Kitzbühel – Dominik Paris ist und bleibt ein Kitzbühel-Spezialist. Der Südtiroler holte am Freitag schon den dritten Abfahrtssieg und seinen insgesamt vierten Sieg in der Gamsstadt. Erneut geschlagen war der Schweizer Beat Feuz, dem zwei Zehntelsekunden auf seinen ersten Kitz-Triumph fehlten. Die für die österreichischen Fans positive Überraschung lieferte der Kärntner Otmar Striedinger als Dritter.

Der Spezialist.
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Für den 27-Jährigen, der mit Startnummer 27 ins Rennen ging, war es der zweite Podestplatz im Skiweltcup nach Rang zwei im Super-G von Beaver Creek 2013. "Dass dann der Dreier aufleuchtet, mit dem hätte ich natürlich nicht gerechnet", meinte der gebürtige Villacher, der 0,37 Sekunden Rückstand hatte. "Ich bin sehr froh, dass ich heute einmal die Mischung zwischen Angriff und Lockerheit gefunden habe." Schon nach seinen Trainingsfahrten habe er sich gedacht, "dass ich da herunter sehr schnell sein kann".

Das Wetter

Die Dramaturgie des Rennens wurde vom Wetter entscheidend mitbestimmt, besserten sich doch ab etwa Startnummer 25 die Sichtverhältnisse deutlich. "Ich bin froh, dass ich das ausgenutzt habe", verriet Striedinger. Sein Zimmerkollege Daniel Danklmaier, der nach starken Trainings von vielen als Geheimfavorit gehandelt worden war, fuhr sogar mit Nummer 41 zum fünften Platz (+0,94).

Das Kitz-Podest 2019.
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Großteils enttäuschend verlief der Tag hingegen für die mitunter als Mitfavoriten gestarteten Österreicher. Hannes Reichelt, der das Rennen eröffnete, belegte schließlich den achten Platz (1,11), Matthias Mayer wurde Neunter (1,17). Christoph Neumayer kam mit zwei Sekunden Rückstand als 21. in die Wertung, Vincent Kriechmayr, Max Franz, Johannes Kröll und Christian Walder schieden aus. Franz schwang bereits vor dem Steilhang ab, erlitt einen Fersenbeinbruch, muss sechs bis acht Wochen pausieren und fällt für die WM aus.

Freude

Paris freute sich klarerweise über seinen zwölften Weltcupsieg. Der Jungvater aus Ulten schloss damit in der Liste der Mehrfachsieger des Klassikers zur österreichischen Skilegende Karl Schranz auf. "Die Fahrt war ziemlich am Limit. Ich habe überhaupt nicht so ein gutes Gefühl gehabt. Unten ist schon ein bisserl besser gegangen", meinte der 29-Jährige, der das Rennen im Finish für sich entschied. "Mir gefällt das Risiko, nach unten zu fahren, wenn es nicht so wie in Gröden lang dahingeht", sagte Paris, der hier zudem 2015 den Super-G gewonnen hatte.

Feuz konnte sich lange freuen.
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Feuz trauerte dem erneut verpassten Kitz-Sieg nicht nach. Dem Wahltiroler, der bereits öfter knapp dran war, gelang auf der Streif endlich eine Fahrt, bei der ihm alles aufging. "Ich kann definitiv nicht schneller fahren als heute bei den Verhältnissen. Für mich war es eine Superfahrt. Der Dominik ist einfach zwei Zehntel schneller gefahren, das muss man akzeptieren", meinte der Führende im Abfahrtsweltcup, der nach den jüngsten fünf Rennen immer auf dem Podium stand.

"Überglücklich" gab sich Danklmaier. "Oben habe ich mir gedacht beim U-Hakerl: Ah, das war jetzt nicht alles, aber ich dürfte den Rest ganz gut getroffen haben. Jetzt bin ich überhappy", berichtete der Steirer aus Haus im Ennstal. "Unten habe ich eine kleine Schrecksekunde bei der Traverse gehabt. Aber du musst sowieso riskieren, das habe ich getan, und es ist Gott sei Dank aufgegangen."

Startnummern

Reichelt hatte die Abfahrt mit Startnummer eins eröffnet. "Wenn ich jetzt so nach oben schaue, war es nicht die glücklichste Nummer. Die Fahrt selber war eigentlich gut. Es gibt nur ein paar Kleinigkeiten, wo ich sage, die waren vielleicht nicht so sauber. Aber die Spur im Flachen und ins Ziel ist sicher schneller geworden", meinte der Salzburger. Mayer sprach von einer "sauberen" Fahrt. "Technisch war es gut. Ich habe auch einen ganz gute Speed gehabt eigentlich, aber es hat einfach nicht gereicht. Vielleicht wäre es von der Startnummer geschickter gewesen, ich hätte eine weiter hinten genommen."

Kriechmayr vermeidet artistisch Schlimmeres.
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Kriechmayr vermied zweimal mit beeindruckender Körperbeherrschung einen Sturz, konnte sich aber letztlich nicht mehr im Kurs halten. Schon in der Mausefalle wäre der Oberösterreicher beinahe abgeflogen, setzte seine Fahrt aber fort. Nach der Hausbergkante rette er sich neuerlich akrobatisch, statt im Sicherheitsnetz landete er aber auf zwei Beinen im Tiefschnee.

Nachher war ihm die Enttäuschung anzumerken. "Sicher bin ich froh, dass ich heil herunten bin, aber das war nicht meine Ambition", sagte der 27-Jährige. "Ich wollte das Rennen gewinnen, ich habe volles Risiko gegeben, und das hat von oben bis unten nicht funktioniert. Ich war wahrscheinlich die Spur zu viel am Limit." Im Super-G am Sonntag wolle er es besser machen. (APA, red, 25.1.2019)