Der Boden ist aus hartem Gestein und Schiefer. Das erschwert Hilfsbohrungen.

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Ganz Spanien schaut nach Totalán unweit der andalusischen Stadt Málaga. Dort versuchen Rettungskräfte seit Sonntagmittag verzweifelt einen Weg auf den Grund eines 110 Meter tiefen, illegal gebohrten Brunnenschachtes zu finden. Aller Wahrscheinlichkeit nach befindet sich hier der zweijährige Bub Julen. Er soll – so sein Vater José Roselló – während eines Familienpicknicks auf dem Grundstück eines Onkels beim Spielen in das nicht abgesicherte Loch mit nur 25 Zentimeter Durchmesser gefallen sein.

Ein Säckchen mit Süßigkeiten und Haare, die in der Bohrung gefunden wurden, bekräftigen diese Vermutung. Die Kamera, die von den Rettungskräften hinabgelassen wurde, konnte allerdings keine weiteren Belege oder gar Lebenszeichen von Julen liefern, denn in rund 75 Meter Tiefe ist das Loch mit Erde verschlossen. Seit Tagen planen die Retter eine Parallelbohrung sowie eine waagrechte Öffnung von einem Hang aus zum Brunnenboden. Am Freitag stieDieses Vorhaben muss jetzt schnell umgesetzt werden, für Samstag sind Regenfälle in der Region angekündigt. Die Rettungskräfte legen Gräben an, um das Wasser vom Loch wegzuführen.

Bewohner der Stadt wünschen dem Buben auf einem Transparent viel Kraft: "Totalán ist mit euch!"
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"Wir sind auf enorme Schwierigkeiten gestoßen", erklärt der zuständige Ingenieur Ángel García Vidal, warum es immer wieder zu Verzögerungen gekommen ist. Der Boden sei aus hartem Gestein und unstabilem Schiefer. Das erschwere Hilfsbohrungen. Im Laufe des Freitags sollten die Piste und die Plattformen fertiggestellt werden, auf denen das entsprechende 75 Tonnen schwere Bohrfahrzeug zur Einsatzstelle gebracht und dort Halt finden soll. Die Maschine musste aus dem über 500 Kilometer entfernten Madrid herbeigeschafft werden. Sachverständige gehen davon aus, dass – selbst wenn alles gut läuft – die Bohrungen Tage in Anspruch nehmen könnten. Die seitliche Bohrung wird erst einmal nicht durchgeführt.

Hoffnung schwindet

Die Hoffnung, den Buben lebend zu bergen – falls er sich im Brunnen befindet und den Sturz überhaupt überlebt hat -, schwinden zusehends. "Wir werden nicht ruhen, bis wir das Kind gefunden haben", beteuert die Vizedelegierte der Madrider Zentralregierung in Andalusien, María Gámez.

"Das dauert alles eine Ewigkeit, meine Frau ist völlig zerstört. Wir sind tot", erklärte der Vater José Roselló gegenüber der Presse. Die Familie wurde vor einem Jahr bereits schon einmal schwer vom Schicksal getroffen. Der nur zwei Jahre ältere Bruder Julens, Oliver, verstarb im April 2017 bei einem Spaziergang plötzlich. (Reiner Wandler aus Madrid, 18.1.2019)