Martí Batres Guadarrama kann die Abneigung von US-Präsident Donald Trump gegenüber seinem Land nicht verstehen. "Diese Feindseligkeit spiegelt sich bei uns nicht wider", versichert der mexikanische Senatspräsident im Gespräch mit dem STANDARD. Der enge Vertraute des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador – im Land oft nur AMLO genannt – bildet einen starken Kontrast zum impulsiven Staatsoberhaupt. Wo dieser laut wettert, gibt Batres ruhige Statements ab – fast zu ruhig, wie manche mexikanischen Journalisten finden.

Über Trump könnte man anderes behaupten. Da ihn der US-Kongress nicht in seinen Plänen zum Mauerbau gegenüber Mexiko unterstützt, wehrt er sich in Form einer Haushaltssperre, die vor einem Monat begann – der längste Shutdown, den es in den USA je gegeben hat.

"An sein Volk denken"

Zielführend werden diese Versuche Batres zufolge vermutlich nicht sein: "Er muss auch an sein Volk denken." Hier sieht Batres einen der großen Unterschiede zwischen Trump und López Obrador, der wegen seines Temperaments dennoch oft mit dem US-Präsidenten verglichen wird. Dessen Verbalattacken konterte er etwa mit einem ganzen Buch: Oye, Trump – was so viel heißt wie "Hör mal zu, Trump". Darin vergleicht er Trumps Kommentare mit jenen von Adolf Hitler über die Juden. Doch AMLO sei kein "mexikanischer Trump" – darauf besteht Batres. Denn für ihn stehe das Volk an erster Stelle.

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Die Grenze zwischen den USA und Mexiko bei El Paso im Norden und Ciudad Juárez im Süden. Längst wären die Metropolen zusammengewachsen, wäre da nicht die internationale Trennlinie.
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Trumps Pläne seien für Mexikos Regierung generell schwer zu durchschauen. Auf die Frage, wie ernst man Trump in Mexiko nehme, folgt eine lange Pause. So ernst man eben müsse, um den Schutz der Mexikaner zu garantieren, lautet Batres' diplomatische Antwort. Der mexikanischen Regierung sei es extrem wichtig, gut mit dem US-Präsidenten zusammenzuarbeiten – "aber nicht für ihn", wie Batres klarstellt. Doch für eine Mauer zahlen will Mexiko nicht, oder? "Sagen wir es so: Dass wir es bisher noch nicht getan haben, spricht für sich."

Korruption im Land

Die USA seien, so Batres, schlicht und einfach nicht die einzige oder größte Baustelle, an der Mexiko arbeiten muss: Der NGO Transparency International zufolge belegt das Land Platz 45 von 180 auf der Liste der korruptesten Länder der Welt. Die Mordrate ist wegen der Drogen- und Bandenkriege so hoch wie in kaum einem anderen Land. 2017 wurden mehr als 25.000 Menschen ermordet, Berechnungen zufolge war das Jahr 2018 noch blutiger.

Mexikos Senatspräsident Martí Batres Guadarrama (links) hat kein Verständnis für Trumps Einstellung. Hier abgebildet mit Innenminister Alfonso Navarrete Prida (rechts) und Kongresspräsident Porfirio Munoz (Mitte).
Foto: REUTERS/Violeta Schmidt

Die mexikanische Regierung will jetzt mit einer eisernen und systematischen Sparpolitik mehr Budget für die Korruptionsbekämpfung und Sicherheit im Land aufstellen. Mexiko hofft so auch, die Migration in die USA verringern zu können, indem es die Hauptargumente für einen Umzug in ein anderes Land beseitigt. Denn auch Batres meint: "Kaum jemand verlässt seine Heimat freiwillig." (Carla Márquez, 22.1.2019)