro nicht besonders gut ab.
JerryRigEverything

Apple beharrt auf Standpunkt

Nun ist eine E-Mail aufgetaucht, die Dan Riccio, Vizechef von Apples Hardware Engineering-Abteilung als Antwort auf Nutzeranfragen verschickt hat, wie 9to5Mac berichtet. Und diese könnte verärgerte Käufer nicht gerade erfreuen.

Apples Definition von "flach" sei beim iPad Pro eine maximale Abweichung von 400 Mikrons, also weniger als einen halben Millimeter. Das sei eine knappere Bemessung als bei den zwei vorhergehenden Generationen des iPad Pro. Die aktuellen Tablets "erfüllen oder übertreffen" die vorgegebenen Qualitätsstandards.

Apples Marketingclip zum neuen iPad Pro.
Apple

Erinnerungen an "Bendgate"

Es bleibt abzuwarten, ob Apple trotz dieses Statements Änderungen am Herstellungsprozess vornehmen wird. Beim "Bendgate" des iPhone 6 im Jahr 2014, bei dem einige Besitzer meldeten, dass es sich schon bei leichtem Druck in der Hosentasche verbiege, wiegelte man zuerst auch ab und erklärte, dass es keine strukturellen Probleme gäbe.

Allerdings erhöhte man in weiterer Folge durch Änderungen am Innenleben die Stabilität. Heuer tauchten schließlich im Rahmen eines Gerichtsverfahrens Dokumente auf, die zeigen, dass Apple schon vor der Veröffentlichung des Smartphones über die strukturellen Defizite Bescheid wusste. (red, 24.12.2018)