Eine Umarmung zum Abschluss.

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Marcel Hirscher attackiert.

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Clément Noël gewinnt.

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Volles Haus in Kitzbühel.

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Kitzbühel – Gänsehautstimmung im packenden Finale des Slalomklassikers vor 39.000 Zuschauern am Ganslern. Nach seinem Triumph in Wengen gewann Clément Noël vor beeindruckender Rekordkulisse auch den auf Samstag vorverlegten Torlauf in Kitzbühel und damit sein zweites Weltcuprennen innert einer Woche. Der Franzose setzte sich bei Schneefall 0,29 Sekunden vor Marcel Hirscher und 0,36 vor Alexis Pinturault durch. Marco Schwarz (0,69) belegte unmittelbar vor dem im Finale auf Rang sechs zurückgefallenen Halbzeit-Führenden Ramon Zenhäusern aus der Schweiz Rang fünf. Mit Michael Matt (1,01) als Achtem und Christian Hirschbühl als Zehntem (1,24) landeten noch zwei weitere ÖSV-Athleten in den Top Ten.

Noël konnte als erster Franzose seit Jean-Baptiste Grange 2010/11 mehr als einen Slalom in einem Winter für sich entscheiden. Der 34-jährige Grange, Slalomweltmeister von 2011 und 2015, zog sich in Wengen einen Kreuzbandriss zu und musste die Saison beenden. "Das war speziell. Es waren so viele Leute, das habe ich noch nie gesehen", sagte der 21-jährige Kitzbühelsieger. "Ich weiß, dass ich schnell fahren kann seit dem Beginn der Saison. Aber ich muss das konstant schaffen."

Hirscher verpasste seinen 68. Weltcupsieg am Ende relativ knapp. Nach dem ersten Durchgang lag er als Neunter allerdings schon 88 Hundertsel hinter Zenhäusern und schaffte trotz Laufbestzeit im zweiten Heat den Coup nicht, der ihm nach einem Bravourritt 2017 gelang, als er ebenso als Halbzeitneunter mit 1,22 Sekunden Rückstand auf den damals Führenden Briten Dave Ryding noch gewann. Der Brite belegte am Samstag mit 2,67 Sekunden Rückstand Rang 15.

Hirscher nahm die neuerlich geglückte Schadensbegrenzung wohlwollend zur Kenntnis. "Ich glaube, das passt ganz gut am Ende des Tages", sagte der 29-jährige Salzburger, der sich an 2017 zurückerinnerte. "Das Gute ist, dass ich heute wieder auf dem Podium sein darf. Megakulisse heute in Kitzbühel, geniale Pistenverhältnisse, in Summe haben wir heute wieder ein Rennen gehabt, an das ich mich lange erinnern werde", so Hirscher.

Henrik Kristoffersen, Sieger des Slaloms am Ganslern 2018, musste sich mit Platz vier (0,53) begnügen. Sensationell war die Performance von Albert Popow. Der Bulgare raste mit Startnummer 71 im ersten Lauf auf Platz fünf und lag damit unmittelbar hinter Hirschbühl, dem zur Halbzeit besten Österreicher. In der Entscheidung fiel er auf Platz neun (1,05) zurück und schaffte somit sein bestes Weltcupergebnis. In Levi holte der Bronzemedaillengewinner der Junioren-WM 2018 in Davos als 20. seine ersten Weltcuppunkte, in Madonna di Campiglio belegte er Rang 16. "Ich mag es, wenn es super-eisig ist und schwierig. Das ist mein Ding", erklärte der 21-jährige auf Deutsch. Popow trainiert seit drei Jahren mit dem deutschen Team um Felix Neureuther (1,94), der Elfter wurde.

In seinem erst dritten Weltcuprennen erreichte Mathias Graf (2,94) erstmals ein Finale und fixierte den 18. Platz. "Ich bin voll zufrieden", gab der 23-jährige Vorarlberger zu Protokoll. "Ich glaube, wenn ich heute schlafen gehe, werde ich das dann realisieren." Für Marc Digruber (3,16) ist nach Rang 22 der WM-Zug wohl abgefahren.

Zahlreiche Läufer kamen nicht ins Ziel. Allein im ersten Durchgang, der bei starkem Schneefall stattfand, scheiterten nicht weniger als 37, darunter auch Manuel Feller, der nach einem Einfädler disqualifiziert wurde. "Normal muss ich stehenbleiben, aber wenn ich es nicht merke, kann ich es nicht tun", sagte der 26-Jährige, der in Kitzbühel schon zum vierten Mal scheiterte. In der Entscheidung fielen drei Läufer aus, darunter mit Johannes Strolz einen der sieben für das Finale qualifizierten Österreicher.

Am Sonntag wird in Kitzbühel der Super-G (13.30 Uhr) steigen. Die Veranstalter sind nach anfänglichen Bedenken recht zuversichtlich, wie Harti Weirather dem Standard berichtete. Die Wetterprognosen deuten auf gute Verhältnisse hin. "Morgen gibt es sicher ein super Rennen", sagte der Abfahrtsweltmeister von 1982 in Schladming und Chefvermarkter des Events in Kitzbühel. Für die Slalomartisten geht es bereits am Dienstag mit dem Nightrace (17.45 und 20.45 Uhr) in Schladming weiter. (Thomas Hirner, 26.1.2019)

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Liveticker und Ergebnis

Endergebnis

1. Clement Noel (FRA) 1:45,53
2. Marcel Hirscher (AUT) 1:45,82 +00,29
3. Alexis Pinturault (FRA) 1:45,89 +00,36
4. Henrik Kristoffersen (NOR) 1:46,06 +00,53
5. Marco Schwarz (AUT) 1:46,22 +00,69
6. Ramon Zenhäusern (SUI) 1:46,38 +00,85
7. Andre Myhrer (SWE) 1:46,41 +00,88
8. Michael Matt (AUT) 1:46,54 +01,01
9. Albert Popow (BUL) 1:46,58 +01,05
10. Christian Hirschbühl (AUT) 1:46,77 +01,24

1. Durchgang:

1. Ramon Zenhäusern (SUI) 55,22
2. Clement Noel (FRA) 55,34 +0,12
3. Alexis Pinturault (FRA) 55,39 +0,17
4. Christian Hirschbühl (AUT) 55,59 +0,37
5. Albert Popow (BUL) 55,82 +0,60
6. Marco Schwarz (AUT) 55,83 +0,61
7. Andre Myhrer (SWE) 55,84 +0,62
8. Michael Matt (AUT) 55,93 +0,71
9. Marcel Hirscher (AUT) 56,10 +0,88

10. Sandro Simonet (SUI) 56,11 +0,89

2. Durchgang:

1. Marcel Hirscher (AUT) 49,72
2. Henrik Kristoffersen (NOR) 49,92 +0,20
3. Clement Noel (FRA) 50,19 +0,47
4. Marco Schwarz (AUT) 50,39 +0,67
5. Alexis Pinturault (FRA) 50,50 +0,78
6. Andre Myhrer (SWE) 50,57 +0,85
7. Michael Matt (AUT) 50,61 +0,89
8. Felix Neureuther (GER) 50,69 +0,97
9. Elias Kolega (CRO) 50,73 +1,01
10. Albert Popow (BUL) 50,76 +1,04

Gesamtwertung nach 25 Rennen:

1. Marcel Hirscher (AUT) 1116
2. Henrik Kristoffersen (NOR) 671
3. Alexis Pinturault (FRA) 620
4. Beat Feuz (SUI) 513
5. Dominik Paris (ITA) 490
6. Vincent Kriechmayr (AUT) 465
6. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 465
8. Marco Schwarz (AUT) 455
9. Mauro Caviezel (SUI) 422
10. Aksel Lund Svindal (NOR) 419
11. Max Franz (AUT) 408
12. Clement Noel (FRA) 401
13. Christof Innerhofer (ITA) 374
14. Loic Meillard (SUI) 368
15. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 356

Slalom (8):

1. Marcel Hirscher (AUT) 576
2. Clement Noel (FRA) 401
3. Henrik Kristoffersen (NOR) 369
4. Daniel Yule (SUI) 336
5. Marco Schwarz (AUT) 306
6. Alexis Pinturault (FRA) 269
7. Michael Matt (AUT) 253
8. Manuel Feller (AUT) 234

9. David Ryding (GBR) 232
10. Ramon Zenhäusern (SUI) 221
11. Andre Myhrer (SWE) 188
12. Christian Hirschbühl (AUT) 154
13. Loic Meillard (SUI) 134
14. Victor Muffat-Jeandet (FRA) 125
15. Felix Neureuther (GER) 122