Thiem war offenbar nicht bei voller Fitness.

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Melbourne – Dominic Thiem ist am Donnerstag bei den Australian Open unerwartet früh ausgeschieden. Der Weltranglisten-Achte gab in der zweiten Runde gegen den australischen Wildcard-Spieler Alexei Popyrin nach 1:44 Stunden beim Stand von 5:7, 4:6, 0:2 auf, nachdem er sich in der ersten Runde gegen den Franzosen Benoit Paire über fünf Sätze zum Sieg gekämpft hatte.

Gesundheitlich nicht auf der Höhe

Gegen Popyrin war Thiem aber gesundheitlich sichtlich nicht auf der Höhe. Gegen Ende des ersten Satzes zerhackte er seinen Schläger und gab die folgenden 13 Punkte und damit auch den Satz mehr oder weniger kampflos ab. Im zweiten Satz ließ er den Arzt auf den Court kommen, aber auch der konnte nicht entscheidend helfen.

Thiem wirkte oft lustlos und – abgesehen vom Zerhacken seines Rackets – emotionslos, schien aber einfach müde und antriebslos gewesen zu sein. So lauteten zumindest erste Informationen aus seinem Umfeld. So früh war Thiem bei diesem Major seit seinem Auftakt-Out 2015 nicht mehr ausgeschieden, nach einer Auftaktniederlage zu Jahresbeginn in Doha ist sein Saisonstart zumindest ergebnistechnisch missglückt.

"Körper ungewohnt wehgetan"

Thiem gab an, sich am Mittwoch trotz der Fünfsatzpartie vom Vortag noch gut gefühlt zu haben. "Aber ich habe es heute Morgen schon gemerkt. Da hat mir der ganze Körper ungewohnt wehgetan", erklärte der 25-Jährige in der Pressekonferenz. Dennoch habe er geglaubt, ein gutes Match spielen zu können. "Dann ist es aber schlechter geworden statt besser."

Nach einer Verkühlung während der Vorbereitung im Dezember auf Teneriffa sei er auch nach der Ankunft am 4. Jänner in Melbourne einige Tage leicht erkältet gewesen. Er sei zwar anfällig dafür, kuriert eine Erkältung immer aus. "Das sollte normalerweise kein Problem sein. Deswegen muss ich das Abchecken, wenn ich zu Hause bin und sehen, was da rauskommt."

"Müdigkeit plus Schmerzen", beschrieb Thiem seinen Zustand. "Einfach, dass ich mich nicht fit fühle, dass ich mich krank fühle. Deswegen hat es keinen Sinn gemacht, dass ich weiterspiele." Sein Rückflug in die Heimat ist für Freitag gebucht, dann will Thiem der Sache auf den Grund gehen. "Es ist da definitiv irgendetwas im Körper, was nicht hingehört."

13 Punkte in Serie für Popyrin

Das Match gegen Popyrin lief unter dem geschlossenen Dach der Melbourne Arena ab, nachdem es beim Match davor geregnet hatte und weitere Schauer möglich schienen. Der erst 19-jährige Lokalmatador war vor allem zu Beginn bei seinen Servicespielen unantastbar. Thiem hatte da kaum einen Zugriff auf das Spiel und gleich in seinem ersten Service-Game einen Breakball abzuwehren.

Der als Nummer sieben eingestufte Favorit hielt aber seinen Aufschlag bis zum 4:4, ehe er sich vier Breakbälle erarbeitete, sie aber alle ungenutzt ließ. Dennoch schien Thiem nun im Aufwind, zwei Games später fand er bei 5:5 einen weiteren Breakball vor. Während des Games flog nach einem Fehlschlag aber schon das Racket und nach dem 6:5 für Popyrin ließ Thiem seinen Ärger erst recht am Spielgerät aus.

Der Lichtenwörther erntete zunächst Pfiffe und dann Beifall, als er den kaputten Schläger einem erfreuten jungen Buben im Zuschauerraum zuwarf, lockerer wurde er deswegen aber nicht. Es folgten die 13 in Serie abgegebenen Punkte und damit ein 0:40 bei einem 0:1 und eigenem Aufschlag. Thiem zog sich aber noch aus dieser prekären Situation, bis zum 2:2 hatte er im zweiten Durchgang bereits fünf Satzbälle abgewehrt.

Top Ten in Gefahr

Nach ärztlicher Konsultation schien es beim French-Open-Finalisten 2018 allmählich aufwärtszugehen, es schien auf einen Tiebreak hinauszulaufen. Ein abgegebenes Service-Game Thiems zum 4:6 brachte dann aber die Vorentscheidung. "Da habe ich das erste Mal geglaubt, dass ich gewinnen kann", sagte Popyrin danach. Er servierte souverän zum 1:0, ein Rückhandfehler Thiems brachte das 0:2. Es folgte die Aufgabe.

Thiem läuft damit Gefahr, in der nächsten Weltrangliste am 28. Jänner aus den Top Ten zu fallen, denen er seit Juni 2016 ununterbrochen angehört. Auch scheint aktuell zumindest etwas fraglich, wie es mit ihm für den Daviscup in zwei Wochen in Salzburg gegen Chile aussieht. In Melbourne ist Österreich jedenfalls nur noch im Doppel vertreten, da aber durch den topgesetzten Titelverteidiger Oliver Marach.

Es ist Popyrins weitaus größter Erfolg und erst sein dritter Matchsieg auf der Tour. Er hatte auch in Runde eins gegen den Deutschen Mischa Zverev keinen Satz abgegeben und spielt nun gegen den Franzosen Lucas Pouille um das Achtelfinale. Mit Thiem hatte der Weltranglisten-149. etwas Mitleid: "Es ist nie leicht, so zu gewinnen. Domi hatte eine sehr harte erste Runde. Tut mir leid für ihn." (APA, 17.1.2019)