An der Wall Street freute man sich über einen einzigartigen Tagesgewinn.

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Während Europas Börsianer ruhige Weihnachtsfeiertage genießen konnten, ging es an der Wall Street richtig rund. Zunächst verpatzte US-Präsident Donald Trump am 24. Dezember mit einem fast dreiprozentigen Kursrückgang beim Dow Jones die Bescherung – weder seine neuerlich harsche Kritik an der Geldpolitik der US-Notenbank Fed noch die von ihm provozierte Haushaltssperre der Regierungsbehörden war bei den Investoren gut angekommen.

Eine Rolle rückwärts gab es an der Wall Street dann gewissermaßen am Stefanitag. Nachdem Trump die Kursrückgänge als "großartige Gelegenheit zu kaufen" bezeichnet und sein "großes Vertrauen" in US-Unternehmen beteuert hatte, verfielen die Anleger in einen Kaufrausch, der den Dow Jones rund fünf Prozent nach oben katapultierte.

Ab Donnerstag wurde auch an Europas Börsen wieder gehandelt – und die Kurse rasselten trotz der starken US-Vorgaben in den Keller. "Man darf nicht außer Acht lassen, wie schlecht die US-Börsen vor den Feiertagen gelaufen sind", erklärte ein Händler. Zudem wollten viele Anleger noch kurz vor Jahresende ihre Depots bereinigen. Auch das Handelsvolumen war generell gering, weshalb die Kursschwankungen tendenziell stärker ausgefallen sind. Die Folge: Der deutsche Leitindex Dax rasselte auf den tiefsten Stand seit November 2016.

Wegen der Furcht vor einer Konjunkturabkühlung und eines Überangebots an Rohöl gab der Ölpreis deutlich nach. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich auf knapp 53 US-Dollar je Barrel. Der Euro legte hingegen auf über 1,14 Dollar zu. Auch sichere deutsche Staatsanleihen waren gut nachgefragt, die Rendite zehnjähriger Papiere sank auf 0,23 Prozent. Im Jänner hatten diese noch 0,8 Prozent abgeworfen. Auch das als Krisenwährung geltende Gold verzeichnete Zuwächse.

Mit einem starken Spannungsabfall hatten auf Unternehmensebene die Versorger E.ON und RWE zu kämpfen, in Wien erging es dem Verbund nicht besser. Stromkonzerne zählen dennoch heuer zu den stärksten Branchen an der Börse. Auch der Pharmakonzern Merck büßte stark ein. Merck stellte eine Medikamentenstudie für ein Mittel zur Behandlung von Eierstockkrebs ein, weil sie nicht das erhoffte Ergebnis gebracht hatte. Autowerte wie Daimler oder Volkswagen waren ebenfalls im Retourgang unterwegs.

Stabil lag hingegen Vinci im Markt. Der französische Bau- und Infrastrukturkonzern übernimmt die Mehrheit an dem britischen Flughafen London Gatwick, dem zweitgrößten Großbritanniens. Für 50,01 Prozent zahlt Vinci etwa 2,9 Milliarden Pfund, das entspricht rund 3,2 Milliarden Euro.

Vergleichsweise glimpflich kam die Wiener Börse über die Runden. Mit den Großbanken Erste Group und RBI konnten sich zwei Indexschwergewichte in der Gewinnzone halten. Unter die Räder kam hingegen die Voest, die in einem schwächeren europäischen Rohstoffsektor deutlich einbüßte.

Am Donnerstag bekamen die Wall-Street-Akteure zunächst Angst vor der eigenen Courage, negativ hat sich auch ausgewirkt, dass am Donnerstag die neuen Werte der US-Verbraucherstimmung mit 128,1 Zählern unter den Erwartungen blieben. In der letzten Handelsstunde drehte sich der Trend des DJI aber und die Kurse stiegen – allein in den letzten zwei Minuten ging es um einen halben Prozentpunkt nach oben. (Alexander Hahn, 27.12.2018)