Regisseur Michael Haneke über die westliche Luxusgesellschaft: "Wir wollen uns nicht stellen. Wir wollen bloß so weitermachen"

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München/Wien – Michael Haneke ("Das weiße Band") plant vorerst keine weiteren Kinofilme. Er fühle sich "nicht wohl mit der Vorstellung, nur noch in sarkastischem Ton sprechen zu können, um meine Welt zu beschreiben. Deswegen habe ich vorerst kein neues Projekt", so der 76-jährige Wiener im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" .

So lasse sich die Wirklichkeit der westlichen Luxusgesellschaft künstlerisch nicht anders darstellen, als in Form der Farce. Filme der sogenannten Dritten Welt seien interessanter und tiefer. "Warum? Weil die sich ihren Problemen stellen müssen. Wir wollen uns nicht stellen. Wir wollen bloß so weitermachen", so Haneke weiter. Vor wenigen Wochen hatte Haneke seine gesammelten Drehbücher fürs Kino im Verlag Hoffmann und Campe veröffentlicht.

Im Interview mit dem STANDARD hatte Haneke Anfang Jänner zum Themenkomplex gesagt: Das 20. Jahrhundert war jenes des Ost-West-Konflikts, das 21. Jahrhundert wird jenes des Nord-Süd-Konflikts sein. Hat zwar jeder irgendwie gewusst, war aber lange ein Theorem." Das Kino der sogenannten Dritten Welt "beschäftigt sich nicht mit der Zukunft, sondern ernsthaft mit der jetzigen Situation. Wenn man sich die französischen Filme anschaut, findet man kaum einen, der sich ernsthaft mit der Gegenwart befasst. Die machen geschickte, kultivierte Filme. Und langweilige. Da ist mir Lars von Trier mit all seinen Provokationen tausendmal lieber."

Stattdessen realisiert Haneke derzeit mit den Produktionsgesellschaften Ufa Fiction und Fremantle Media die Serie "Kelwins Buch". Das Projekt ist in einer dystopischen Zukunft angesiedelt, wobei Haneke als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet und bei den ersten Folgen als Regisseur vorgesehen ist. (APA/dpa, 18. 1. 2019)