Wie an dieser Stelle schon am Donnerstag geschrieben – es ist den Briten im Rahmen der Brexit-Verhandlungen nicht gelungen, einen Keil zwischen den restlichen EU-27 Staaten zu treiben, die in den vergangenen zwei Jahren stets mit einer Stimme aufgetreten sind. Ganz anders die Briten, wo man Befürworter und Gegner des Brexit auch nicht anhand von Parteigrenzen ausmachen kann und die nun von einer früheren Brexit-Gegnerin aus der EU geführt werden (sollen). Es scheint, als ob das politische System des Vereinigten Königreichs aus dem Ruder läuft. Jeder dahergelaufene Selbstdarsteller, den es (vielleicht nur zufällig) in die Politik verschlagen hat, meint für eine (vermeintliche) Mehrheit zu sprechen. Man hat den Eindruck, es ginge primär um die Präsentation der eigenen Person.

Um ein politisches Anliegen wirklich durchzusetzen bedarf es – lange vor der öffentlichen Diskussion – einer langwierigen Abstimmung in der Interessenvertretung, in der Partei und in zahlreichen anderen Gremien. Das kennt man hierzulande vor allem aus der Nachkriegszeit: die österreichische Sozialpartnerschaft. Wenngleich die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen vielen zu weit ins andere Extrem gehen (da mauschelt es sich einfach viel zu leicht), eines hat die Sozialpartnerschaft verhindert: dass sich die österreichische Politik zum Gespött der internationalen Staatsgemeinschaft machte. (Markus A. Gaßner, 17.1.2019)