Donald Trump mit Fed-Chef Powell im Weißen Haus

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Washington – US-Präsident Donald Trump hat die Notenbank Federal Reserve erneut scharf angegriffen. "Das einzige Problem, das unsere Wirtschaft hat, ist die Fed", schrieb Trump am Montag auf Twitter. Die Währungshüter hätten kein Gespür für den Markt.

"Die Fed ist wie ein mächtiger Golfer, der nicht einlochen kann, weil er kein Gefühl hat – Er kann nicht putten!"

Trump hatte die Notenbank und den von ihm selbst nominierten Fed-Chef Jerome Powell wegen des Zinserhöhungskurses in den vergangenen Monaten immer wieder massiv kritisiert. Bei dem für einen US-Präsidenten unüblichen Verhalten gegenüber der unabhängigen Notenbank bezeichnete er die Fed unter anderem als verrückt, lächerlich und töricht.

Trump fürchtet, dass die Notenbank mit ihrem Vorgehen den Aufschwung der US-Wirtschaft abwürgen könnte. Zuletzt dementierte Finanzminister Steven Mnuchin Medienberichte, wonach Trump im privaten Kreis sogar die Möglichkeit einer Entlassung Powells diskutiert habe. Jeder Versuch, Powell zu feuern, könnte als Untergrabung der Unabhängigkeit der Zentralbank angesehen werden und für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen.+

Dow Jones auf Talfahrt

Der US-Aktienmarkt hat am Montag trotz Beschwichtigungsversuchen aus Washington seine jüngste Talfahrt ungebremst fortgesetzt. Der Dow Jones Industrial sackte unter 22.000 Punkte ab und verlor zum Schluss des verkürzten Handelstages 2,91 Prozent auf 21.792,60 Zähler. Marktteilnehmer berichteten über ein für Weihnachten ungewöhnlich schwankungs- und volumenreiches Geschäft.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte am Sonntag noch versucht, die Märkte zu beruhigen. Trump habe nicht die Absicht, Notenbankchef Jerome Powell zu entlassen, hatte der Politiker gesagt. Er habe zudem mit den Chefs der sechs größten US-Banken telefoniert, die ihm erklärt hätten, dass sie über ausreichend Liquidität verfügten. Letzteres habe am Mark entgegen den Absichten des Ministers die Unruhe noch verstärkt, sagten Händler.

Stillstand über Weihnachten

Der teilweise Stillstand der Regierungsgeschäfte in den USA belastete ebenfalls die Stimmung. Dieser könnte sich nach Einschätzung des Weißen Hauses über Weihnachten bis ins neue Jahr hinziehen. Der Markt fürchte, dass sich dies negativ auf die ohnehin schon eingetrübten Konjunkturerwartungen auswirke, hieß es von Experten. Frische Wirtschaftsdaten standen an Weihnachten nicht zur Veröffentlichung an.

Angesichts der boomenden Wirtschaft und eines brummenden Arbeitsmarktes hat die Fed in diesem Jahr die Zinsen vier mal erhöht, um die Inflation in Schach zu halten – zuletzt am Mittwoch auf eine Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Damit will sie ihr Mandat erfüllen, Vollbeschäftigung und stabile Preise zu befördern. Angesichts einer absehbaren Konjunkturabkühlung peilt sie für 2019 noch zwei Anhebungen an. (APA, Reuters, 24.12.2018)