Smartphones sind omnipräsent, doch Steve Jobs' Vision für das iPhone war eine andere

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Wenn es eine eierlegende Wollmilchsau gibt, dann wohl in Form des Smartphones. Das Gerät ist omnipräsent: Menschen nutzen es, um zu chatten, zu surfen, Videos zu schauen, Fotos zu machen und als Kalender, Routenplaner und Wetteranzeige. Warnungen über Smartphone-Sucht und den ungesunden Einfluss sozialer Medien dominieren die Schlagzeilen, sogar die großen Techfirmen wollen ihre Nutzer dabei unterstützen, weniger oft ihr Smartphone in die Hand zu nehmen.

Anrufe als "Killer-App"

Apple-Mitgründer und iPhone-Miterfinder Steve Jobs hat sich das anders vorgestellt. Als er 2007 das iPhone enthüllte, sprach er von einem "iPod mit Anruffunktion". Das Gerät sei "der beste iPod, den wir je gemacht haben", sagte Jobs. Die "Killer-App" sei die Anruffunktion, so Jobs weiter. Erst nach über dreißig Minuten Redezeit kam er auf die Internet-Features des Smartphones zu sprechen. "Jobs stellte sich einen einfacheren und zurückhaltenderen Umgang mit dem iPhone vor", analysiert der IT-Forscher Cal Newport in der New York Times.

Jonathan Turetta

Kein App-Store

So gab es zum iPhone-Start noch keinen App Store, da Jobs Drittanbietern nicht zutraute, qualitativ hochwertige Anwendungen zu entwickeln. Ein früherer Weggefährte von Jobs berichtete Newport, dass sich der Apple-Chef, der 2011 verstarb, unter dem iPhone ein Gerät vorstellte, das eine kleine Nummer von Aufgaben erfüllte. Es sollte nicht süchtig machen – und schon gar nicht als Türöffner für soziale Netzwerke fungieren, deren Währung die Aufmerksamkeit ihrer User ist.

Digitaler Minimalismus

Um Jobs Vision zu erfüllen (und ihre Smartphone-Sucht zu testen), können Nutzer laut Newport einige Maßnahmen unternehmen. Sie sollen prüfen, wie viele Apps ihren Sperrbildschirm mit Benachrichtungen füllen und diese Anzeigen dann reduzieren. Außerdem kann man versuchen, bestimmte Anwendungen zu löschen – beispielsweise soziale Medien oder E-Mail-Apps. Die können dann ja klassischerweise am Computer abgerufen werden. Das Smartphone werde dann "ein gut designtes Gerät, das ab und zu benutzt wird, um einen zu unterstützen", verspricht Newport – so, wie Jobs sich das vorgestellt hätte. (red, 27.1.2019)