Ab 2030 sollen sämtliche Busse in Luxemburg elektrisch betrieben werden. Dies ist übrigens ein Symbolbild – ein Bus aus Luxemburg ist in den Agenturen leider nicht zu finden.

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Luxemburg – In Wien kostet die Netzkarte einen Euro pro Tag. Das wird von Umweltbewegten bereits als große Errungenschaft in Sachen Motivation zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr gesehen. Luxemburg geht noch weiter. Ab März 2020 dürfen nicht nur die Bürger und Bürgerinnen der Stadt, sondern auch alle Nichtluxemburger die Öffis gratis nutzen.

Wer in dem zweitkleinsten Staat der EU, der auch Sitz wichtiger EU-Institutionen ist, mit Bus, Straßenbahn oder Zug fahren will, muss keinen Fahrschein, sondern nur noch einen Ausweis vorweisen, teilte Infrastrukturminister Francois Bausch mit. Luxemburg werde so das erste Land der Welt mit Gratis-Öffis.

Die Maßnahme, die mehr Menschen zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel motivieren soll, wird jährlich mit 41 Millionen Euro aus Steuereinnahmen finanziert. Fahrten in der 1. Klasse sind weiter kostenpflichtig. Stellenabbau bei den Verkehrsbetrieben soll es keinen geben, versicherte Bausch. Ticketverkäufer und Kontrollore sollen neue Aufgabenbereiche erhalten. Der Grünen-Politiker Bausch bezeichnet den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr als "wichtige soziale Maßnahme" – auch wenn es kein Allheilmittel sei, um die Menschen zum Umstieg auf den Nahverkehr zu bewegen. Zugleich will das Land bis 2023 rund 2,2 Milliarden Euro in die Schiene investieren.

Vorreiter Tallinn

Schon seit Jahren haben Städte und Kommunen weltweit mit Initiativen für einen kostenlosen Nahverkehr experimentiert, wenn auch oft nur auf einzelnen Linien. Innerhalb Europas gilt die estnische Hauptstadt Tallinn als Vorreiter. Dort können in der Stadt gemeldet Personen seit 2013 Trams, Busse und Bahnen gratis nutzen.

Die Stadt hat damit Erfolg: Staus haben sich seitdem verringert, die Luftqualität ist besser geworden. Sogar finanziell hat sich der Schritt bezahlt gemacht. Weil sich mehr Personen in Tallin angemeldet haben, sind die Steuereinnahmen deutlich gestiegen.

Inzwischen wurde die Maßnahme ausgeweitet. Seit vergangenem Juli können die Einwohner Estlands fast im gesamten Land auch die Überlandbusse gratis nutzen.

Andere Maßnahmen waren von weniger Erfolg gekrönt. Die Bürger der belgischen Stadt Hasselt etwa konnten fast 16 Jahre lang mit den Stadtbussen gratis fahren. Wegen zu hoher Kosten wurde das Angebot jedoch 2013 eingestellt. Auch in den britischen Städten Rotherham und Sheffield wurde das "Free Bus"-Angebot überdacht; in Manchester, Bolton und Stockport rollen die Gratisbusse noch.

2018 hat auch die Regierung in Berlin überlegt, in fünf Modellstädten kostenlosen Nahverkehr einzuführen. Die dafür vorgesehenen Städte Bonn, Mannheim, Essen, Reutlingen und Herrenberg lehnten den Vorschlag aus Kostengründen jedoch ab. Nun will Augsburg einen Versuch wagen: Dort soll ab Ende 2019 die Benutzung von Straßenbahn und Bussen in der Innenstadt gratis sein.

Erste Erfahrungen damit hat man im französischen Dünkirchen schon gesammelt. Gratis Öffi-Fahren in der Innenstadt geht dort seit September. (dpa, red, 22.1.2019)