Früher einmal – es ist noch gar nicht so lange her – hatte der ORF sein eigenes Kabarett. Eine ganze Generation ist mit dem legendären Ö1-"Watschenmann" (1967-74) aufgewachsen. Danach gab es den "Guglhupf" (1978-2009). Der wurde nach fast 30 Jahren mutwillig eingestellt. Zugegeben – der "Guglhupf" hatte gegen Ende schon etwas Patina angesetzt, doch wurde er immer noch "brennheiß serviert". Jeden Sonntag gab es Kabarett vom Allerfeinsten. Lore Krainer, Herbert Prikopa, Kurt Sobotka und Christian Futterknecht lieferten ihre Pointen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass man am Sonntagmorgen wirklich hellwach sein musste. Dem "Guglhupf" folgte dann ein Bauchfleck, der zum Glück schon nach zwei Jahren wieder eingestellt. Und danach? Der ORF versprach ein neues Format. Dabei ist es bislang geblieben.

Es fehlt dem Rundfunk ein Kabarett!
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH

Der Eigentümer versteht keinen Spaß

Nun kann man dem ORF-Radio nicht vorwerfen, dass es zu wenig Kabarett brächte. Die Sendung "Contra" präsentiert jeden Samstagabend ein aktuelles Kabarettprogramm. Und einmal im Monat gibt es eine Live-Übertragung. Trotzdem fragt sich der Hörer, ob sich der ORF kein eigenes Kabarettformat mehr zutraut oder ob es ihm der Eigentümer nicht erlaubt? Der eingangs zitierte "Watschenmann" hatte einen Vorläufer, der vom damals (1955) neu gegründeten ORF schon nach ein paar Folgen eingestellt wurde und der erst nach dem Rundfunkvolksbegehren 1967 wieder auf Sendung ging. Es wäre schön, wenn das ORF-Radio auch ohne Volksbegehren wieder ein eigenes Kabarettprogramm bekäme. Ein bisschen Spaß auf ihre Kosten sollte der Eigentümer sprich die Bundesregierung schon aushalten können. (Markus A. Gaßner, 19.1.2019)

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