Der Brocken, der am Ende der Kreidezeit den Chicxulub-Krater schlug, sorgte vermutlich für eine globale Tsunami-Katastrophe.
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Die jüngste Katastrophe kam ohne Vorwarnung: Als am vergangenen Samstag der Vulkan Anak Krakatau in der Sundastraße zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra ausbrach, versetzte ein dabei losgetretener unterseeischer Erdrutsch das Meer in Aufruhr. Die Folge war ein fast einen Meter hoher Tsunami, der wenig später auf die Küsten der umliegenden Inseln traf. Mindestens 430 Menschen fanden den Tod, knapp 1500 weitere wurden verletzt.

Ins Bewusstsein der Weltbevölkerung geriet der Begriff Tsunami jedoch schon vor 14 Jahren: Der "Weihnachtstsunami" von 2004 wurde vom drittstärksten jemals aufgezeichneten Erdbeben im Indischen Ozean verursacht und kostete etwa 230.000 Menschen in 14 Ländern das Leben. Einige der dabei ausgelösten Wellen, die die Küsten zwischen Sri Lanka, Indien und Indonesien überrollten, waren laut späteren Untersuchungen bis zu 30 Meter hoch.

Globale Katastrophe

Was am Ende der Kreidezeit über die Welt hereinbrach, stellt freilich all diese Katastrophen weit in den Schatten: Wo heute am Nordrand der mexikanischen Halbinsel Yucatán eine annähernd 200 Kilometer durchmessende und zehn Kilometer tiefe Delle in der Erdkruste zu finden ist, schlug vor 66 Millionen Jahren ein zwischen zehn und 15 Kilometer großer Asteroid ein, dem letztlich 70 Prozent aller damaligen Arten zum Opfer fielen, darunter auch die Dinosaurier.

Video: Die Simulation zeigt die unmittelbaren Folgen des Chicxulub-Einschlags.
Brandon Johnson

Die heute als Chicxulub-Krater bekannte Struktur liegt in einer Region, die damals von einem flachen Meer bedeckt war. Dieser Umstand bewirkte Tsunamis, deren Ausmaße sich jeglicher Vorstellungskraft entziehen: Gebirgshohe Wellen rasten über den Golf von Mexiko und breiteten sich über die urzeitlichen Ozeane aus. Selbst in fernsten Weltregionen schlugen noch mehrere Meter hohe Wogen gegen die Küsten.

Zwei Modelle

Dieses apokalyptische Szenario ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die ein Team um Molly Range von der University of Michigan beim Kongress der American Geophysical Union in Washington, D.C., vor einigen Tagen vorgestellt hat. Die Paläozeanografin und ihre Kollegen nutzten für ihre Rekonstruktion der damaligen Ereignisse zwei Modelle: Eines simulierte den Einschlag selbst, wobei von einem 14 Kilometer durchmessenden Asteroiden ausgegangen wurde, der auf ein seichtes Meer traf. Mit dem zweiten Modell eruierten die Forscher die Folgen der Verdrängung des Wassers über die kreidezeitlichen Ozeane hinweg.

"Es war notwendig, zwei unterschiedliche Modelle einzusetzen", erklärte Brian Arbic, Koautor der Studie, die verwendeten Methoden. "Ein herkömmliches Ozeanmodell hätte den Effekt eines solchen Asteroideneinschlags nicht korrekt wiedergegeben." Das Resultat ihrer Berechnungen war wahrhaftig gigantisch: Unmittelbar nach dem Impakt türmte sich zunächst eine mindestens 1500 Meter hohe Welle auf, die über die nächstgelegenen Landmassen hereinbrach.

Video: Globale Auswirkungen des Chicxulub-Impakts.
Molly Range

Serien von Riesenwellen

Minuten später schwappte das Wasser zurück in den vom Einschlag geformten Krater. Dieser reißende Rückstrom löste eine weitere Serie von gewaltigen Wellen aus, die sich über den Atlantik und durch die damalige Lücke zwischen Nord- und Südamerika bis in den Pazifischen Ozean ausbreiten konnte. Range und ihre Kollegen errechneten, dass diese Tsunamis am offenen Meer im Pazifik und Atlantik mindestens 14 Meter hoch waren. In Küstennähe türmten sie sich vermutlich jeweils zu wesentlich höheren Wasserbergen auf.

Die Forscher gehen davon aus, dass derartig gewaltige Tsunamis auch das Tiefenwasser aufgewühlt habe muss, was letztlich auch auf die damaligen Tiefsee-Sedimente Auswirkungen gehabt haben dürfte. Durch entsprechende Bohrungen müssten sich also auch Beweise für die Simulationen der Wissenschafter um Range finden lassen. Die Forscher sind davon überzeugt, dass künftige Untersuchungen belegen werden, dass der Chicxulub-Einschlag tatsächlich Tsunamis verursachte, die zu den größten aller Zeiten zählen. (Thomas Bergmayr, 27.12.2018)