Der Schein trügt nicht: Die Neuschneemengen der vergangenen Tage waren tatsächlich überdurchschnittlich hoch. In einzelnen Orten gab es sogar neue Rekorde, teilte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit – etwa in Seefeld, Hochfilzen, Lofer und Bad Mitterndorf.

Eine Kontroverse entspann sich über die freiwilligen Helfer, die wegen des Schneechaos aushelfen. Salzburgs Landesfeuerwehrkommandant Leo Winter forderte vom Bund eine Entschädigung für jene, die von ihren Arbeitgebern für entsprechende Einsätze freibekamen: "Mir platzt schön langsam der Kragen, dass wir keine Möglichkeit finden, vom Bund eine Entschädigung zu bekommen, wenn ein Arbeitgeber einen Helfer von der Arbeit freistellt – egal ob das nun die Feuerwehr ist oder zum Beispiel auch die Bergrettung", sagte Winter dem ORF Salzburg. "Wenn das nicht rasch gelingt, dann gefährdet man für die Zukunft das Freiwilligensystem."

Helfer befreien ein Dach in St. Koloman bei Salzburg.
Foto: APA/BARBARA GINDL

Rückendeckung bekam Winter von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP): "Ich denke, dass sie im Zuge der Steuerreform eingebracht werden kann. Da sollten nach genau definierten Kriterien Tagsätze abgeschrieben werden können. Das wäre immerhin eine Geste gegenüber den Unternehmern, die ihre Mitarbeiter für Hilfseinsätze freistellen."

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) verwies in der "Wiener Zeitung" allerdings auf die Zuständigkeit der Länder. "Aus Sicht des Sozialministeriums sind die Länder im Hinblick auf die in der Bundesverfassung vorgesehenen Länderzuständigkeit für den Katastrophenhilfsdienst gefordert, für einen flächendeckenden umfassenden Anspruch auf Verdienstentgang der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im freiwilligen Katastrophen- und Rettungsdienst gegenüber den Ländern beziehungsweise Gemeinden zu sorgen", teilte das Büro der Ministerin mit. Sie erinnerte an Regelungen in einigen Feuerwehrgesetzen der Länder und sprach sich für eine Lösung in ganz Österreich aus.

Einem Sonderurlaub steht Hartinger-Klein skepstisch gegenüber. Arbeitgebern sollten keine Zusatzkosten entstehen. Gegen die gesetzliche Festlegung einer bezahlten Dienstfreistellung spreche, dass sich das "mitunter als Einstellungshemmnis" für Arbeitnehmer erweisen könne. Einer einvernehmlichen Lösung in Unternehmen sei "der Vorzug zu geben".

Zehntausende Helfer versuchen seit über zwei Wochen der gewaltigen Schneemassen Herr zu werden: Soldaten, Feuerwehren, Bergrettung und tausende Freiwillige, die ihren Nachbarn helfen. ORF-Reporterin Saskia Veenenbos hat sich in Gosau im Salzkammergut umgeschaut.
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Dienstagmittag ging am Ankogel in Kärnten bei der Talstation eine Lawine ab, zwei Personen wurden verschüttet. Ein 24-jähriger Tscheche überlebte nicht. Ein 57-jähriger Steirer wurde Dienstagnachmittag von einer Dachlawine verschüttet und starb. In der Ramsau am Dachstein verschüttete die sogenannte Eiskarlawine Teile von Hotels, Verletzte wurde niemand.

Die Lage dürfte sich in den kommenden Tagen etwas entspannen, die Lawinengefahr bleibt in vielen Gebieten aber hoch. Ein Überblick über aktuelle Entwicklungen:

  • Obersteiermark

Die Lawinengefahr in der Steiermark ist auch am Mittwoch unverändert groß geblieben. Im Nordstaugebiet vom Dachstein bis Rax herrschte weiterhin Warnstufe vier von fünf. Im Randgebirge war die Lawinengefahr auf Stufe drei immerhin erheblich, hieß es Mittwochfrüh seitens des Lawinenwarndienstes Steiermark. Entspannung zeichnete sich für Donnerstag ab.

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"Mit der Einstrahlung und Erwärmung im Tagesverlauf kann es vermehrt aus steilen, südseitigen Hängen zu spontanen Schneebrett- und Nassschneelawinen kommen, die große, vereinzelt auch sehr große Ausmaße annehmen können", wurde im Bericht gewarnt.

Die Phase mit starken Schneefällen sollte nun laut den Experten vorerst vorbei sein: Am Mittwoch war sonniges, trockenes Alpinwetter zu erwarten. Die Temperaturen dürften mit der Drehung der Strömung auf West sprunghaft ansteigen. Auch der Donnerstag sollte trocken und freundlich bleiben. Die Temperaturen dürften langsam wieder sinken. Die Setzung der Schneedecke sollte ab Donnerstag zur Stabilisierung und somit zu einer raschen Entspannung der Lawinengefahr führen, prognostizierten die Meteorologen.

Urlauber packten ihr Gepäck auf Schlitten, um es per Fußweg nach Rauris zu bringen.
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  • Tirol

Trotz des Abklingens der massiven Schneefälle hat in Tirol am Mittwoch weiter verbreitet große Lawinengefahr, also Stufe vier der fünfteiligen Skala, geherrscht. Diese gelte vor allem oberhalb der Waldgrenze, teilte der Lawinenwarndienst mit. Dann rechneten die Experten aber mit einem langsamen Rückgang der Lawinengefahr.

Am Donnerstag soll die Lawinengefahr auf Stufe 3 sinken. "Für den Wintersport gilt: Wer kein ausgewiesener Experte ist, soll auf den gesicherten Pisten bleiben und den Aufenthalt im freien Skiraum vermeiden. Gerade die Lawinengefahrenstufe 3 wird oft unterschätzt, stellt aber die klassische Gefahrensituation für Wintersportler dar", mahnte der Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, Rudi Mair. Indes sind laut den Verantwortlichen am Mittwoch noch Helikopterflüge für umfangreiche Schneedecken-Untersuchungen im Gelände sowie für Reparaturen und Kontrollen von Wetterstationen vorgesehen.

Unterdessen wurde seitens der Einsatzkräfte in Tirol auch Bilanz gezogen: Rund 1.200 Einsätze mit insgesamt 12.000 Feuerwehrleuten absolvierten Tirols Feuerwehren während der massiven Schneefälle. Am Dienstag waren zudem noch 80 Assistenzkräfte des Bundesheeres dabei, in den Gemeinden St. Johann in Tirol und St. Ulrich am Pillersee Dächer vom Schnee zu befreien.

  • Vorarlberg

Die Lawinengefahr in Vorarlberg hat sich weiter leicht entspannt, oberhalb von 2.200 Meter bestand aber auch am Mittwoch nach wie vor große Lawinengefahr der Stufe vier. Unerfahrenen Wintersportlern wurde dringend von Aktivitäten außerhalb des gesicherten Geländes abgeraten. Andreas Pecl vom Lawinenwarndienst rechnete mit einer nachhaltigen Entschärfung der Situation in den kommenden Tagen.

Bis auf Warth (Bregenzerwald) waren am Mittwochvormittag alle Vorarlberger Orte wieder auf dem Straßenweg erreichbar. Ab Mittag sollte aber zumindest die Zufahrt nach Warth von Tiroler Seite aus wieder möglich sein. Die Arlbergbahnstrecke zwischen Bludenz und Landeck blieb hingegen weiter gesperrt. Ein Schienenersatzverkehr war eingerichtet, es mussten aber Verzögerungen von bis zu einer Stunde in Kauf genommen werden.

Der seit Samstag im freien Skiraum von Lech am Arlberg vermisste Skifahrer ist indes am Mittwoch tot aus dem durchsuchten Lawinenkegel geborgen worden. Der 28-Jährige Deutsche sei in einer Tiefe von zweieinhalb Meter gefunden worden, teilte die Polizei mit. Seine Ortung sei mit einer Lawinensonde erfolgt.

Eine Lawine hatte am Samstag auf der gesperrten Skiroute "Langer Zug" vier Wintersportler verschüttet. In der Nacht auf Sonntag gelang es den Suchmannschaften drei der Männer aus Deutschland im Alter von 57, 32 und 36 Jahren zu orten, sie konnten jedoch nur noch tot geborgen werden.

Beschädigte Autos nach einer Lawine.
Foto: Reuters/LEONHARD FOEGER
  • Niederösterreich

In den Hochlagen der Ybbstaler Alpen wurde die Lawinengefahr für Mittwoch weiterhin als "groß" beurteilt. Stufe vier auf der fünfteiligen Skala galt oberhalb der Waldgrenze, darunter und in den übrigen Regionen Niederösterreichs wurde das Risiko als "erheblich" (Stufe drei) eingeschätzt. "Die Lawinengefahr nimmt deutlich ab", hieß es zur Tendenz. Für Donnerstag wurde ein Absinken auf Stufe drei erwartet.

Die enorm niederschlagsreiche Phase mit ergiebigen Neuschneezuwächsen sei zu Ende. Durch den stürmischen Wind gebe es große Wechten. "Der erwartete Temperaturanstieg und die Sonneneinstrahlung begünstigen zwar den Setzungsprozess, können zunächst jedoch für eine erhöhte Spontanlawinenaktivität sorgen", wurde gewarnt.

Zwei seit dem 5. Jänner in Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) vermisste Tourengeher im Alter von 54 und 58 Jahren sind indes am Mittwoch tot geborgen worden. Die beiden Männer wurden auf rund 1.000 Metern Seehöhe entdeckt, sagte Michael Hochgerner von der Alpinpolizei. Er bestätigte einen "NÖN"-Onlinebericht, wonach die Männer aus dem Bezirk Krems rund drei Meter unter den Schneemassen entdeckt wurden.

  • Salzburg

Auch in Salzburg hat sich die Situation etwas verbessert. Am Mittwoch herrschte verbreitet erhebliche, in den Nordalpen teils noch große Lawinengefahr. Einige Straßensperren konnten mittlerweile aufgehoben werden, nur noch wenige Orte waren von der Außenwelt abgeschnitten. Das Skigebiet Obertauern war am Vormittag wieder erreichbar.

Spontane Lawinen sind trotzdem noch möglich. Bei Ausflügen ins ungesicherte Gelände sei Zurückhaltung geboten, warnten Experten. Mittlerweile wurde auch die Stromversorgung im Land nahezu zur Gänze wieder hergestellt. Am Dienstagabend hatten rund 60 Kunden der Salzburg AG keinen Strom.

  • Oberösterreich

Der Lawinenprognosebericht ordnete die Lawinengefahr in Oberösterreich als erheblich (Stufe drei) und nur mehr über der Waldgrenze als groß (Stufe vier) ein.

Das Militärkommando Oberösterreich meldete das Ende des Großteils seiner Einsätze im Bezirk Kirchdorf, ein Radlader sollte noch Schnee aus der Gemeinde Edlbach schaffen. In Gosau (Bezirk Gmunden), das weiterhin nur von Salzburg her erreichbar war, wurde fleißig weiter Schnee von den Dächern geschaufelt. Soldaten aus der Garnison Ried im Innkreis befreiten Kulturzentrum, Kindergarten und andere öffentliche Gebäude von ihrer Last. Die großen Verbindungen in die Steiermark – Pyhrn-, Koppen- und Hengstpass – waren weiterhin gesperrt, Hallstatt war wieder auf der Straße erreichbar, Obertraun nicht. (APA, red, 16.1.2019)