Geköpfte römische Tote geben Rätsel auf

So wie wir in Europa heute unsere Toten beisetzen, haben es im Großen und Ganzen bereits die alten Römer getan: Begraben in der Erde, meist in schöner Kleidung, oft auch in einem kunstvoll gestalteten Sarkophag. Nun aber haben Archäologen in der englischen Grafschaft Suffolk einen römischen Friedhof aus dem vierten Jahrhundert entdeckt, bei dem sich einige Beisetzungen signifikant unterscheiden. Von den insgesamt 52 Toten waren 17 postmortem enthauptet worden, das zeigten Schnittspuren an der Wirbelsäule. Die Köpfe fanden die Wissenschafter neben oder zwischen den Beinen. Was es damit auf sich haben könnte, ist dem Team um Andrew Peachey von der Organisation Archeological Solutions ein Rätsel.

Die Gräber lassen jedenfalls kaum Schlüsse auf die Ursache dieser merkwürdigen Beisetzungspraktiken zu, noch geben sie Auskunft über die Identität der Toten. Es wurden keine Grabbeigaben gefunden, die kopflosen Gerippe gehörten einst zu Männern, Frauen und sogar Kindern. "Alle waren gut genährt und hatten kräftige Körper", sagte Peachey. Das würde immerhin auf Angehörige der bäuerlichen Bevölkerung schließen lassen. Einige Theorien haben die Wissenschafter dennoch: Möglicherweise gehörten die Toten einem römischen Kult an, der den Kopf mit dem Sitz der Seele in Verbindung bringt. Oder aber die 17 aus der Art schlagenden Beigesetzten waren fremder Herkunft und wurden nach ihren heimatlichen Sitten bestattet.

Foto: Archaeological Solutions

Wie supermassereiche Schwarze Löcher wachsen

Astrophysiker haben ein Problem mit supermassiven Schwarzen Löchern: Bisher existiert kein plausibles Modell, das die enorme Größe dieser Objekte ausreichend erklären könnte. Stellare Schwarze Löcher bleiben nach dem Kollaps massereicher Sterne übrig. Ihre Masse hat sich dementsprechend kaum verändert, nur der Raum, der diese Masse einnimmt, ist radikal geschrumpft. Jene gigantischen Schwarzen Löcher, die normalerweise in den Zentren von Galaxien zu finden sind, können dagegen die millionenfache Masse der Sonne in sich vereinen. Sie gehen damit höchstwahrscheinlich nicht auf einen einzelnen Stern zurück. Was also hat sie so enorm groß werden lassen?

Möglicherweise wurde auf der Suche nach einer Erklärung aber auch etwas übersehen, zum Beispiel, wie Schwarze Löcher Materie in sich aufnehmen. Bisher gab es dazu zwei Varianten: Entweder das Schwarze Loch zerreist vorüberziehende Objekte, etwa Sterne, und verschlingt zumindest Teile davon. Oder es ist von einer großen Materiescheibe umgeben, aus der es kontinuierlich auf das Schwarze Loch herabregnet. Beide Möglichkeiten sind durch ganz spezifische Strahlungsspektren charakterisiert. Nun aber hat ein Team um Benny Trakhtenbrot von der Tel Aviv University im Fachjournal "Nature Astronomy" eine dritte Art der "Nahrungsaufnahme" beobachtet.

Die Wissenschafter nahmen bei einem Schwarzen Loch mit 14-millionenfacher Sonnenmasse ein untypisches Strahlungsmuster beim Verschlucken von Materie wahr. Das Ereignis mit der Bezeichnung AT 2017bgt deutet auf die Aufnahme großer Mengen von Gas in kurzer Zeit aus der Umgebung des Schwarzen Loches hin. Mittlerweile wurden zwei weitere vergleichbare Ereignisse nachgewiesen. "Dieses Phänomen könnte tatsächlich dabei helfen zu klären, wie supermassereiche Schwarze Löcher zu solchen Giganten werden", meinen die Forscher.

Illustr.: Nasa

Ein Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Schweizer Wissenschafter der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben nun den biologisch abbaubaren Rohstoff mit zusätzlichen Fähigkeiten versehen, um mittels 3-D-Druck künftig Implantate für Patienten mit Knorpelerkrankungen fertigen zu können. Den Anfang machte ein Ohr, wie Empa-Forscher Michael Hausmann und Kollegen im Fachjournal "ACS Nano" berichten. Momentan besteht das ausgedruckte Ohr zwar lediglich aus Nanocellulose und einer zusätzlichen Biopolymerkomponente. Ziel ist es jedoch, das Grundgerüst mit körpereigenen Zellen und Wirkstoffen zu bestücken, um biomedizinische Implantate zu erzeugen. Wie sich beispielsweise Knorpelzellen in das Gerüst integrieren lassen, wird derzeit in einem weiteren Projekt erforscht.

Sobald die Besiedlung des Hydrogels mit Zellen etabliert ist, könnten die Nanocellulose-basierten Komposite in Ohrform Kindern mit einer angeborenen Ohrmuschelfehlbildung als Implantat dienen. Bei der so genannten Mikrotie etwa sind die äußeren Ohren nur unvollständig ausgebildet. Mit einer Rekonstruktion der Ohrmuschel wird die Fehlbildung kosmetisch, aber auch medizinisch behoben, da die Hörfähigkeit ansonsten stark eingeschränkt sein kann. Im weiteren Verlauf des Projekts sollen die Nanocellulose enthaltenden Hydrogele auch für Kniegelenksimplantate bei Gelenkverschleiß etwa durch chronische Arthritis eingesetzt werden. Ist das Implantat einmal im Körper eingepflanzt, kann sich ein Teil des Materials biologisch abbauen und mit der Zeit im Körper auflösen.

Foto: Empa

Chaotisches Erdmagnetfeld versetzt Forscher in Aufregung

Damit moderne Navigationssysteme, Googlemaps in Smartphones und Auto-Navis einwandfrei arbeiten, müssen sie auf das aktuell gültige globale Magnetfeldmodell abgestimmt sein. Die derzeitige Version dieses Modells erschien 2015 und sollte noch bis 2020 gültig sein – doch dem ist leider nicht so: Das Erdmagnetfeld ist nämlich im Aufruhr und verändert sich derzeit wesentlich schneller als vermutet, was letztlich eine ungeplante Aktualisierung der entsprechenden Modelle notwendig machte. Die Ursachen für das magnetische Chaos sind nicht ganz klar, wie Arnaud Chulliat von der University of Colorado in Boulder erklärt.

Zum einen sorgen Verschiebungen tief im Inneren der Erde für regionale Veränderungen des Magnetfeldes. Zum anderen wanderte der magnetische Nordpol zuletzt viel schneller umher als er es in den Jahrzehnten davor getan hat. Mitte der 1990er-Jahre beschleunigte sich seine Wanderung von ursprünglich 15 Kilometer auf 55 Kilometer pro Jahr. 2001 befand sich der Magnetnordpol im Arktischen Ozean, mittlerweile aber hat er die Datumsgrenze überschritten und ist auf dem Weg nach Sibirien.

Die Forscher vermuten, dass diese rasanten Bewegungen mit Hochgeschwindigkeits-Strömungen aus flüssigem Eisen unter Kanada zusammenhängen. "Die Lage des nördlichen Magnetpols scheint von zwei großen Magnetfeldpunkten bestimmt zu werden, einem unter Kanada und einem unter Sibirien", sagt Phil Livermore von der University of Leeds bei einem Treffen der American Geophysical Union. Und es scheint als gewinne der sibirische Fleck. Was das bedeutet, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Foto: Gary A. Glatzmaier/UCSC

Sommer auf dem Titan-Nordpol

Den Sommer auf dem Titan muss man sich vermutlich etwas anders vorstellen als die warme Jahreszeit bei uns auf der Erde – auch wenn der größte Mond im Saturnsystem durchaus bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit unserer Heimat aufweist: Einerseits besitzt der Himmelskörper mit einem Durchmesser von rund 5.150 Kilometern eine dichte Atmosphäre, ausgedehnte Dünenlandschaften, Flüsse, Seen und Inseln sowie einen regelrechten Flüssigkeitskreislauf. Im Unterschied zum Wassersystem der Erde sind hier die Hauptkomponenten jedoch die Kohlenwasserstoffe Methan und Ethan. Außerdem herrschen auf seiner Oberfläche lebensfeindliche Temperaturen von rund minus 180 Grad Celsius.

Vor kurzem ausgewertete Aufnahmen der Nasa-Sonde Cassini untermauern erneut, dass es auf dem Titan auch so etwas wie Jahreszeiten gibt. Belege dafür lieferten erstmals Hinweise auf Methan-Regenfälle rund um den Nordpol des Mondes. Die mithilfe Cassinis Instrumenten festgestellten Oberflächenreflexionen dürfte auf Flüssigkeitsvorkommen zurückgehen, wo davor keine festzustellen gewesen waren. Wie ein Team um Rajani Dhingra von der University of Idaho in den "Geophysical Research Letters" berichtet, legen diese Beobachtungen nahe, dass es auch auf der Nordhalbkugel des Titan zu (wie schon auf der Südhemisphäre beobachteten) saisonalen Schwankungen bei Temperaturen und Feuchtigkeit kommt.

Foto: NASA/JPL/University of Arizona

Kritik an Klimawandel-Bericht des Pentagon

Während US-Präsident Donald Trump immer wieder gerne Zweifel am menschengemachten Klimawandel öffentlich zum Besten gibt (im Jahr 2017 kündigte er zudem den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen an), muss sich das amerikanische Militär unweigerlich der Realität stellen: Laut einem Bericht des Pentagons ist ein Großteil der militärischen Stützpunkte durch die Folgen des Klimawandels bedroht. Zwei Drittel der 79 untersuchten Einrichtungen seien derzeit oder in der Zukunft durch häufige Überschwemmungen gefährdet, heißt es in dem Bericht des US-Verteidigungsministeriums. Mehr als die Hälfte der Stützpunkte seien von Dürreperioden betroffen.

Der 22 Seiten lange Bericht war vom US-Kongress in Auftrag gegeben worden. Zusätzliche Finanzierungen zur Vorbereitung auf die Klimafolgen sieht das US-Verteidigungsministerium darin allerdings nicht vor. Die entsprechenden Mittel seien bereits im derzeitigen Verteidigungshaushalt eingeplant. Experten und Oppositionspolitiker kritisierten den Bericht. John Conger, Leiter des Zentrums für Klima und Sicherheit, bemängelte etwa Lücken in der Aufzählung des Pentagons. So werde ohne Begründung der Marinestützpunkt Camp Lejeune im Bundesstaat North Caroline nicht genannt, der im September 2018 durch Hurrikan "Florence" verwüstet worden worden war. Auch der Luftwaffenstützpunkt Tyndall in Florida fehle. Dieser war im Oktober durch Hurrikan "Michael" schwer beschädigt worden. Laut Conger hingen die beiden Wetterextreme mit der Erderhitzung zusammen.

Foto: AP/Travis Long/The News & Observer

Australien I: Belüftungsmaschinen sollen Fische retten

Während in Mitteleuropa Rekordschneemengen für Ungemach sorgen, leiden Mensch und Tier in Australien derzeit unter Hitze und Dürre. Der ungewöhnlich heiße Südsommer insbesondere im Osten des Kontinents ließ bei australischen Behörden unter anderem wegen eines massiven Fischsterbens die Alarmglocken läuten – von etwa einer Million toter Fische in einem der wichtigsten Flusssysteme des Landes ist die Rede. Nun wurde der Plan gefasst, Luft in die Flüsse zu pumpen, um den Sauerstoffgehalt des Wassers zu erhöhen und die noch lebenden Fische zu retten.

An 16 Stellen im Murray-Darling-Gebiet würden Belüftungsmaschinen aufgestellt, sagte der Minister für Grundstoffindustrie des Bundesstaates New South Wales, Niall Blair. Temperaturen von häufig über 40 Grad, begleitet von einer langen Trockenheit, haben den Murray und den Darling River so stark ausgetrocknet, dass sie kaum noch fließen. Sie sind die beiden längsten Flüsse Australiens, ihr gemeinsamer Unterlauf mündet bei Adelaide ins Meer. Seit vielen Jahren klagen Umweltschützer, dass Landwirte am Oberlauf des Darlings zu viel Wasser für ihre Baumwollfelder entnehmen.

Foto: AP/Australian Broadcasting Corporation

Australien II: Gestresste Fledermäuse greifen Menschen an

Nicht nur die Fische leiden in Australien unter der großen Hitze, anscheinend versetzen die Wetterbedingungen auch Fledermäuse und Flughunde in großen Stress. Das geht sogar soweit, dass die Tiere in einzelnen Fällen Menschen angreifen. Behörden warnen vor Beiß- und Kratzattacken durch die Fledermäuse.

Allein in den vergangenen zwei Wochen habe es nördlich der Metropole Sydney in der Region Hunter New England sieben Angriffe von Fledermäusen gegeben. Das sei mehr als je zuvor in einem so kurzen Zeitraum. Bei zwei Tieren sei das dem Tollwuterreger ähnliche australische Fledermaus-Lyssavirus nachgewiesen worden. Es kann für Menschen lebensbedrohlich sein.

Foto: APA/AFP/Help Save the Wildlife and Bushlands in Campbelltown

Forscher schufen Schaf-Menschen-Mischlingswesen

In der Biologie und Medizin werden Mischorganismen mit Gewebe von unterschiedlichen Spezies als Chimären bezeichnet. Der Name kommt aus der griechischen Mythologie, wo er für ein Feuer speiendes Ungeheuer steht, dessen vordere Körperhälfte von einem Löwen stammt, in dessen Mitte ein Ziegenkopf sitzt und das Hinterteil jenem eines Drachen gleicht. Im vergangenen Jahr ist es Wissenschaftern in den USA gelungen, eine Chimäre mit einem menschlichen und einem Schafs-Anteil im Labor zu züchten. Solche oder ähnliche Wesen könnten eines Tages dringend benötigte Körperteile liefern und so Organspenden womöglich sogar obsolet machen.

Bei den von Hiromitsu Nakauchi und seinem Team von der Stanford University hergestellten Schaf-Mensch-Embryonen – sie wurden nach 28 Tagen wieder zerstört – sind die jeweiligen Anteile freilich nicht gleichmäßig verteilt. "Der Beitrag menschlicher Zellen ist vorerst noch ziemlich gering", meinte Nakauchi. Auf etwa 10.000 Schafszellen kommt demnach eine menschliche Zelle. Bei ähnlichen Versuchen war 2017 ein Mischwesen aus Schwein und Mensch (im Bild) erschaffen worden. Um die künftige Nutzbarkeit als Organ-Lieferanten für Transplantationen zu gewährleisten, wollen die Forscher den menschlichen Anteil der Hybride in Zukunft steigern – was letztlich auch ethische Fragen aufwirft.

Foto: Juan Carlos Izpisua Belmonte

In Nepal droht ein Megabeben

2015 war ein verheerendes Jahr für Nepal. Am 25. April erschütterte ein Erdbeben mit einer Magnitute von 7,8 das Land im Himalaja, gefolgt von mehreren heftigen Nachbeben. Am 12. Mai kam es zu weiteren Erdstößen der Stärke 7,2. Insgesamt starben rund 8.800 Menschen, 22.300 weitere wurden verletzt. Doch Nepal könnte in absehbarer Zeit noch Schlimmeres blühen: Wissenschafter von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) schlossen aus Simulationen mit einem neuen Modell auf die Vorgänge in der Bruchzone zwischen der Eurasischen und der Indischen Platte – und diese geben Anlass zur Befürchtung, dass dem Land Erdbeben von Magnitude 8 oder höher drohen.

Die Forscher um Luca Dal Zilio haben zum ersten Mal mit hoher Auflösung die Erdbebenzyklen an einem Querschnitt der Bruchzone simuliert. "Beim 2015er-Beben brach nur ein Teil des Bruchsystems, welches die beiden Kontinentalplatten abgrenzt. Der vorderste, oberflächennahe Teil der Bruchzone, wo die Indische unter die Eurasische Platte abtaucht (im Bild), riss nicht und steht immer noch unter Spannung", erklärt Dal Zilio, Erstautor der Studie im Fachjournal "Nature Communications". Diese Spannungen hätten in ihrem frontalen Teil nahe dem Fuß des Himalaja sogar noch zugenommen. Das scheinbar Paradoxe ist, dass die "mittelgroßen" Beben erst die Voraussetzungen für ein Mega-Beben schaffen", erklärt der Geophysiker.

Entsprechend der Simulationen von Dal Zilio und Kollegen sind zwei bis drei weitere wie jene von 2015 nötig, um genügend Spannung für ein Erdbeben der Magnitude 8,1 oder höher aufzubauen. Bei einem solchen Beben reißt die Bruchzone auf einer Länge von mindestens 200 Kilometern und über den gesamten Tiefenbereich bis an die Erdoberfläche. Das führt schließlich zu einer kompletten Entspannung auf diesem Segment des insgesamt etwa 2.000 Kilometer langen Bruchsystems. Wann allerdings ein solches extrem großes Erdbeben auftreten wird, können die Forscher nicht voraussagen. "Niemand kann Erdbeben voraussagen, auch nicht das neue Modell. Wir können jedoch die seismische Gefährdung in einem Gebiet besser verstehen und entsprechende Vorsorge treffen", sagt Edi Kissling, Koautor der Studie.

Foto: Nasa Earth Observatory

Riesiger Weißer Hai vor der Küste von Hawaii gesichtet

Der "Shutdown" hat offenbar auch seine guten Seiten. Dem finanziellen Stillstand in den USA ist es nämlich zu verdanken, dass ein toter Pottwal vor der Küste Hawaiis nicht wie üblich von der US-Wetter- und Meeresbehörde NOAA weit aufs Meer hinaus geschleppt wurde, sondern in den strandnahen Gewässern Oahus verblieb, wo er Haien als opulentes Fleischbuffet dienen kann. Zunächst lockte der Kadaver Dutzende Tigerhaie an – für die menschlichen Zuschauer ein äußerst seltenes Spektakel. Unter anderem entstand dabei ein eindrucksvolles Drohnenvideo, das zeigt, wie die großen Raubfische ganze Brocken aus dem Wal rissen.

Doch es sollte noch besser kommen. Am 15. Jänner verschwanden plötzlich die Tigerhaie – in die Flucht geschlagen von einem gewaltigen Konkurrenten: Ein rund sechs Meter langer Weißer Hai hat sich offenbar von der Duftspur des Walkadavers anlocken lassen. Anstatt es den Tigerhaien gleich zu tun, so wie es einem der gesunde Menschenverstand oder zumindest der Überlebensinstinkt gebieten würde, sprangen zahlreiche Schaulustige zu dem enormen Raubfisch ins Wasser und filmten ihn aus nächster Nähe. Einige ließen es sich nicht nehmen, den Hai sogar zu berühren. Wie die ebenfalls anwesende Taucherin Ocean Ramsey der Zeitung "Honolulu Star Adviser" berichtete, dürfte es sich um ein rund 50 Jahre altes und etwa zwei Tonnen schweres Weibchen handeln. Ihr ungewöhnlich großer Bauch ließe zudem auf eine Schwangerschaft schließen.

Foto: APA/AFP/neOceanDiving.com

Doppelstern mit Materiescheibe in merkwürdiger Position

Eine typische protoplanetare Scheibe umkreist seinen Stern in der Äquatorebene und bringt früher oder später eine Reihe von Planeten hervor – zumindest ist das nach bisherigen Beobachtungen bei einem guten Drittel der Fall. Zuletzt haben Wissenschafter aber auch Beispiele für zirkumstellare Scheiben gefunden, die ganz und gar nicht dem gewohnten Bild entsprechen: So berichteten Astronomen kürzlich in "Nature" von einer stark verzerrten Materiescheibe um einen äußerst jungen Stern. Einen weiteren, noch ungewöhnlicheren Fall hat ein Team um Grant M. Kennedy von der University of Warwick nun im Fachmagazin "Nature Astronomy" präsentiert.

Beobachtungen mit dem Atacama Large Millimeter/sub-millimeter Array (ALMA) enthüllten demnach ein Doppelsternsystem, das von einer protoplanetaren Scheibe umgeben ist, das nahezu im rechten Winkel zur Rotationsebene des Sternenpaares steht. "Das aufregendste an diesem System ist jedoch, dass wir Anzeichen für Planetenwachstum in dieser Gas- und Staubscheibe entdeckt haben", sagt Kennedy. Sollten in Zukunft tatsächlich Exoplaneten daraus hervor gehen, dann werden auf diesen wohl recht merkwürdige Jahreszeiten herrschen, so die Forscher. Und noch etwas macht dieses System reichlich ungewöhnlich: Die protoplanetare Scheibe wird von zwei weiteren Sternen umkreist. Wenn es dort eines Tages Planeten gibt, werden diese gleich von vier Sonnen beschienen.

Illustr.: University of Warwick/Mark Garlick

Hunde jagten für Steinzeitmenschen im Nahen Osten

Wann der Mensch Wölfe zu Haushunden domestiziert hat, ist immer noch nicht mit Sicherheit bewiesen. Die ältesten unbestrittenen Haushundfossilien stammen aus Mitteleuropa und sind 14.700 Jahre alt. Doch annähernd 40.000 Jahre alte Überreste sprechen dafür, dass sich der Wolf schon wesentlich früher dem Menschen angeschlossen hat. In jedem Fall waren die ersten Hunde wertvolle Begleiter von Jägern und Sammlern sowohl in Eurasien als auch in der neuen Welt. Auch im Nahen Osten verzichteten die Menschen nicht auf ihren vierbeinigen Gefährten, wie nun Funde aus dem Nordosten Jordaniens nahelegen.

Wissenschafter um Lisa Yeomans von der Universität Kopenhagen fanden in einer 11.500 Jahre alten steinzeitlichen Siedlung eine große Zahl von Hasenknochen, die dem äußeren Anschein nach einen Verdauungstrakt passiert hatten. Nachdem diese Gebeine für Menschen zu groß zum schlucken waren, dürften sie wohl von Hunden gefressen worden sein, schreiben die Forscher im "Journal of Anthropological Archaeology". Die Wissenschafter vermuten, dass die Hunde von den Steinzeitjägern hauptsächlich dafür eingesetzt wurden, kleineren Beutetieren wie eben Hasen nachzustellen. Als Belohnung gab es dann wohl die Knochen.

Foto: University of Copenhagen

Künstliche Intelligenz findet unbekannten Menschenhybrid in asiatischen Genomen

Indem sie statistische Methoden und sogenannte Deep-Learning-Algorithmen miteinander kombinierten, haben internationale Wissenschafter im Genom von Menschen aus Asien die Spuren einer bisher unbekannten Menschenart identifiziert. Die KI-unterstützte Analyse der menschlichen DNA lässt darauf schließen, dass diese ausgestorbene Frühmenschenspezies eine Hybridform war, die aus der Kreuzung zwischen Neandertalern und Denisovamenschen hervorgegangen ist. Das von einem Team um Mayukh Mondal von der estnischen Universität Tartu im Fachjournal "Nature Communications" vorgestellte Ergebnis passt zu Funden, die vergangenen Sommer in einer Höhle im sibirischen Altaigebirge zutage kamen.

Diese Fossilien stammten von einem Kind, dessen Vater ein Denisovamensch und dessen Mutter Neandertalerin war. Die aktuellen KI-unterstützten Simulationen, die schließlich zum Fund der fremden DNA-Fragmente in asiatischen Genomen geführt haben, zeigen, dass die Entdeckung vom Sommer 2018 keine Einzelfälle waren, sondern offenbar im Rahmen eines generellen Introgressionsprozesses häufiger vorgekommen sind.

Illustr.: Center for Genomic Regulation

Weißer Orang-Utan gewöhnt sich an Leben in Dschungel

Der vermutlich einzige weiße Orang-Utan der Welt hat die ersten Wochen nach seiner Auswilderung gut im Dschungel überstanden. Das Weibchen namens Alba lebt nun im Nationalpark Bukit Baka-Bukit Raya im indonesischen Teil der Insel Borneo. Sie habe sich an das Leben in der freien Natur schon wieder einigermaßen gewöhnt, berichteten Mitarbeiter der Tierschutzorganisation Borneo Orangutan Survival (BOS), die Alba betreut. Immer noch wird der Menschenaffe fast rund um die Uhr beobachtet. Der Albino-Orang-Utan war kurz vor Weihnachten zurück in die Wildnis gebracht worden.

Den Angaben zufolge ernährt sich Alba normal und baut auch Nester. Die meiste Zeit verbringt sie in den Baumwipfeln. Nur gelegentlich steigt sie herab. Meist ist sie allein. "Das sind alles Zeichen, dass ihre wilden Instinkte gut entwickelt sind", erklärte BOS-Chef Jamartin Sihite. "Es sieht so aus, als ob sie sich gut daran erinnert, was ihr ihre Mutter einst beigebracht hat."

Foto: BOSF

Hubble setzt eine perfekt kugelförmige Galaxie ins Bild

Das Hubble-Weltraumteleskop hat ein faszinierendes astronomisches Objekt ins Visier genommen: Messier 89 ist eine elliptische Galaxie, die sich rund 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt befindet. Die auch unter den Bezeichnungen NGC 4552, LEDA 41968 und UGC 7760 bekannte Sterneninsel sieht für diese Gattung von Galaxien allerdings eher ungewöhnlich aus: Sie scheint eine nahezu perfekte Kugelform zu bilden. Möglicherweise ist dies allerdings auch der Perspektive geschuldet, also ihre räumlichen Orientierung relativ zur Erde. Messier 89 gehört zum Virgo-Galaxienhaufen, besteht aus rund 100 Milliarden Sternen und wird von über 2.000 Kugelsternhaufen umkreist.

Damit ist die Galaxie geringfügig kleiner als die Milchstraße, verfügt aber über einige interessante Strukturen, die sich weit in den umgebenden Raum erstrecken. Eines dieser Objekte, eine Brücke aus Gas und Staub, hat ihren Ursprung im Zentrum der Galaxie und reicht 150.000 Lichtjahre ins All hinaus. Außerdem ist Messier 89 von einem komplexen System aus Schichten und Schwaden umgeben, die vermutlich das Ergebnis einer Verschmelzung mit einigen kleineren Galaxien sind – ein Hinweis darauf, dass die Galaxie kosmisch gesehen erst in jüngerer Zeit formiert hat.

Foto: NASA / ESA / Hubble / S. Faber et al.

Zoowelt

Gibbons gelten nicht zu Unrecht als die Sänger unter den Primaten. Auch "Rao" und "Sipura" im Wiener Tiergarten Schönbrunn erfreuen die Besucher regelmäßig mit morgendlichen Duetten. Die starke Bedrohung dieser Schwestergruppe der Großen Menschenaffen ist dagegen bisher wenig bekannt. Daher wurden Gibbons nun zum Zootier des Jahres 2019 gewählt. "Gibbons zählen zu den 'Kleinen Menschenaffen'. Ihre Gefährdung ist vielen nicht so bewusst wie die der Großen Menschenaffen Orang-Utans oder Gorillas", sagte Regina Kramer, Kuratorin für Artenschutz in Schönbrunn. Ausgewählt wird das Zootier des Jahres von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP).

In Schönbrunn lebt eine Familie der Weißhandgibbons (Hylobates lar): "Rao" und "Sipura" mit ihrem im August 2017 geborenen Jungtier "Saya". Gibbons sind monogam und bewohnen fixe Reviere, die sie durch ihren typischen Morgengesang markieren. Es gibt etwa 20 Arten, alle sind stark bedroht, vor allem wegen der Abholzung der Regenwälder in ihrer Heimat Südostasien, aber auch durch Wilderei. Mit der Aktion Zootier des Jahres werden zwei Projekte unterstützt: ein Schutzgebiet in Laos, wo Ranger die Wilderei bekämpfen, und ein Waldgebiet in Vietnam, wo ein mehr als 120.000 Hektar großes Gibbon-Schutzgebiet entstehen soll. (tberg, red, 20.1.2019)

Foto: APA/Tiergarten Schönbrunn/DANIEL ZUPANC