Handeschütteln in Moskau.

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Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag im Kreml den japanischen Regierungschef Shinzo Abe zu Gesprächen über die zwischen beiden Staaten umstrittenen Kurilen-Inseln empfangen. Beide Seiten sprachen noch vor der Begegnung von "nicht einfachen" Verhandlungen.

Der ungelöste Kurilen-Konflikt hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs den Abschluss eines Friedensvertrages zwischen Tokio und Moskau verhindert – auch wenn sie 1956 wieder diplomatische Beziehungen aufnahmen. Abe sagte vor seiner Reise nach Moskau, seit mehr als 70 Jahren seien die Verhandlungen mit Russland eine "Herausforderung", und diese sei "niemals einfach" gewesen. Der Kreml-Berater Juri Uschakow erwartete seinerseits "keine einfachen Verhandlungen" zwischen Abe und Putin.

Ärger in Russland

Moskau hatte verärgert auf Abes Neujahrsansprache reagiert, in der er dazu aufforderte, den auf den umstrittenen südlichen Kurilen-Inseln lebenden Russen dabei "zu helfen zu verstehen und zu akzeptieren, dass sich die Souveränität über ihre Gebiete ändern" werde. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte vergangene Woche, Japan solle aufhören, die Inseln in amtlichen Dokumenten "Nördliche Territorien" zu nennen. Außerdem bezeichnete er Tokios militärische Allianz mit den USA als problematisch.

Lawrow fügte hinzu: "Warum ist Japan das einzige Land in der Welt, das die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs in ihrer Gesamtheit nicht annehmen kann?" Tokio müsse Russlands Souveränität über die Kurilen anerkennen. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach von einem "langwierigen Prozess".

Das Kurilen-Archipel verbindet die russische Halbinsel Kamtschatka mit der japanischen Insel Hokkaido im Pazifik. Die Sowjetunion besetzte die Kurilen-Inseln in den letzten Kriegstagen im August 1945. Drei Inseln im südlichsten Teil der Inselkette und eine ebenfalls dort gelegene Inselgruppe beansprucht Japan bis heute als zu seinem Territorium gehörend.

In den 50er Jahren – vor Tokios Bündnis mit den USA – vereinbarten die Sowjetunion und Japan, dass im Fall eines noch abzuschließenden Friedensvertrags Moskau die Inseln Shikotan und die Inselgruppe Habomai an Japan übertragen könnte. Ob Russland dies immer noch vertritt, ist nicht klar. (APA, 22.1.2019)