Die Menschen an Bord der Sea-Watch 3 dürfen in Italien nicht an Land gehen.

Foto: AP Photo/Salvatore Cavalli

Rom – Die italienische Bischofskonferenz CEI ist zur Aufnahme der 47 Geretteten bereit, die sich an Bord des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" vor der Küste der sizilianischen Stadt Syracus befinden. "Wir sind nicht gegen die italienische Regierung. Wir sind dem Evangelium treu, hier geht es um Menschlichkeit. Das Mittelmeer darf nicht zu einer Mauer werden", so CEI-Sprecher Ivan Maffeis laut Medienangaben.

Die Kinderschutzorganisation "Save the Children" appellierte an die italienische Regierung, minderjährige Migranten an Land gehen zu lassen. "Jede Minute länger an Bord des Schiffes wird tiefe Spuren im Leben dieser Jugendlichen hinterlassen", warnte Raffaella Milano, Sprecherin von "Save the Children" in Italien.

Berlusconi will Menschen an Land lassen

Der Fall der Migranten an Bord der "Sea-Watch 3" sorgt für hitzige politische Diskussionen. Ex-Premier Silvio Berlusconi machte Druck auf die Regierung, die sofortige Landung des Schiffes zuzulassen. "Die Regierung will uns glauben lassen, dass die Einwanderung Italiens ärgstes Problem ist. Ich begreife nicht, warum die Einreise von 47 Menschen ein Problem sein sollte, wenn man bedenkt, dass 600.000 Ausländer illegal in Italien leben, die die Regierung in ihre Heimat schicken wollte", kritisierte Berlusconi, Chef der oppositionellen Forza Italia.

Der Gründer der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Beppe Grillo, verteidigte den Regierungskurs in Sachen Einwanderung. "Die Migrationsproblematik hat eine epochale Dimension. Wir und die Lega wollen das Geschäft mit dem Leid der Migranten verhindern und zugleich die ganze Angelegenheit auf europäischer Ebene besprechen. Dies bedeutet auch, sich ein wenig mit Frankreich zu streiten, das seinen kolonialen Instinkten nicht widerstehen kann", so Grillo im Interview mit der Tageszeitung "America Oggi".

Italiens Innenminister Matteo Salvini denkt an eine Klage wegen Begünstigung der Schlepperei gegen alle Crewmitglieder des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3". Dies verlautete laut Medienangaben aus dem römischen Innenministerium.

Salvini wies die Forderung des Jugendgerichts von Catania zurück, acht unbegleitete minderjährige Gerettete an Bord gehen zu lassen. Die unbegleiteten Minderjährigen seien 17 Jahre alt und es werde ihnen nicht genehmigt, das Schiff zu verlassen, verlautete aus dem Innenministerium.

Druck auf die Niederlande

Salvini rief am Freitag die niederländische Regierung auf, eine Lösung für die Migranten und Flüchtlinge an Bord der "Sea-Watch 3" zu finden. Schließlich fahre das Boot unter niederländischer Flagge. Die niederländische Regierung wies jedoch die Verantwortung zurück, zum Ärger hochrangiger Kabinettsmitglieder in Italien.

"Die 'Sea-Watch 3' fährt mit niederländischer Flagge. Wenn sie im Mittelmeer unterwegs ist und Italien täglich herausfordern kann, ist dies der Flagge zu verdanken, die sie von den Niederlanden erhalten hat. Entweder übernehmen die Niederlande die Verantwortung für die Geretteten, oder sie entziehen der deutschen NGO Sea-Watch die Flagge", forderte Vizepremier Luigi Di Maio auf Facebook.

Zwei Kilometer vor Syracus

Wegen eines Sturms steuerte die "Sea-Watch 3" in italienische Gewässer und liegt nun zwei Kilometer vor dem sizilianischen Syracus, teilte die Küstenwache mit. Den Geretteten gehe es soweit gut, doch sie würden nicht verstehen, warum sie das Schiff nicht verlassen dürfen, berichteten die Crewmitglieder.

Italien hält seine Häfen für private Rettungsschiffe seit Monaten geschlossen und hat bereits mehrere Schiffe auf See blockiert. Rom will eine Verteilung der Migranten innerhalb der EU. (APA, 26.1.2019)