Otto Warmbier vor Gericht, März 2016.

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Pjöngjang – Nordkorea soll wegen des Todes des Amerikaners Otto Warmbier mehr als 500 Millionen Dollar (rund 438 Millionen Euro) an die Familie des gestorbenen Studenten zahlen, entschied ein US-Bundesgericht. Nordkorea sei verantwortlich für die Folter, Geiselnahme und Tötung des jungen Mannes und für die Verletzungen, die Warmbiers Familie dadurch erlitten habe, erklärte Richterin Beryl Howell.

Anfang 2016 war der damals 21-jährige Otto Warmbier nach einer Gruppenreise in dem Land bei der Ausreise festgenommen und wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er soll versucht haben, aus seinem Hotel ein Propagandaplakat zu entwenden. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2017 starb er – er hatte damals bereits 15 Monate im Koma gelegen.

Die Gerichtsentscheidung.

Warmbiers Familie hatte Nordkorea wegen "brutaler Folter und Mord" verklagt. Sie warfen dem nordkoreanischen Regime von Diktator Kim Jong-un vor, es habe Otto Warmbier als Geisel genommen, als politischen Gefangenen gehalten und brutal misshandelt.

Problematische Eintreibung

Eigentlich können ausländische Staaten nicht vor US-Gerichten geklagt werden. Richterin Howell argumentiert aber, dass Terrorismus, wie es die "barbarischen Misshandlungen" Warmbiers gewesen sei, eine Ausnahme darstelle., so die "Washington Post."

Urteile gegen ausländische Beschuldigte sind auch für US-Gerichte oft schwer zu vollstrecken: die Behörde kann zwar die Beschlagnahme von Vermögenswerten anordnen, da Nordkorea wegen der US-Sanktionen keine Zugang zum US-Finanzsystem hat, wird es schwierig, das Geld einzutreiben.

Eltern wollten eine Milliarde

Ob und wie Pjöngjang auf das Urteil reagieren wird, war vorerst unklar. Die Nordkoreaner bestreiten, Warmbier gefoltert zu haben, sondern erklären, er sei an Botulismus erkrankt und nach der Einnahme einer Schlaftablette ins Koma gefallen.

US-Präsident Donald Trump ließ sich nach Veröffentlichung des Urteils über den Stand der Nordkorea-Verhandlungen informieren.

Die Eltern des Studenten hatten ursprünglich eine Milliarde Dollar Schadenersatz gefordert, was 2,5 Prozent des nordkoreanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht, berichtet der Cincinnati Enquirer. (red, APA, dpa, 24.12.2018)