Der Lander Chang'e 4 hat einen Rover an Bord, der die nähere Umgebung untersuchen soll.
Illustr.: CNSA

Peking – Die chinesische Sonde Chang'e 4 soll kurz vor der Landung auf der Rückseite des Mondes stehen, berichtet der chinesische Staatssender CGTN – was den genauen Zeitpunkt betrifft, hält man sich in Peking allerdings weiterhin bedeckt. Als vorgesehenen Landeplatz nannten Staatsmedien den Aitken-Krater, der 1970 nach dem amerikanischen Astronomen Robert Grant Aitken benannt wurde. Nach der Ankunft soll ein Roboterfahrzeug den Boden und die Strukturen um den Landepunkt untersuchen. Es ist mit einer Panoramakamera und Messgeräten ausgestattet.

Die andere Seite des Mondes

Von Rückseite kann man deshalb sprechen, weil sich der Mond in gebundener Rotation mit der Erde befindet und ihr dadurch immer dieselbe Seite zukehrt. Von der Rückseite des Mondes kennt man – abgesehen von kleinen Ausschnitten am Rand, die durch Bahnschwankungen kurzfristig sichtbar werden – nur das, was Missionen fotografiert haben, die den Mond umkreisten.

Zum ersten Mal wurden die von der Erde aus nie sichtbaren 41 Prozent der Mondoberfläche 1959 von der sowjetischen Sonde Lunik 3 erkundet. Ihre Bilder zeigten, dass die Rückseite des Mondes deutlich weniger mit großen Strukturen wie Gebirgen und "Meeren" (eigentlich lavabedeckten Tiefebenen) geschmückt ist als die Vorderseite.

Ehrgeiziges Raumfahrtprogramm

Bei einem erfolgreichen Verlauf der Mission wäre China die erste Raumfahrtnation, der eine Landung auf der abgewandten Seite des Mondes gelänge. Die Weltpremiere ist Teil von Pekings ehrgeizigem Raumfahrtprogramm. Damit werde "ein neues Kapitel bei der Erkundung des Mondes" aufgeschlagen, schrieb Xinhua nach dem Start der Rakete am 8. Dezember vom Weltraumbahnhof im südwestchinesischen Xichang.

Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 3B hob am 8. Dezember mit einem Lander und einem Rover in Richtung Mond ab.
Foto: REUTERS

Die Sonde soll dort wissenschaftliche Experimente vornehmen und das unberührte Terrain erforschen. Die Raumfahrzeuge des chinesischen Mondprogramms sind nach der Mondgöttin Chang'e aus der chinesischen Mythologie benannt. Chang'e 4 ist die zweite chinesische Mondsonde nach der Mission Yutu (Jade-Hase) von 2013.

Schwierige Landung

Beobachter warnten vor Herausforderungen bei der Mission: Schwierig sei etwa die Landung, weil das Gelände auf der Rückseite des Mondes nicht so flach wie auf der Vorderseite sei. Auch die Kommunikation gestaltet sich schwierig, weil keine direkte Funkverbindung zur Rückseite des Mondes aufgebaut werden kann.

Dieses Problem versuchen die Chinesen mit einem Übertragungssatelliten zu lösen, den sie als Relais im Mondorbit platziert haben. "Der gesamte Prozess ist ziemlich kompliziert und es wird viele Risiken geben", sagte Yu Guobin, ein Sprecher des Raumfahrtprogramms, im Staatsfernsehen.

Die Sonde muss nach ihrer Landung unter harten Bedingungen funktionieren. Während der Mondnacht, die 14 Tagen auf der Erde entspricht, sinken die Temperaturen auf bis zu minus 173 Grad Celsius. Während des Mondtages, der ebenfalls 14 Tage auf der Erde dauert, wird es bis zu 127 Grad warm. Die Instrumente müssen diesen Schwankungen standhalten und während der hellen Zeit genug Energie tanken, um die dunkle Zeit zu überstehen.

Chinas Yutu-Mission im Jahr 2013 war ein Erfolg.
Foto: CNSA/CLEP

Bodenproben vom Mond

Yutu war dies gelungen. Nach anfänglichen Problemen untersuchte die Sonde den Mond 31 Monate lang. Der Erfolg der Yutu-Mission hatte dem chinesischen Raumfahrtprogramm einen kräftigen Schub gegeben. Im kommenden Jahr ist der Start einer weiteren Sonde, Chang'e 5, geplant. Sie soll Proben sammeln und zur Erde zurückbringen.

China hat weitere ehrgeizige Ziele in der Raumfahrt: Bis 2021 will Peking eine wiederverwertbare Trägerrakete entwickeln, die mehr Fracht transportieren kann als die Raketen der Nasa und des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX. Bis 2030 soll erstmals ein Chinese auf dem Mond landen, für die Zeit danach plant China einen Stützpunkt auf dem Mond, eine bemannte Raumstation sowie ein Mars-Fahrzeug. (red, APA, 2.1.2019)