Josh Thomas (Zweiter von rechts) in seiner WG: tägliches Scheitern und Dennoch-Weitermachen in "Please Like Me".

Foto: AP/Giovanni Lovisetto

"Please Like Me" beginnt mit einem 19-Dollar-Eisbecher: Während Josh auf der Terrasse des Eiscafés Schokoladensauce über das aufgetürmte Kunstwerk tröpfeln lässt, verkündet Noch-Freundin Claire: "Wir sollten Schluss machen." Weil die Beziehung sich totgelaufen habe – und weil Josh schwul ist. Auch wenn die Eingangsszene es nahelegt, "Please Like Me" widmet sich keineswegs vorrangig der sexuellen Identität des 20-jährigen Großstädters, sondern verhandelt diese fortan ganz selbstverständlich: Statt Claire ist da nun eben Geoffrey.

Die Dramedy-Serie mit vielschichtigem Humor und reichlich Fingerspitzengefühl für die dunklen Momente startete 2013 im australischen Fernsehen und ist mittlerweile auf Netflix zu sehen. Verantwortlich für die vier Staffeln zeichnet Co-Autor und Protagonist Josh Thomas, der in Australien vor allem als Comedian bekannt ist und sein Serien-Ich mit allerlei Persönlichem versehen hat.

Jung, urban, verunsichert

Im Grunde ist Josh ein Vorzeige-Millennial: Der 20-Jährige studiert in Melbourne irgendwas mit Medien, redet am liebsten über sich selbst und verbringt einen wesentlichen Teil seiner Freizeit in der WG-Küche, wo er portugiesische Custard-Törtchen, selbstgebackenes Brot und getrüffelte Makkaroni mit Käse serviert. Ähnlich wie sein (heterosexueller) Mitbewohner und bester Freund Tom schlittert er von einer schwierigen Liebesbeziehung in die nächste, hin- und hergerissen zwischen der Lust am Abenteuer und dem Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung.

"Please Like Me" hat aber mehr zu bieten als die klassische Twentysomething-Sitcom: Bereits in der ersten Folge überlebt Mutter Rose einen Suizidversuch, ihre bipolare Störung entwickelt sich zur Herausforderung für die Beziehung zwischen Josh und seinen geschiedenen Eltern. In der Darstellung psychischer Erkrankungen punktet "Please Like Me" mit Realitätsnähe: Trotz Klinikaufenthalts und verschiedener Medikamente bleibt Roses Leben ein ständiges Auf und Ab – für Josh eine manchmal unerträgliche Belastung. Dennoch zeigt er sich als fürsorglicher Sohn, der sich mit Krankenhauspersonal herumschlägt und gelassen die panischen Anrufe seine Mutter beantwortet.

Ein Stücken Trost

Mit all ihrer Schrulligkeit und Egozentrik bieten die ProtagonistInnen in "Please Like Me" wenig Identifikationspotenzial (in einer Nebenrolle die großartige Hannah Gadsby als depressive Hannah), doch spätestens ab der zweiten Staffel möchte man die schrägen Figuren nicht missen, die in ihrem täglichen Scheitern und Dennoch-Weitermachen den ZuseherInnen ein Stücken Trost spenden. Auch nach dem zweiten Suizidversuch und der dritten Trennung wird Josh morgens wieder am Herd stehen und dampfendes Fladenbrot servieren. (Brigitte Theißl, 8.1.2019)