Am Tag der Elementarpädagogik erhebt man eine Reihe von Forderungen.

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Die Gruppen sind zu groß, die Bezahlung ist zu gering. Gleichzeitig haben Eltern wie Politiker neuerdings deutlich höhere Erwartungen als eine schön gebastelte Faschingsgirlande. Es geht um Sprachförderung, Öffnungszeiten und die Ausbildung der Pädagoginnen, es geht um Bildungsarbeit und das Ausgleichen sozialer Startnachteile – willkommen auf der Baustelle Kindergarten.

Dauerbrenner

Raphaela Keller ist hier so etwas wie der Polier, also das Bindeglied zwischen Bauarbeiter und Bauleitung. Sie schaut darauf, dass etwas weitergeht. Weil aber leider so wenig weitergehe, hat die Vorsitzende des Berufsverbands der Kindergarten- und HortpädagogInnen den Tag der Elementarpädagogik ins Leben gerufen. Heute, Donnerstag, zu dessen Einjährigem, erklärt Keller: "Unsere Forderungen sind immer noch die gleichen – das ist ja die Schande."

Nötig seien mehr Raum, mehr Pädagoginnen – und mehr Pädagogen. Statt für 20 bis 25 Kinder sollte eine Pädagogin für maximal sieben bis acht Kinder zuständig sein, bei den Kleinsten nur für drei, sagt Keller. Die Konsequenz: "Es braucht doppelt so viele Pädagoginnen und Pädagogen." Aber immer noch gelinge es nicht, "die Leute in den Beruf zu bekommen und zu halten" – den schlechten Rahmenbedingungen sei Dank.

Allein in der Gruppe

Frau Huber, die eigentlich anders heißt, weiß genau, was gemeint ist. Gemeinsam mit einer Hilfskraft ist sie in Wien für 22 Eineinhalb- bis Sechsjährige zuständig. Und das sind die guten Tage. Wenn die Helferin krank ist, "stehe ich alleine in der Gruppe". Den Kindern unter diesen Bedingungen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie brauchen, oder qualitative Bildungsarbeit zu leisten ist schwierig, sagt Frau Huber. Es brauche überdurchschnittliches Engagement – das gehe an die Substanz.

Ein Kernanliegen der Berufsvertretung ist seit langem eine Aufwertung der Ausbildung, also die Akademisierung. Diese sei unverzichtbar, findet Natascha Taslimi, Lehrende am Kolleg für Elementarpädagogik BAfEP 8. Man könne sie mit einer Professionalisierung gleichsetzen und "als biografischen Entwicklungsprozess verstehen". Nachsatz: Abgesehen davon entspreche dies internationalen Standards. "Österreich war das letzte Land der EU, das die Akademisierung in der Elementarstufe umgesetzt hat" , sagt Taslimi. Anmerkung: Das war im Oktober 2018, als an zehn Pädagogischen Hochschulen das Bachelorstudium Elementarpädagogik gestartet wurde.

Keine Lobby

Bildungswissenschafter Wilfried Datler, der für den Tag der Elementarpädagogik einige "kritische Überlegungen" mit auf den Weg geben will, kann den berufsbegleitenden Studiengängen einiges abgewinnen. Das Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis sei wichtig, um Verknüpfungen herzustellen. Ein Beispiel: Die Teilnehmerinnen dokumentieren bestimmte Situationen aus ihrem Kindergartenalltag über Monate hinweg. In Kleingruppen wird zu verstehen versucht, warum es zu bestimmten Verhaltensmustern in der Interaktion zwischen Kind und Pädagogin kommt.

Ansetzen müsse man aber auch bei den Assistentinnen, findet Pädagoginnenbildnerin Taslimi: "Es gibt eine dreijährige Ausbildung zur pädagogischen Assistentin, die verpflichtend werden muss." Das entspreche einer berufsbildenden mittleren Schule und wäre "eine deutliche Aufwertung des Berufsbildes".

Im Westen schlägt man die umgekehrte Richtung ein: Wie in Tirol können seit dem Vorjahr auch in Vorarlberg nichtqualifizierte Personen Kindergartengruppen leiten, weil – und hier schließt sich der Kreis – akuter Personalmangel! Aber auch im Rest Österreichs ist es möglich, dass Assistentinnen für den Zeitraum von einem Jahr als Gruppenleiterinnen eingesetzt werden.

Warum Änderungen im System nur langsam greifen? Natascha Taslimi liefert einen Erklärungsansatz: "Weil der Kindergarten keine Lobby und keine bundesweite Gewerkschaft hat, weil Kindergartengesetze Landesgesetze sind und keine Einheitlichkeit besteht", listet sie auf. Noch dazu gebe es keinen "aktiven und nachhaltigen Widerstand" – weder von den Eltern noch von Pädagoginnen. (Peter Mayr, Karin Riss, 24.1.2019)