"NGO-Schiffe sind wieder im Mittelmeer unterwegs, die Schlepper beginnen wieder mit ihren schmutzigen Geschäften und die Menschen sterben wieder", sagt Matteo Salvini.

Foto: AP/Riccardo Antimiani

Rom – Nach zwei Bootsunglücken im Mittelmeer, bei denen mindestens 56 Menschen ums Leben gekommen sind, sind weitere Flüchtlinge auf See in Schwierigkeiten geraten. Ein Migrantenboot mit 100 Personen befindet sich 60 Seemeilen vor der libyschen Küste. Das Boot sei in Seenot, berichteten italienische Medien.

Es handelt sich um eine weitere Notstandslage nach zwei Bootsunglücken in den vergangenen Tagen. Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) berichtete am Samstag von einem Schiffbruch mit 53 Toten im westlichen Mittelmeer. Eine Person überlebte und wurde nach 24 Stunden im Wasser von einem Fischerboot gerettet.

Auf einem weiteren vor Libyen in Seenot geratenen Schlauchboot waren nach Angaben von drei Überlebenden ursprünglich 120 Menschen an Bord gewesen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Die italienische Marine hatte die drei Überlebenden sowie drei Leichen geborgen. Die vor der libyschen Küste Geretteten wurden mit Unterkühlung in ein Krankenhaus auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gebracht. Sie seien traumatisiert und stünden unter Schock, erklärte die IOM. Sie gaben demnach an, etwa drei Stunden im Meer getrieben zu sein, bevor sie gerettet wurden.

117 Menschen werden vermisst

Ihren Schilderungen zufolge saßen in dem Schlauchboot 120 Menschen aus Nigeria, Kamerun, Gambia, Cote d'Ivoire und dem Sudan, wie die IOM weiter mitteilte. 117 Menschen, darunter zehn Frauen und ein zehn Monate altes Baby, würden deshalb noch vermisst.

Die deutsche Hilfsorganisation Sea Watch, die am Samstag 47 Migranten auf dem Mittelmeer barg, wartet unterdessen auf Anweisungen, in welchem Hafen diese landen sollen. "Wir warten auf Anweisungen. Es gibt keine Möglichkeit, sich mit der libyschen Küstenwache in Verbindungen zu setzen, niemand antwortet am Telefon", so die Aktivisten von Sea Watch nach Medienangaben.

Die 47 Menschen seien nach einem Notruf von einem Schlauchboot an Bord der "Sea-Watch-3" genommen worden, erklärte die Berliner Organisation. Die Migranten seien wohlauf. Wohin die "Sea-Watch 3" jetzt fahren kann, ist unklar. Aktivisten an Bord des Schiffes warnten vor einer Verschlechterung der Wetterbedingungen.

Salvini: Dürfen nicht nach Italien

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega-Partei erklärte umgehend, nach Italien dürften sie nicht. Die NGO sollte die Migranten besser nach Berlin oder Hamburg bringen. "NGO-Schiffe sind wieder im Mittelmeer unterwegs, die Schlepper beginnen wieder mit ihren schmutzigen Geschäften und die Menschen sterben wieder", schrieb Salvini auf Facebook.

Der Innenminister erntete dabei viel Kritik. Der Mitte-links- Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, der auf eine weniger restriktive Einwanderungspolitik dringt, meinte, die italienische Regierung habe Hunderte Migranten auf dem Gewissen. "Dieses Blutbad im Mittelmeer hält an. Salvini sage ich: Wird es zu einem zweiten Nürnberg-Prozess wegen der Toten im Mittelmeer kommen, wird er nicht sagen können, dass er nicht wusste, was sich dort abspielte", so Orlando.

Der Papst betete beim Angelus-Gebet am Sonntag für die bei den jüngsten Schiffsunglücken im Mittelmeer ums Leben gekommenen Flüchtlinge. "Sie suchten eine Zukunft für ihr Leben und wurden wahrscheinlich Opfer von Menschenhändlern. Wir beten für sie und für diejenigen, die die Verantwortung für das Geschehene tragen", so der Papst. (APA, 20.1.2019)