Statt über die Feiertage drauf los spielen zu können, müssen Gamer mit langsamem Internet zuerst einmal dem Downloadbalken zusehen.

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Das Jahresende ist für viele Gamer eine doppelt besinnliche Zeit. Neben entspanntem feiern mit Freunden und Familie gibt es über Weihnachten und Neujahr auch mehr Freizeit für das Lieblingshobby. Games, die im Arbeitsstress der letzten Wochen liegen blieben oder unter dem Weihnachtsbaum gelandet sind, kommen endlich an die Reihe.

Doch so einfach ist es nicht, wenn man kein schnelles Internet zur Verfügung hat. In den Ballungszentren in Österreich und Deutschland ist das selten ein Problem, hier stehen oft Leitungen mit 50 Mbit/s oder mehr Bandbreite zur Verfügung. Nicht so in vielen ruralen Gebieten. Hier gibt es immer noch einige Menschen, die sich mit schlechter Netzversorgung plagen müssen. Im Zeitalter der riesigen Patches trifft das Spieler besonders hart, berichtet der Spiegel.

Updates über Nacht

Dort hat man mit mehreren Betroffenen geredet. Einer berichtet, dass er für kleinere Updates für Games auf seiner Playstation 4 die Konsole über Nacht eingeschalten lässt. Maximal etwa 300 Kilobit gehen über seine Leitung, also rund 40 Kilobytes pro Sekunde. Gibt es eine größere Aktualisierung oder eine neue Firmware für seine Konsole, bringt er sie zu seiner Freundin, die besser angebunden ist.

Während in Österreich vielerorts LTE auch als echte Flatrate mit unlimitiertem Datenvolumen zu leistbaren Preisen verfügbar ist, sind die Tarife in Deutschland oft vergleichsweise eingeschränkt und teuer. Zum Vergleich: Bei T-Mobile Österreich zahlt man 55 Euro für eine Bandbreite von "bis zu" 300 Mbit/s, 70 Mbit/s erhält man für 35 Euro. Wer mit 21 bis 30 Mbit/s auskommt, findet auch schon Angebote um die 20 Euro, etwa bei Diskontern wie der A1-Tochter Yesss.

Bei T-Mobile Deutschland gibt es nur eine echte Flatrate. Für die örtlich erzielbare LTE-Maximalgeschwindigkeit werden hier 80 Euro monatlich fällig. Bei allen günstigeren Tarifen mit niedrigerer Bandbreite ist das Datenvolumen zwischen 750 MB und 10 GB begrenzt und nur gegen Aufpreis erweiterbar. Das bislang günstigste Angebot scheint Konkurrent O2 mit "O2 Free Unlimited" mit einer Monatsgebühr von 60 Euro zu legen.

Ein Problem bleibt aber: Es ist geteilte Infrastruktur. Wenn des Abends viele Nutzer Gebrauch vom mobilen Breitband machen, kann die Bandbreite massiv sinken und auch die Latenz in die Höhe schießen, was gerade bei Games, die schnelle Reaktion erfordern, sehr unvorteilhaft ist.

50 GB-Patch für Fallout 76

Andere Betroffene haben Bandbreiten von wenigen Megabits zur Verfügung. Auch für sie gilt, dass große Updates oft nur über Nacht erledigt werden. Oder gar nicht, weil sie teils mehrere Tage in Anspruch nehmen würden. Schon das halbjährliche große Windows 10-Update kann mit einer Größe von über einem GB zur Herausforderung werden, im Vergleich mit manchen Games wirkt es aber klein.

Viele Spiele wiegen als Download bereits 15 GB oder mehr, Tendenz steigend. The Witcher 3 war mit rund 40 GB 2015 noch eher eine Ausnahme. Heute gibt es immer mehr Titel, die einen solchen Umfang mitbringen. Hier können sich Spieler mit langsamer Leitung freilich noch behelfen, die Games in einem Laden kaufen und von den Discs installieren. Auch das schafft aber immer seltener Abhilfe.

Denn: Während man sich im Austausch für die Fahrt zum Geschäft zwar die Downloadzeit erspart, kommen viele Spiele mittlerweile mit umfangreichen Patches rund um den Release daher. Stolze 50 GB mussten etwa kürzlich die Bewohner des virtuellen Postapokalypse-Ödlands von Fallout 76 herunter laden.

Kein Multiplayer oder schwere Bugs

Auf die Patches verzichten kann man meist nicht. Onlinegames setzen ohnehin voraus, dass alle Spieler die aktuellste Version nutzen, da sie andernfalls den Start verweigern. Diverse Singleplayer-Games sind ohne "Day One-Patch" aufgrund diverser technischer Ungereimtheiten fast unspielbar.

Dass Hersteller immer wieder beim Kunden reifende "Bananaware" ausliefern, fällt Nutzern ohne guter Breitbandverbindung also doppelt auf den Kopf. Spiele, die am Veröffentlichungstag tatsächlich "fertig", also zumindest ohne gröberen Fehlern, verfügbar sind, würden nicht nur entspanntere Weihnachten bedeuten, sondern freilich allen Spielern zugute kommen.

Eine langfristige Lösung stellt freilich nur eine Verbesserung der Anbindung dar. Einerseits geht es hier etwa um den Ausbau von Glasfaser und den Ersatz alter Kupferleitungen. Andererseits müssen jene, die vom LTE-Ausbau nicht profitiert haben, darauf hoffen, mit 5G endlich den Sprung zu einer passablen Bandbreite machen zu können, ohne dafür monatlich ein Vermögen ausgeben zu müssen. (gpi, 24.12.2018)