Auch Christoph Freund (links) hat sich in Salzburg entwickelt.

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Im Sommer trennen sich die Wege von Munas Dabbur (links) und Hannes Wolf. Salzburg bleibt eine schöne Erinnerung.

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Christoph Freund, 41-jähriger Sportdirektor von Red Bull Salzburg, gefällt der Begriff "Ausbildungsverein" nicht wirklich, er sagt lieber: "Wir sind ein ambitionierter Verein, der Spieler für den Kluberfolg entwickelt, Karrieren begleitet und ermöglicht." Österreichs Fußballserienmeister ist auf dem Transfermarkt zum Big Player geworden. "Wir sind eine Topadresse, man schätzt unsere Arbeit."

Am Mittwoch wurde Hannes Wolf an Leipzig verkauft, der 19-Jährige ist ein Eigenbauspieler, die Ablösesumme von zwölf Millionen Euro dementiert Freund nicht. Ein paar Tage davor wurde Munas Dabbur an den FC Sevilla abgegeben, 15 Millionen fließen in die Kassa. Der Wechsel von Amadou Haidara, ebenfalls nach Leipzig, wurde bereits im Dezember verkündet (19 Millionen).

Das Füllhorn

Salzburg hat in den vergangenen fünf Jahren auf dem Transfermarkt ein Plus von 158 Millionen erwirtschaft, nur Benfica Lissabon, der FC Porto und AS Monaco erzielten höhere Saldi. Wolf und Dabbur spielen die Saison noch fertig. Freund: "Wir mussten und wollten sie nicht sofort ziehen lassen, wir haben große Ziele." Die da wären: Meistertitel, Cupsieg, langer Verbleib in der Europa League.

Salzburg ist ein wahres Füllhorn geworden, Europa wird beliefert, beglückt. Seit 2009 wurden allein 19 Kicker dem Partnerklub in Leipzig verkauft. Freund: "Leipzig bekommt keine besseren Konditionen."

Die Akademie in Liefering ist quasi die Keimzelle des Ruhms, die Scouting-Abteilung funktioniert laut Freund "hervorragend". Da stecke harte Arbeit dahinter. "Es ist ja nicht so, dass Talente auf den Bäumen wachsen und man sie nur pflücken muss. Man muss sie entdecken, überzeugen, entwickeln."

Paradebeispiel

Wolf ist ein Paradebeispiel. Als 15-Jähriger gekommen, hat er alle Nachwuchsstationen durchlaufen. Freund sagt: "So eine Karriere freut einen besonders. Das ist ein perfekter Werdegang, die Bestätigung, dass der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist." Für die größte Gewinnspanne sorgte der Kroate Duje Caleta-Car. Um läppische 80.000 Euro erworben, wurde er im Sommer 2018 um 18 Millionen an Marseille abgegeben. Freund: "Erfolgsrezept ist, dass die Talente Einsatzzeiten auf hohem Niveau bekommen."

Da Salzburg nur ein Teil der österreichischen Liga ist, sind Grenzen gesetzt. "Auf Dauer sind die sehr guten Spieler nicht zu halten, wir versperren ihnen auch nicht den Weg. Österreich ist nicht das Sehnsuchtsziel für große Karrieren." Natürlich könne man bei Salzburg einiges erleben, man kicke international gegen Dortmund oder Lazio Rom (man schlägt sie sogar), allerdings sei der Alltag anders als jener in Deutschland, England, Spanien oder Italien.

Erfolge

"Man hat Lust, jede Woche vor 70.000 Leuten zu spielen, und zwar gegen Real Madrid oder Bayern München. Wir machen Karrieren, wir verbauen keine. Aber unsere Jungs spielen sehr gerne in Salzburg, man spürt, dass sie sich wohlfühlen, Spaß haben in der Truppe. Sie bringen Leistung, werden immer besser, spielen sich ins Rampenlicht." Dafür notwendig seien natürlich Erfolge auf internationaler Ebene.

Das Reservoir ist nicht ausgeschöpft. Xaver Schlager, Diadie Samassekou, Stefan Lainer und andere sind begehrt, weitere Transfers sind frühestens im Sommer möglich. Der 18-jährige Norweger Erling Haaland wurde bereits im August von Molde verpflichtet, ein Rohdiamant, eine Aktie. Nach der Saison droht freilich der Abgang von Trainer Marco Rose. Freund ist sich dessen bewusst. "Für ihn gilt, was für die Spieler gilt. Marco ist ein außergewöhnlicher Trainer und Mensch. Er hat sich bei uns einen internationalen Namen gemacht."

Freund, seit 2015 im Amt, hat einen Vertrag bis 2020. Angst, dass das Füllhorn sich einmal leeren könnte, empfindet er keine. "Natürlich ist es schwierig, dieses Niveau zu halten. Wir stellen uns der Herausforderung." Die Mannschaft flog am Donnerstag ins Trainingslager nach Portugal. Freund: "Wir haben viel vor." (Christian Hackl, 25.1.2019)